Die Ängste vor der Zukunft wachsen, gleichzeitig wirkt die Gesellschaft bei Themen wie der Energiewende tief gespalten. Für Johanna Rist ist das kein Zufall, sondern das Resultat politischer Versäumnisse. Sie ist Bildungsreferentin für sozial-ökologische Transformation und Bewahrung der Schöpfung im Heinrich Pesch Haus. Im Gespräch erläutert sie, wo unser Wohlstandsmodell an Grenzen stößt, was Papst Franziskus mit säkularem Umweltschutz gemein hat und warum wir trotzdem zuversichtlich sein sollten.
Johanna Rist: Natürlich spielt die Haltung der Gesellschaft eine Rolle. Aber wenn persönliche Haltung auf falsche Strukturen trifft, reicht sie einfach nicht aus. Wenn ich als Privatperson ständig auf Dinge verzichte, sich das aber nicht in politischen und wirtschaftlichen Strukturen widerspiegelt, verpufft der Effekt. Das ist der Punkt, an dem die Verantwortung nicht länger beim Einzelnen abgeladen werden darf. Sie liegt bei der Politik, in unseren Rechtssystemen und Institutionen. Auch die Wirtschaft ist kein neutraler Akteur. Die Profitmaximierung einzelner Unternehmen darf nicht auf Kosten der Allgemeinheit stattfinden. Wenn wir als Gemeinschaft nicht auf erneuerbare Energien umsteigen, entstehen immense gesellschaftliche Kosten, die in der politischen Debatte kaum benannt werden.
Johanna Rist: Genau. Unsere Wohlstandsindikatoren klammern den sozial-ökologischen Bereich weitgehend aus. …
Das Gespräch führte Dr. Anette Konrad

Praxis-Seminar zu den Herausforderungen ökologischer Transformation – für Lehrkräfte und Multiplikator*innen – 24.–25. November 2026
Klimakrise, Kriege, Ungleichheit und Migration – die großen Herausforderungen unserer Zeit machen an der Klassenzimmertür nicht halt.
Wie können wir im Unterricht und in Bildungs-Settings mit den Auswirkungen globaler Herausforderungen umgehen? Im Seminar setzen wir uns damit auseinander, wie heute und in Zukunft ein Lernen aussehen kann, das junge Menschen auf die vielfach beschriebene Transformation vorbereitet und sie gleichzeitig begleitet, diese aktiv mitzugestalten.
Neben Hintergründen zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung, werden wir Einblicke in die Klima- und Umweltpsychologie erhalten und Methoden erproben, wie Kommunikation über solch existenzielle Themen im und außerhalb des Unterrichts aussehen kann. Zuletzt wird es darum gehen, wie Schule ein Hoffnungs- und Resonanzraum sein kann, in dem echte Begegnungen mit anderen, mit Inhalten und mit Emotionen möglich werden.