Focusing-Einführungskurs startet
07.12.2021

Focusing-Einführungskurs startet

Focusing ist sowohl im Selbstmanagement als auch in der Psychotherapie, Beratung, Seelsorge, Sozialarbeit, Lehre und in kreativen Berufen anwendbar. Focusing ist aus wissenschaftlich fundierter Forschung entstanden. Der Prozess ist auch erprobt bei psychosomatischen Symptomen und post-traumatischen Erfahrungen. Focusing verbindet meditative und spirituelle Ansätze für eine beziehungs- und lösungsorientierte Arbeit.

Neuer Schwerpunkt am Heinrich Pesch Haus

Ziele des Kurses sind das Kennenlernen der Basiskonzepte und Trainieren der Basismethoden; das Anwenden von Focusing für sich selbst (Selbst-Focusing) und mit anderen sowie der Transfer in persönliche und berufliche Situationen.

Wir verbinden den Einführungskurs Focusing mit einer Einführung in die christliche Kontemplation nach Franz Jalics und Tai Chi Elementen (Ingo Ellerhold).

Die Kursinhalte:

Modul 1: “Ich bin da. Es braucht nur, ein Mensch zu sein.” (19.-23.01.2022)
Modul 2: “Es braucht ein Bei-sich-sein, um die Welt zu betreten” (16.-20.03.22)
Modul 3: “Konzepte, die dem Leben dienen und die Welt besser machen” (22.-26.06.22)
Modul 4: “Focusing nenne ich die Zeit, mit etwas zu verweilen.” (05.-09.10.22)

Was genau ist Focusing?

„Focusing nenne ich die Zeit, in der man mit etwas ist, das man körperlich spürt, ohne schon zu wissen, was es ist“.

Eugene Gendlin

Mit diesen Worten beschrieb Focusing-Gründer Eugene Gendlin (1926–2017) die Inhalte seiner Methode, die auch meditative und spirituelle Ansätze für eine beziehungs- und lösungsorientierte Arbeit verbindet. Das Ludwigshafener Heinrich Pesch Haus greift Gendlins Zugang zu Körperwissen, Empfindungen und Intuition auf und bietet ab sofort vermehrt Focusing-basierte Veranstaltungen an.

Wenn wir etwas in den Fokus stellen oder uns auf etwas fokussieren, konzentrieren wir uns auf eine Sache oder ein Thema. Nicht umsonst wählte der Philosoph, Psychologe und Psychotherapeut Eugene Gendlin für die von ihm entwickelte Methode den Begriff „Focusing“ – geht es doch vor allem darum, den Weg in die eigene Mitte zu finden, mit sich selbst verbunden zu sein und die Aufmerksamkeit im eigenen Körper zu halten.

„Focusing {ist] ein Vehikel des Denkens und des Philosophierens, eine Möglichkeit der Selbsthilfe und eine Methode der Psychotherapie und Beratung, ein Werkzeug für Kreativität, der Entscheidungsfindung und ein Weg, um spirituelle Dimensionen zu erkunden. Focusing verdeutlicht, wie ich mich selbst wahrnehme“,

definiert das Deutsche Focusing-Institut (DFI) in Würzburg.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des Heinrich Pesch Hauses und Focusing-Beraterin nach DFI, gibt ein praktisches Beispiel für den Einsatz von Focusing: „Wenn Sie eine Entscheidung zu treffen haben, können Sie diese rational treffen, indem Sie pro und contra abwägen. Oder Sie spüren nach innen: Was bewegt mich? Was fordert mich? Spüre ich Angst, Angst, die mich warnt, lähmt oder herausfordert? Es geht um die Wahrnehmung all dessen, was sich in mir abspielt.“ Der Körper weiß den Weg, das wird im Focusing beachtet.

Indem eine Person in Kontakt mit dem inneren Erleben kommt, eröffnen sich neue Dimensionen, um beispielsweise Entscheidungen profunder treffen zu können. Jede Person  kennt vermutlich das Gefühl, ergänzt die Pädagogin und Theologin, etwas zu spüren, etwas zu ahnen, für das noch keine Worte da sind bzw. noch gesucht werden. „Eugene Gendlin rückt genau diesen Raum, wo ich etwas spüre, das ich noch nicht benennen kann, in den Fokus: Dort verweilen und spüren, was ist da. Daraus entstehen neue Einsichten, Lösungen und Ideen.“

Universell einsetzbar

Für Ulrike Gentner liegt der Charme von Focusing zum einen in der universellen Einsetzbarkeit, denn es ist sowohl im Selbstmanagement als auch in der Psychotherapie, Beratung, Seelsorge, Sozialarbeit, Lehre und in kreativen Berufen anwendbar. Der Prozess ist auch erprobt bei psychosomatischen Symptomen und post-traumatischen Erfahrungen. Zum anderen lasse es sich gut in den Alltag integrieren, in den Beruf wie auch das Familienleben, denn alles, was man dazu benötige, bringt jede Person bereits mit: „Ich bin da. Es braucht nur, ein Mensch zu sein“, zitiert sie eine von Gentlins Kernthesen. „Wenn ich da bin, bin ich in Kontakt mit mir und mit der Person, mit der ich spreche“. Gentlin hat dazu fortgeführt: „Es braucht ein Bei-sich-sein, um die Welt zu betreten“.

Eine typische Focusing-Technik ist der Freiraum. Wenn man sich gestresst fühlt, mit Problemen zu kämpfen hat, kann man sich auf einfache Art „Luft“ und damit Abstand verschaffen, indem man innerlich einen Schritt zurücktritt. Durch diese Auszeit – das kann einfach ein Blick ins Grüne oder ein kurzes Innehalten sein – kommt man wieder in Kontakt mit sich selbst, ist wieder bei sich oder kann mit dem inneren Erleben arbeiten.  Denn „es braucht Konzepte, die dem Leben dienen und die Welt besser machen“.

Focusing im HPH

Am 19. Januar 2022 startet das Heinrich Pesch Haus in Kooperation mit dem Deutschen Focusing Institut, Würzburg (DFI), einen Focusing-Einführungskurs in vier Modulen. In 130 Seminarstunden lernen die Teilnehmenden Focusing-Prozesse und -Methoden kennen. Im Anschluss an den Einführungskurs besteht die Möglichkeit, sich zur Focusing-Begleiter*in zertifizieren zu lasen.