Projekt sucht nach Indikatoren und Standards für die Wirksamkeit in der Integrationsarbeit

Was macht eine Maßnahme „erfolgreich“?

Wann ist ein Projekt oder eine Initiative zur Integration erfolgreich? Die Beantwortung dieser Frage ist bisher schwierig. Denn anders als etwa bei einem Sprachkurs, der verschiedene Sprachniveaus zum Ziel hat und mit einer Prüfung abgeschlossen werden kann, ist das bei Integrationsmaßnahmen nicht so einfach.

Auf der anderen Seite gibt es in der Stadt Ludwigshafen und darüber hinaus eine Vielzahl von Projekten, die auch mit Mitteln der öffentlichen Hand  finanziert werden. An dieser Stelle setzt ein neues Projekt mit dem Titel „iWAQS“ an. Die Abkürzung steht für „interkulturell – Wirksamkeit aufzeigen – Qualität verbessern – Standards definieren“. Es hat zum Ziel, genau solche Standards zu erarbeiten, die es ermöglichen, eine Integrationsmaßnahme im Hinblick auf ihre Wirksamkeit zu bewerten und zu evaluieren.

Das Projekt über einen Zeitraum von knapp einem Jahr ist jetzt gestartet und wird durchgeführt von der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz (KEB), der Stadt Ludwigshafen, vertreten durch die Integrationsbeauftragte Hannele Jalonen, sowie dem Heinrich Pesch Haus. Die Kosten von rund 70.000 Euro werden zu gut 90 Prozent finanziert vom Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz.

Katharina Drach, Referatsleiterin für die Projektförderung im Ministerium, begrüßt das Projektziel, Indikatoren zur Beurteilung von Maßnahmen zu entwickeln: „Wir fördern gerne vielfältige Projekte von Einzelpersonen, Verbänden, Institutionen und Vereinen – egal ob große oder kleine. Denn sie machen die Integration vor Ort überhaupt erst möglich.“ Drach lobt das Netzwerk, das in Ludwigshafen entstanden ist, um das Projekt erfolgreich zu machen, und hofft, dass „iWAQS“ ein Leuchtturm wird, der über die Stadt hinaus strahlt. Das ist auch eines der Ziele, wie KEB-Geschäftsführerin Elisabeth Vanderheiden betont, und  Ludwigshafens Sozialdezernentin Beate Steeg sagt: „Wir sind gerne Modellstandort.“

Hannele Jalonen ist seit 2005 Integrationsbeauftragte in der Stadt. Sie berichtet, dass es in Ludwigshafen über 100 Regelangebote im Bereich Integration gibt und darüber hinaus viele kleinere und größere Projekte – Tendenz steigend -, die unterschiedliche Finanzierer und Förderer haben. „Hier passiert weiterhin sehr viel.“ Auch jetzt schon werden diese Maßnahmen evaluiert, betont sie. Allerdings liegt der Fokus dabei häufig auf Zahlen: Wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer gab es, wie viele haben die Maßnahme bis zum Ende durchgehalten, welche Schwierigkeiten und Herausforderungen zeigten sich, und wie hoch ist der „Output“? – „Eindeutige Qualitätsstandards fehlen im Moment noch, da ist eine Lücke im System“, so Jalonen.

„Wir wollen mehr“, betont Tammo Grabbert, Projektkoordinator seitens der KEB. Dieser Wunsch nach „mehr“ ist aus der Praxis entstanden, berichtet Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des HPH. Rund 20 ganz Akteure aus unterschiedlichen Bereichen in der Stadt haben sich nun zum ersten von insgesamt fünf Workshops zusammengeschlossen: Unternehmen, Schulen, Erwachsenenbildung, Ehrenamt, Kultur, Medien, Migrantenselbsthilfeorganisationen, Beratungsstellen und Kirchen. In einem ersten Schritt ging es ihnen unter anderem um eine Begriffsbestimmung: „Das Wort Integration ist oft ein unklarer Begriff“, weiß Projektleiter Tammo Grabbert. Für ihn bedeutet er unter anderem chancengleiche Teilhabe aller Menschen an den gesellschaftlichen Institutionen und ist „keine Einbahnstraße“, wie er betont.

Sozialdezernentin Steeg betont, wie schwierig es ist, bei sozialen Themen etwas „messen“ zu wollen.. „Indikatoren sind wichtig!“, fordert sie, „um Ludwigshafen noch ein bisschen besser aufzustellen.“ Ein möglicher Indikator könnte nach Auffassung von Elisabeth Vanderheiden sein: „Sind Zugewanderte in einem Projekt angemessen beteiligt: Wird etwas mit ihnen getan, oder nur für sie, und wie war ihre Beteiligung?“

Auf dem Foto: Elisabeth Vanderheiden (links) und Katharina Drach

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