Interview mit Maria von Welser über Chancen und Herausforderungen im „dritten Leben“ – Am 11. März im HPH

Zeit nehmen für die Planung eines sinnvollen Lebens

„Es gibt kaum einen größeren Einschnitt im Leben eines Menschen.“ So überschreibt Maria von Welser die Einleitung zu ihrem Buch „Heiter weiter! Vom glücklichen dritten Leben.“ Darin geht es um den Eintritt in den sogenannten Ruhestand. Am Montag, 11.03.2019, ist die Publizistin und TV-Journalistin im Heinrich Pesch Haus zu Gast. Ihr Vortrag mit Diskussion über die Frage, „wie wir Frauen das am besten hinbekommen“, beginnt um 18 Uhr. Daran schließt sich ab 19.30 Uhr ein Umtrunk an.

Im Vorfeld hat Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin im HPH, mit  Maria von Welser gesprochen:

Frau von Welser, worum geht es  vor und mit dem Einritt in den Ruhestand?

Von Welser: Ich spreche in dieser Phase lieber vom „Dritten Leben“. Das  erste Leben ist für mich die Kindheit, dann kommt Erwachsenendasein mit allen Imponderabilien Familie, Kinder und Beruf etc. Und dann schicken die Arbeitgeber oder der Staat die Meisten mit spätestens 65 Jahren in einen so genannten Ruhestand – ein schreckliches Wort! Denn wir haben dann mindestens noch 20 Jahre vor uns. Ich nenne diese Zeit lieber ein drittes Leben – so wie die Spanier das „la tercera edad“ oder die Franzosen  „la troisième age“ nennen.

Welche Aspekte sollten wir in dieser Phase beachten? In Ihrem Buch nennen Sie einige Veränderungen, die anstehen.

Von Welser: Zunächst müssen wir uns klarwerden, dass wir noch ein volles drittes Leben vor uns haben. Noch nie ist eine Generation in Deutschland so gesund und friedlich alt geworden wie die jetzige – und dabei meistens wirtschaftlich relativ gut abgesichert. Vor diesem Hintergrund muss man sich überlegen: Was will ich, was gibt es, das ich mit mir und meinem Leben anfangen kann, worin sehe ich meinen Sinn? Dafür muss man sich Zeit nehmen. Das passiert nicht von heute auf morgen. Ich habe mich damals eineinhalb Jahre vorbereitet, bevor ich das dritte Leben begonnen habe.

Das heißt, wir sollten uns die Frage stellen: Wofür lebe ich, wie und mit wem?

Von Welser: Genau. Und jeder Mensch hat eine andere Vorstellung davon, was Sinn gibt. Aber jeder Mensch möchte ein sinnvolles Leben führen. Davon bin ich überzeugt.

Zwischen der Vorstellung: So gestalte ich mein drittes Leben und der Realität: Wie haben Sie das persönlich erlebt?

Von Welser: Vor lauter Angst, dass ich in ein Loch fallen könnte, habe ich mir im ersten Jahr zu viel aufgehalst. Ich musste das dann reduzieren, bis ich die richtige Balance gefunden habe. Ich war 43 Jahre berufstätig gewesen, immer in großen Zeitungshäusern und Sendern:  neun Jahre Bayrischer  Rundfunk, 16 Jahre ZDF, sieben Jahre ARD etc.. Da kam natürlich die Frage auf: Was machst du nun mit dir? Davor hatte ich einen riesen Bammel.

Gibt es aus Ihrer Sicht Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim Beginn des dritten Lebens?

Von Welser: Ich stelle fest, dass sich Männer eher nicht darauf vorbereiten und diesen Tag weniger akzeptieren. Männer glauben tendenziell: Ich höre mit der einen Sache auf, also kommt mit dem Neuen das große neue Tun. Aber um Aufgaben muss man sich kümmern, man muss vernetzt und bereits in der aktiven Zeit aktiv sein – das tun Männer weniger als Frauen.

Welchen größten Benefit erleben Sie im dritten Alter?

Von Welser: Mein persönliches Glück war am 18.10.2014. Da stand meine 18jährige Enkelin mit ihrem Lebenskoffer am Bahnhof. Und natürlich freue ich mich über viele interessante Aufgaben. Für mich hat sich herauskristallisiert: Meine Themen sind Frauen, Kinder und Unrecht. Das hat mich früh gefunden. Man sollte nicht das beiseite legen, womit man sich identifiziert.
Ich halte es mit der Philosophin Hannah Arendt, die ein gutes Buch geschrieben hat, das ich als junge Frau gelesen hatte: „Vita activa. Vom tätigen Leben.“ Wenn es einem gelingt, bis zum letzten Atemzug ein tätiges Leben zu führen, dann ist das großartig.

Worauf dürfen sich die Zuhörenden beim Vortrag „Heiter weiter!“ neben alltagstauglichen, praktischen Tipps freuen?

Von Welser: Auf Geschichten mit Bildern aus meinem dritten aktiven Leben. Ich engagiere mich nach wie vor für Themen, die sich damit beschäftigen, wo Frauen nichts wert sind. Das liegt mir nach wie vor am Herzen.

Informationen rund um die Veranstaltung:

Die Veranstaltung „Heiter weiter – vom glücklichen dritten Leben“ ist eine Kooperationsveranstaltung des Heinrich Pesch Hauses mit den Gleichstellungsstellen der Stadt Ludwigshafen und des Rhein-Pfalz-Kreises. Der Eintritt ist frei.
Aus organisatorischen Gründen wird um Anmeldung gebeten unter Tel. 0621-5999-162 oder per Mail an anmeldung@hph.kirche.org

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