Achtsame Selbstwahrnehmung, innere Klärung und persönliche Entwicklung
Focusing ist ein wissenschaftlich fundierter Ansatz, der Menschen darin unterstützt, mit ihrem inneren Erleben in Kontakt zu kommen und daraus stimmige Schritte für ihr Leben zu entwickeln. Er verbindet achtsame Körperwahrnehmung, emotionale Resonanz und reflektierendes Denken zu einem ganzheitlichen Prozess.
In seiner Anwendung erweist sich Focusing als wirksames Instrument im Selbstmanagement sowie in Psychotherapie, Beratung, Seelsorge, Sozialarbeit, Pädagogik, Führung und kreativen Berufen. Der Ansatz ist gut erforscht und hat sich insbesondere im Umgang mit psychosomatischen Symptomen, Stress und herausfordernden Lebenssituationen bewährt.
Im Zentrum steht das körperlich gespürte Wissen – ein innerer Erfahrungsraum, in dem sich oft mehr Klarheit, Orientierung und Lösung zeigen, als dem reinen Verstand zugänglich ist.
Ein einfacher und zugleich tiefgehender Ansatz
Es ist faszinierend, wie einfach und zugleich tiefgehend dieser Ansatz ist. Stellen Sie sich vor, Sie halten inne, atmen und lassen zu, dass sich diese vagen Empfindungen – das, was Eugene Gendlin den „felt sense“ nennt – entfalten dürfen. Wie ein gut gehütetes Geheimnis, das sich nur denen offenbart, die bereit sind zuzuhören. Es ist eine Form der Achtsamkeit, aber nicht die modische Variante, bei der man sich in schicker Yogakleidung auf den eigenen Atem konzentriert und versucht, „im Moment zu sein“. Nein, Focusing geht tiefer. Es ist die Kunst, dem inneren Flüstern Raum zu geben und zuzulassen, dass die Antwort vielleicht nicht sofort kommt. Dass sie sich erst zeigt, wenn man die Geduld aufbringt, nicht sofort zu wissen.
Die Wirksamkeit liegt genau in dieser Langsamkeit. Während der Alltag uns zwingt, ständig schnell zu funktionieren – Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen, die nächste To-Do-Liste abzuarbeiten –, fordert Focusing das Gegenteil: Nimm dir Zeit. Warte. Und hör hin. Die subtilen Signale des Körpers, dieses unbestimmte Empfinden, das wir sonst gern ignorieren, sind keine störenden Nebengeräusche. Sie sind der Schlüssel. Sie führen uns zu dem, was wir wirklich brauchen, was uns vielleicht schon lange fehlt.
Focusing und das Heilige
Diese Fortbildung lädt dazu ein, Focusing und spiritueller Erfahrung in Verbindung zu bringen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich das, was Menschen als heilig, tragend, sinnstiftend oder transzendent erleben, im Körper, im Felt Sense und im inneren Prozess zeigen kann – und wie solche Erfahrungen achtsam, differenziert und verantwortungsvoll begleitet werden können.
Ausgangspunkt ist die Haltung des Focusing: innehalten, dem Körper zuhören, dem noch Unklaren Raum geben und wahrnehmen, wie sich Bedeutung schrittweise bildet. Spirituelle Erfahrung wird dabei nicht hergestellt und nicht erklärt. Sie kann sich zeigen – als etwas Stimmiges oder Offenes, als Trost oder Frage, als Nähe oder Nicht-Wissen.
Das ermöglicht Focusing Ihnen
- sich selbst achtsamer wahrzunehmen, innerlich klarer zu werden und einen freieren Umgang mit dem zu finden, was ist
- Menschen respektvoll und präsent in Entwicklungs- und Krisenprozessen zu begleiten
- mit inneren Konflikten, Widerständen und Blockaden konstruktiv umzugehen
- stimmige Entscheidungen zu treffen und kreative Lösungen zu finden
- eine liebevollere und tragfähigere Beziehung zu sich selbst zu entwickeln
- festgefahrene Muster zu lösen und neue Handlungsspielräume zu eröffnen
- Körper, Gefühl, Denken, Vorstellungskraft und Spiritualität zu integrieren
- Vertrauen in den eigenen Veränderungsprozess zu gewinnen
- die Komplexität Ihres Lebens zu verstehen und stimmige Entscheidungen aus der Lebens-Mitte zu treffen
Focusing drängt uns nichts auf
Aber warum, könnte man fragen, sollte man sich auf eine Methode einlassen, die uns nichts Konkretes verspricht, keine schnelle Lösung, keinen direkten Erfolg? Weil genau darin die Freiheit liegt. Focusing drängt uns nichts auf. Es fordert nicht, dass wir sofort Antworten finden. Es erlaubt uns, zu warten, zu spüren und zu erleben. In einer Zeit, in der alles ständig in Bewegung sein muss, ist das ein radikaler Gedanke.
Und das Überraschende? Es funktioniert. Die körperlichen Empfindungen, die uns im Alltag oft wie lästige Begleiter erscheinen – das Unwohlsein im Magen, der Druck in der Brust –, entpuppen sich als Wegweiser. Sie führen uns durch die Labyrinthe unserer eigenen Gefühle und Gedanken, ohne dass wir sie sofort erklären oder verstehen müssen. In diesem Raum der Absichtslosigkeit liegt eine unerwartete Stärke: die Fähigkeit, sich selbst wirklich zu begegnen.
Eine Form von Selbstakzeptanz
Es ist eine Form von Selbstakzeptanz, die man nur schwer in Worte fassen kann, die aber spürbar wird, sobald man sich auf den Prozess einlässt. Und mehr noch: Es ist eine Einladung, die leisen, verborgenen Ebenen unseres Selbst zu entdecken – ohne Eile, ohne Druck. Vielleicht geht es am Ende genau darum: um die Geduld, sich selbst zu finden, ohne den ständigen Drang, sich immer wieder neu zu erfinden.
Focusing ist kein Werkzeug für die Schnelllebigen, die Ergebnisse innerhalb weniger Minuten wollen. Es ist für jene, die bereit sind, zuzuhören. Zu warten. Und darauf zu vertrauen, dass das, was sich zeigt, alles ist, was man braucht.
Nicht mehr verspricht Focusing. Es ist eine Methode, die uns lehrt, wieder auf das zu hören, was in uns liegt, und auf das, was sich oft nur zaghaft bemerkbar macht. Kein lautes Nachdenken, kein Diskutieren oder Philosophieren. Stattdessen eine Rückkehr zu dem, was wir schon längst in uns tragen – das leise, körperliche Wissen, das jenseits der Worte liegt.

