Frieden sichern, Zukunft gestalten
24.06.2026

Frieden sichern, Zukunft gestalten

Zum fünfjährigen Bestehen der „Akademie für Frauen“ lud das „Thematische Frauenfrühstück“ zu Denkanstößen ein – über Frieden, Verantwortung und Gerechtigkeit. Was bedeutet Frieden heute? Was können wir von mutigen Frauen der Vergangenheit lernen? Und warum ist Geschlechtergerechtigkeit auch im Zeitalter Künstlicher Intelligenz eine drängende Frage? Bei dieser Veranstaltung anlässlich des fünfjährigen Jubiläums der „Akademie für Frauen“ gaben vier Rednerinnen Impulse zu genau diesen Themen – persönlich, informierend und mit einem klaren Appell: Verantwortung beginnt nicht irgendwo da draußen, sondern bei jeder und jedem Einzelnen.

Die Bedeutung einer weiblichen Perspektive

Dörte Schall: „Verantwortung beginnt hier“

Frieden ist für Dörte Schall, Staatsministerin a.D., weit mehr als die Abwesenheit von Krieg – er bedeutet soziale Sicherheit, Ernährungssicherheit und den Umgang mit Klimawandel und globalen Ungleichheiten. Als Sozialministerin in NRW erlebte sie täglich die Folgen von Krieg und Flucht und ist überzeugt: „Weibliche Perspektiven sind notwendig, um umfassenden Frieden zu gewährleisten – nicht weil Frauen friedfertiger sind, sondern weil Frieden alle Menschen braucht.“ Die UN-Resolution 1325 erkannte bereits im Jahr 2000 an, dass Frauen aktiv Friedensprozesse gestalten; Studien zeigen, dass Friedensabkommen mit weiblicher Beteiligung dauerhafter sind. Doch die Bilanz zum 25. Jubiläum der Resolution 2025 – 170 bewaffnete Konflikte weltweit, stark gestiegene sexualisierte Gewalt – zeigt: Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit bleibt groß. Sie ermutigt persönlich: Haltung zeigen, Stimme erheben gegen Ungerechtigkeit, Vorbild sein für Kinder und Freundinnen – gesellschaftlich: Netzwerke stärken, andere Frauen unterstützen und fördern, Narrative verändern – politisch: Partizipation einfordern, heraustreten und kandidieren, bestehende Strukturen herausfordern.

Ihr Fazit: Verantwortung beginnt nicht erst in der Politik, sondern hier, heute, in jedem Raum, in dem wir uns begegnen. Gesellschaften sind friedlicher, wenn Geschlechtergleichheit gelebt wird.

Elisabeth Vanderheiden: „Warum wir eine feministische KI brauchen“

KI hat ein Geschlecht, eine Hautfarbe, ein Alter: männlich, weiß, 29 bis45 Jahre – so das Profil derer, die sie hauptsächlich entwickeln. Die Folge, so Elisabeth Vanderheiden, Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Main: Stereotype und Ungleichheiten werden in industriellem Tempo reproduziert und technisch zementiert. Ihre fünf Thesen: KI reproduziert bestehende Machtverhältnisse, wenn Datensätze nicht bewusst korrigiert werden. Sie macht oft Unsichtbares sichtbar, indem sie zeigt, wessen Erfahrungen systematisch ausgeblendet werden. Feministische KI fragt konsequent nach Gerechtigkeit – wem nützt die Technologie, wer trägt die Risiken? Sie stärkt Demokratie, indem KI-Entwicklung nicht allein Konzernen überlassen bleibt. Und sie schützt vor digitaler Gewalt wie Deepfakes und Überwachung, indem sie Menschenwürde als verbindlichen Maßstab verankert.

Ihr Appell: KI-Ergebnisse kritisch prüfen, Diskriminierung benennen – und fragen, wer die eingesetzte KI eigentlich kontrolliert.

