Bernd Hagenkord SJ versucht, die Einstellung und das Verhalten von Papst Franziskus zu beschreiben

„Wie sollen wir das verstehen, was will er uns damit sagen?“

Drei Dinge kennzeichnen die Einstellung und das Verhalten von Papst Franziskus: Bewegung, Gebet und Dialog. Das berichtete Jesuitenpater Bernd Hagenkord, Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan. Im Heinrich Pesch Haus versuchte er vor rund 120 Zuhörern, die Denkweise des Papstes zu erklären und einen kleinen Blick hinter die Kulissen des Vatikans zu werfen.

Papst Franziskus sei ein ungewöhnlicher Papst; die Journalisten könnten ihn noch nicht richtig fassen und seine Art deuten, so Hagenkord. Das habe schon bei seinem ersten Auftritt vom Balkon des Papst-Palastes begonnen, als er seine Rede mit „Liebe Schwestern und Brüder, guten Abend“ begann und sich erst selbst von den wartenden Menschen segnen ließ und dann sie segnete. Das Angelusgebet am Sonntag, wo er am Ende den Menschen auf dem Petersplatz einen „Guten Appetit“ zum Mittagessen wünsche, sei ein weiteres Beispiel dafür, so Pater Hagenkord. Auch sagte Franziskus bei einer Predigt über die Verkündigung des Evangeliums: „Verkündigt das Evangelium, und wenn es nötig sein sollte, dann auch mit Worten.“

Viele Menschen sind fasziniert vom Auftreten des Papstes: Er trage keine roten Schuhe, habe sein Brustkreuz aus der Kardinalszeit behalten und wohne nicht im Papst-Palast, sondern im Gästehaus Santa Marta des Vatikans. Er möchte nicht allein sein, sondern unter Menschen und sei ganz unkompliziert, wusste der Jesuit zu berichten.

Dieses Verhalten werfe aber auch Fragen auf: Wie sollen wir das verstehen, was bedeutet das, was will er uns damit sagen? Dazu gebe es keine einfachen Antworten. Manchmal, so Hagenkord, hätten bestimmte Verhaltensweisen gar keinen tieferen Sinn. Vieles werde überinterpretiert, wo Kenner des Papstes einfach sagen würden: „Er ist eben so.“ Und vor allem: Manche spontanen Aktionen würden auch falsch interpretiert, sagte der Journalist Hagenkord, und verwies auf Franziskus´ Besuch auf Lampedusa. Dort sei es ihm nicht um große Gesten gegangen, und er wollte auch kein Aufsehen erregen, sondern wollte bei den Menschen sein, seine Anteilnahme bekunden, mit ihnen sprechen und beten.

Wesentlich für diesen Papst sei die Barmherzigkeit, führte Bernd Hagenkord weiter aus. Das zeige sich bei Fragen zu Kirche und Wiederverheirateten oder Kirche und Homosexualität. Bei kritischen Themen äußere er sich frei und offen, wie beispielsweise in dem zweistündigen Interview mit Journalisten auf dem Rückflug vom Weltjugendkongress in Rio.

Dem Papst geht es um den Dialog mit den Menschen und die Verkündigung des Evangeliums – aber nicht vorrangig um die Worte, sondern um die Botschaft: „Der Herr hat uns nicht mit einem Text erlöst, nicht mit einem Dekret, sondern er hat uns durch seine Liebe erlöst. Er wurde einer von uns und hat unter uns gelebt … und dadurch hat er uns erlöst.“ zitierte Pater Hagenkord aus der Predigt des Papstes bei einer Morgenmesse.

Seine persönliche Einschätzung fasste er so zusammen: „Dieser Papst ist ein Papst des Heiligen Geistes, er versetzt manche in Unruhe und setzt vieles in Bewegung“. Franziskus inszeniere nichts: „Er ist so, wie man ihn im Fernsehen erlebt, er gibt sein Lebenszeugnis.“

Text: Gerd Hilbert

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