Focusing-Angebote im Heinrich Pesch Haus
Focusing-Einführungskurs in vier Modulen

Im Focusing-Einführungskurs im Heinrich Pesch Haus unter der Leitung von Johann Spermann SJ und Ulrike Gentner lernen Sie genau das: auf Ihren Körper zu hören, genauer gesagt, auf den sogenannten „felt sense“, das leise Flüstern des Körpers, das mehr über unsere inneren Zustände verrät, als wir ahnen. Es ist keine esoterische Spielerei, sondern eine wissenschaftlich fundierte Methode, die sich in Therapie, Beratung, Seelsorge und darüber hinaus bewährt hat.
Der Kurs ist kein trockener Theorietext, den man mit Mühe durchackern muss. Er umfasst vier Module voller Praxis, die sowohl das persönliche Selbstmanagement als auch die berufliche Anwendung des Focusing trainieren. Es ist nicht nur ein intellektuelles Erlebnis, sondern ein körperlich-geistiger Prozess. Sie lernen, wie Sie Focusing auf sich selbst anwenden, wie Sie die Methode im beruflichen Alltag einsetzen und – das ist entscheidend – wie Sie innehalten. Ja, richtig gelesen: Innehalten. Das, was uns im modernen Leben so schwerfällt.
Einen ausführlichen Falter zum Einführungskurs können Sie hier herunterladen.
zum nächsten EinführungskursFocusing und das Heilige
Manche spirituellen Erfahrungen zeigen sich nicht zuerst in Gedanken, sondern als leise Veränderung im inneren Erleben: eine Weite, ein Berührtsein, manchmal auch Schweigen oder etwas Unklares. Die Fortbildung „Focusing und das Heilige“ verbindet Focusing mit der Frage, wie solche Erfahrungen wahrgenommen, unterschieden und achtsam begleitet werden können.
Die Fortbildung ist konzipiert für Menschen in Begleitung, Therapie, Seelsorge und spiritueller Praxis.
Focusing-Auffrischungstag

Focusing lebt von Praxis, von Beziehung, von Atmosphäre. Vielleicht liegt dein letzter Kurs schon etwas zurück. Vielleicht spürst du die Sehnsucht, dich wieder einzustimmen auf die leise Sprache deines Körpers, auf das achtsame Lauschen in Begleitung, auf das feine Mitgehen im Kontakt. Die Focusing-Auffrischungstage geben besondere inhaltliche Inputs, bieten Raum für Austausch und dem Besprechen konkreter Fragestellungen und Herausforderungen.
Die nächsten Auffrischungstage finden statt:
Samstag, 17.04.2027 – 10:00 – 17:00 Uhr
Samstag, 23.10.2027 – 10:00 – 17:00 Uhr
Leitung der Focusing-Kurse

Johann Spermann SJ, Dipl.-Psychologe, Dipl.-Theologe, Focusing-Therapeut und Lehrender im DFI, systemischer Berater und Supervisor, Ludwigshafen
Ulrike Gentner, Dipl.-Pädagogin, Dipl.-Theologin, Trainerin, Coach und Focusing-Beraterin (DFI), Ausbilderin für Geistliche Begleitung, Ludwigshafen
Heinrich Pesch Haus – der ideale Ort für Focusing-Kurse
Die Atmosphäre im Heinrich Pesch Haus ist dafür ideal: Zwischen den Gesprächen über den „felt sense“ und praktischen Übungen zur inneren Wahrnehmung finden Sie auch Zeit, in Elemente der Kontemplation einzutauchen oder sich mit Tai Chi-Elementen von Ingo Ellerhold zu erden. Das Ziel? Nicht schneller werden, sondern langsamer. Nicht mehr wissen, sondern tiefer verstehen. Es gibt keine fixen Antworten, keinen Druck, eine Lösung zu finden – nur Raum, um sich selbst zu begegnen.
Dabei geht es um weit mehr als das Erkennen von Problemen oder das Reduzieren von Stress. Es ist eine ganzheitliche Reise, die Sie durch die subtilen Ebenen Ihrer Existenz führt, in einen Dialog zwischen Körper, Geist und Seele. Und das Beste? Das, was Sie lernen, bleibt bei Ihnen. Sie nehmen es mit nach Hause, in den Alltag, in die Arbeit. Sie werden merken: Dieser Kurs ist kein statischer Moment. Er ist der Beginn einer neuen Art zu leben, zu arbeiten, zu sein.

Der Focusing-Basiskurs im Heinrich Pesch Haus ist nicht nur ideal für den Einstieg in die Methode, sondern wird auch von der Psychotherapeutenkammer als Fortbildung anerkannt. Mit diesem Grundkurs haben Sie zudem die Möglichkeit, an weiterführenden Kursen beim Deutschen Focusing Institut (DFI) teilzunehmen, die auf diesem Fundament aufbauen und Ihre Qualifikationen vertiefen.