Kornelia Tildmann: „Geschlechtergerechtigkeit ist noch lange nicht erreicht“

Zum fünfjährigen Jubiläum der Frauenakademie zog Kornelia Tildmann, Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Pfalz-Kreises, Bilanz: Geschlechtergerechtigkeit ist trotz vieler Fortschritte noch lange nicht erreicht. Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Berufen, sind in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert – nur 11 % der Vorstandsposten der 160 größten deutschen Unternehmen sind mit Frauen besetzt – und beziehen im Alter durchschnittlich nur die Hälfte der Rente eines Mannes. Auch politisch sind Frauen kaum vertreten: im Bundestag liegt ihr Anteil bei nur einem Drittel, in kommunalen Gremien bei rund 25 %. Besonders alarmierend: Jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet; häusliche Gewalt verursacht volkswirtschaftliche Kosten von 54 Milliarden Euro, während nur ein geringer Teil davon in Unterstützungsangebote fließt.

Ihre Botschaft: Die Frauenakademie leistet mit ihren Veranstaltungen einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung und Information der Öffentlichkeit – mit dem Ziel einer gerechteren und damit friedlicheren Gesellschaft.

Alice Demessier: „Unternehmen müssen mit gutem Beispiel vorangehen“

Ein mittelständiges Unternehmen im Sanitärbereich in Ludwigshafen – mit Alice Demessier geführt von einer Frau. Die Mitarbeitenden sind meist männlich, aus den verschiedensten Nationen. Als Frau an der Spitze eines mittelständischen Unternehmens zu stehen, bedeutete anfangs, sich in einer überwiegend männlich geprägten Branche zu behaupten. Die Belegschaft besteht aus Mitarbeitenden mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen und Nationalitäten – eine Vielfalt, die Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich bringt. Akzeptanz entstand nicht von heute auf morgen, sondern durch gegenseitigen Respekt, Offenheit und das tägliche Miteinander.

Ein besonderer Weg, den Zusammenhalt zu stärken, war das gemeinsame Kennenlernen der Herkunftsländer vieler Mitarbeitender. Diese Besuche schufen Verständnis für unterschiedliche Kulturen, Traditionen und Lebensweisen. Aus Kollegen wurden ein Team, aus Vielfalt eine Stärke.

Ihre Überzeugung: Heute prägen Vertrauen, Wertschätzung und gegenseitige Unterstützung den Arbeitsalltag – und zeigen, dass gemeinsame Erlebnisse Brücken bauen können, weit über den Arbeitsplatz hinaus.

Monika Kreiner: „Mutige Frauen widersetzten sich dem Fraternisierungsverbot“

1927 setzten Frauen aus den USA und Kanada dem Fraternisierungsverbot – dem Verbot, im Krieg Kontakt zum Gegner aufzunehmen – ein weltweites Gebet für Frieden und Verbundenheit entgegen. Die Idee verbreitete sich rasch bis nach Indien, China, Polen und Syrien. Auch der Zweite Weltkrieg konnte die Bewegung nicht aufhalten: 1947 luden Stella Wells und Luise Scholz in Berlin erstmals zu einem gemeinsamen Gebet ein, trotz bestehenden Verbots – über 600 britische, US-amerikanische und deutsche Frauen kamen zusammen. 2027 wird der ökumenische Weltgebetstag 100 Jahre alt. Jedes Jahr lenkt er den Blick auf die Lebensrealität von Frauen in einem bestimmten Land und unterstützt mit seinen Kollekten weltweit Frauenprojekte, wie Monika Kreiner, Referentin für Frauenseelsorge im Bistum Speyer, berichtet.

Ihr Plädoyer: Frieden wächst dort, wo Grenzen überschritten werden und wir im anderen den Mitmenschen sehen.

Fünf Perspektiven, eine gemeinsame Botschaft: Frieden und Gerechtigkeit entstehen nicht von selbst – sie brauchen mutige Frauen, klare Fragen und Verantwortung, die im Kleinen beginnt.

Bild: Engagierte Frauen für Frieden und Zukunft (von links): Jana Sand, Dörte Schall, Monika Kreiner, Ulrike Gentner und Kornelia Tildmann. Es fehlen Elisabeth Vanderheiden und Alice Demessier.

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