Völlig losgelöst
02.09.2026

Völlig losgelöst

Im Weltraum fällt die Erdanziehung weg. Wir können sozusagen durch die Luft gehen. Es gibt keinen Boden, auf dem man steht. Die Decke eines Raumes ist leicht erreichbar, wenn die Schwerkraft wegfällt. Verschiedene Emotionen könnten einem in diesem Zustand hochkommen: ein Freiheitsgefühl, eine aufbauende Erweiterung der Handlungsoptionen – aber auch – wie im Lied von Major Tom – eine traurige Verlorenheit im Weltraum. All das steckt im Gefühl „völlig losgelöst“ zu sein. Streng genommen ist die Loslösung nicht „völlig“, sondern eben nur die eine Loslösung von der Schwerkraft.

Was passiert, wenn man eine solche Verwirrung der gewohnten räumlichen Orientierung auf die Zeit überträgt? Wie fühlte es sich an, ohne Zeit zu leben? Dieses Fühlen wäre zum Beispiel keine Überraschung, weil eine Überraschung klar die gewohnte Zeit voraussetzt: sie braucht eine gewohnte Vergangenheit, der eine ungewohnte Gegenwart gegenübersteht. Verwundert könnte man freilich sein, verwundert als Dauerzustand oder Dauerprozess. Oder das Denken wäre weniger ein zeitliches Schlussfolgern als ein immer schon Gedachthaben.

Bild: istock 1451033526

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