Zum Jubiläum ziehen die Verantwortlichen Bilanz – und machen deutlich, warum gezielte Frauenbildung auch künftig notwendig bleibt.
Die Idee zur Akademie entstand während der Pandemie. Damals zeigte sich besonders deutlich, dass Frauen einen Großteil der Familienbetreuung übernahmen und vielfach in traditionelle Rollenbilder zurückfielen. Für Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des Heinrich Pesch Hauses, war dies Anlass, ein Bildungsangebot zu schaffen, das Frauen stärkt und gesellschaftliche Veränderungen unterstützt. Aus dieser Initiative entwickelte sich innerhalb von fünf Jahren ein eigenständiges Bildungsprogramm.
„Rechtlich gibt es zwar die Gleichstellung der Frauen, aber in vielen Bereichen noch keine Gerechtigkeit“, ergänzt sie. Die Akademie wolle Frauen darin unterstützen, ihre beruflichen und persönlichen Handlungsspielräume zu erweitern und damit einen Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit leisten. Gleichzeitig betont Jana Sand, zuständig für Projekt- und Teamsteuerung im HPH, dass Gleichberechtigung nur gemeinsam gelingen könne: „Es darf kein Vorhaben werden, für das sich nur die eine Hälfte der Gesellschaft interessiert. Wir müssen den Weg gemeinsam gehen.“
Warum braucht es heute überhaupt eine eigene Frauenakademie? Für Jana Sand liegt die Antwort in der besonderen Qualität des Austauschs. Gerade bei Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Geschlechtergerechtigkeit entstünden in Frauenseminaren oft andere Perspektiven und Diskussionen. Der geschützte Rahmen ermögliche Offenheit und Diskurse, ohne andere Sichtweisen auszuschließen.
Auch Ulrike Gentner sieht in der Akademie einen gesellschaftspolitischen Auftrag. „Die Akademie fördert die Teilhabe von Frauen an gesellschaftlichen, kirchlichen und politischen Prozessen“, sagt sie. Ein Beispiel dafür ist die langjährige Veranstaltungsreihe „Frauen in der Kommunalpolitik“.
Das Programm der Akademie umfasst die drei Schwerpunkte „Frau und Arbeitswelt“, „Frau und Gesellschaft“ sowie „Frau und Gesundheit“. Dazu gehören etablierte Formate wie der „Frauensalon“ für Frauen in Führungspositionen, thematische Frauenfrühstücke, ein Resilienz-Wochenendseminar sowie Veranstaltungen zu Themen wie toxischen Beziehungen, Frieden oder Kompetenzerwerb für den Beruf.
Die Teilnehmenden kommen aus ganz unterschiedlichen Lebenskontexten: Berufstätige, Mütter, Ehrenamtliche, Studentinnen, Seniorinnen sowie Frauen mit Migrationsbiografie oder in herausfordernden Situationen nutzen die Angebote. Gerade diese Vielfalt an Erfahrungen macht nach Einschätzung der Organisatorinnen den besonderen Wert der Veranstaltungen aus.
Auch in Zukunft setzt die Akademie auf ihre erfolgreichen Formate wie Frauensalon und Abendveranstaltungen. Gleichzeitig sollen neue Themen hinzukommen – etwa die berufliche Neuorientierung nach der Elternzeit, KI oder der Umgang mit „People Pleasing“.
„Es geht darum, Frauen in ihrer individuellen Lebenswirklichkeit zu unterstützen und gesellschaftliche Wirklichkeiten zu reflektieren.“
Jana Sand
Ulrike Gentner sieht die Zukunft der Akademie vor allem in flexiblen, bedarfsorientierten Angeboten, die sich mit Beruf und Familie/Pflege vereinbaren lassen. „Ich möchte, dass die Akademie für Frauen ein Ort ist, an dem Frauen Solidarität erleben. Denn gesellschaftlicher Wandel gelingt dort, wo Menschen sich gegenseitig stärken und Verantwortung übernehmen“.
Rund 500 Frauen und Männer nehmen jährlich an den Angeboten der Akademie für Frauen teil. Etwa zehn Prozent der Teilnehmenden sind Männer. Geleitet wird das Bildungsprogramm von Ulrike Gentner und Jana Sand gemeinsam mit einem breiten Netzwerk aus Kooperationspartnerinnen, Gleichstellungsbeauftragten und Fraueninitiativen.