Diskussion über industrielle Landwirtschaft und ihre Folgen

Zwischen Mangel- und Überernährung

Zu einer sehr lebhaften und zum Teil kontrovers geführten Diskussion führte der Vortrag von Sarah Schneider,  Referentin für Welternährung beim katholischen Hilfswerk Misereor in Aachen. Es ging um die Frage, ob gutes Essen für alle – weltweit – möglich ist, und welche Voraussetzungen dafür erfüllt werden müssen.

Stichworte der Debatte waren industrielle Landwirtschaft, Agrar-Öko-Systeme, eine „grüne Revolution“ mit verbessertem Saatgut sowie der Einsatz von Düngemittel und Herbiziden  wie Glycosat. Sarah Schneider präsentierte interessante Zahlen und Fakten, die laut Misereor so zusammengefasst werden können: „Noch nie hat die Menschheit mehr Lebensmittel pro Kopf produziert als heute, und noch nie waren Lebensmittel so billig wie heute. Dennoch sind die Hungerzahlen auf 821 Millionen Menschen angestiegen, und weltweit leidet jeder dritte Mensch unter einer Form von Fehlernährung. Während zwei Milliarden Menschen auf der Welt an Mangelernährung leiden, sind fast zwei Milliarden Menschen übergewichtig. Das Recht auf Nahrung wird milliardenfach verletzt, zugleich geht ein Drittel der globalen Ernte verloren, indem sie verdirbt oder weggeworfen wird.“

Was vom Hunger in der Tagespresse wahrgenommen wird, seien vor allem akute Hungersnöte. Sie betreffen aber nur zehn Prozent derer, die an Hunger leiden, berichtete Schneider. Die meisten Betroffenen leiden „chronisch unter Hunger, und die Hälfte von ihnen arbeitet in der Landwirtschaft.“ Denn in vielen Ländern, in denen intensiv industrielle Landwirtschaft betrieben wird, würden die Produkte exportiert. Beispiel Getreide: Mehr als die Hälfte wird als Futter für Tiere oder Biotreibstoff hergestellt, weit weniger als Lebensmittel.

„Der Vortrag und die Diskussion haben deutlich gemacht, dass gute Ernährung für alle Menschen wichtig ist. Es ist wichtig, Unterernährung, Mangelernährung und Überernährung gemeinsam zu betrachten. Dafür braucht es eine Stärkung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft“, meint Matthias Rugel SJ, Bildungsreferent im HPH.

In diesem Zusammenhang weist er auf die Ausstellung der Bürgerstiftung Pfalz „Ernährung global“ hin, die noch bis Montag, 08.04.2019, im HPH zu sehen ist: Sie besteht aus Säulen mit neun Bannern und thematisiert Aspekte wie Hunger und Übergewicht, bäuerliche und industrielle Landwirtschaft, globalisierte Agrarkonzerne, Umweltschäden und Klimakiller sowie „virtuelles Wasser“.

„Die Ausstellung informiert über Schieflagen in unserem globalisierten Landwirtschafts- und Ernährungssystem“, so Edda Treiber von der Bürgerstiftung. „Gleichzeitig stellt sie Projekte und Initiativen vor, die mit innovativen Ansätzen eine zukunftsfähige Landwirtschaft und Ernährung gestalten.“ Neben ihr trugen die Initiative lokale Agenda Ludwighafen und die Abteilung Weltkirche der Diözese Speyer die Veranstaltung.

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