Kontroverse am Aschermittwoch – Impulse für eine Wirtschaft, die dem Leben dient

Was kostet mich mein Wohlstand?

Immer am Aschermittwoch laden das Heinrich Pesch Haus, die Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen und der Fachbereich Kirche und Wirtschaft der Erzdiözese Freiburg Region Nordbaden zu einer Gemeinschaftsveranstaltung ein. In diesem Jahr stand die „Kontroverse am Aschermittwoch“ unter der Leitfrage: „Was kostet mich mein Wohlstand?“. Professor Dr. Eduard Zwierlein analysierte den „Patienten Gesellschaft“ und gab den 65 Teilnehmenden konkrete Tipps für die Gestaltung eines ausgewogenen Lebens und zu einer Wirtschaft, die dem Leben dient, mit auf den Weg.

Dauerstress, Zeitdruck und Erschöpfung – immer mehr Menschen sehen sich in der heutigen Wirtschaftswelt Faktoren ausgesetzt, die sie am Sinn ihrer täglichen Arbeit zweifeln lassen. Und dennoch leitet unsere Gesellschaft bis heute die Motivation fast ausschließlich vom Kampf um Status ab, obwohl wir längst wissen, dass die Lebenszufriedenheit nicht proportional zum Einkommen steigt. „Lohnt sich das alles? Auch wenn der materielle Wohlstand vielleicht erfreulich ist: Fühle ich mich wirklich wohl dabei, machen mich wirtschaftlich-beruflicher Erfolg und Wohlstand zufrieden und glücklich, finde ich Sinn in all meinem Tun und Leisten?“, führte der Direktor des Heinrich Pesch Hauses, Pater Tobias Zimmermann SJ, in die Thematik des Abends ein. Da der zweite Impulsgeber des Abends, Master Han Shan, kurzfristig erkrankt war, dankte Pater Zimmermann Professor Zwierlein für die alleinige Gestaltung des Abends.

Was sollte mein Wohlstand nicht kosten?

„Was sollte mein Wohlstand nicht kosten?“, fragte Eduard Zwierlein als erstes und gab auch gleich die Antworten: „Nicht mein Leben, nicht meine Gesundheit, nicht meine Ruhe und Gelassenheit, nicht mein gutes Gewissen, wenn ich an meine Verantwortung denke …“. Der Philosoph und Professor an der Universität Koblenz-Landau strebt eine Art des Lebens, Arbeitens und Wirtschaftens an, die Freiheit vermehrt, Frieden ermöglicht, soziale Gerechtigkeit befördert, die Natur respektiert und Bildung stärkt.

Die geistige Großwetterlage

Seit der Neuzeit, so führte Zwierlein aus, habe ein Prozess eingesetzt, der einen mächtigen Fortschrittszug in Gang gesetzt habe: eine Trias aus Wissenschaft, Technik und Ökonomie. Diese habe allerdings ihren Preis: Alte Sinnressourcen und Orientierungskräfte verlieren ihre Verbindlichkeit, gleichzeitig entstehe eine Maßlosigkeit. „Wir sind ökonomische und technische Riesen, aber ethische Zwerge“, brachte er es auf den Punkt.

Symptome für ein falsches Leben

Symptome für ein falsches Leben gebe es viele. So schicke uns die Erde immer deutlichere Rechnungen, es gebe viele soziale Ungerechtigkeit, die Demokratie sei kein Selbstläufer. „Sie braucht Unterstützung und Pflege“, betonte Zwierlein. Auch die „Tempokratie“, den ständigen Zeitdruck in Wirtschaft und Gesellschaft, ordnet er als bedenklich ein.

Neu sehen lernen

„Wir müssen mit Rilke neu sehen lernen, sonst werden wir immer in die alten Fallen tappen“, zeigte Zwierlein eine Lösungsmöglichkeit auf. Dies sei nicht leicht, räumte der Referent ein, doch hatte er auch gute Nachrichten dabei: Veränderungen sind möglich und auch negative Gewohnheiten lassen sich überwinden. Etwas Geduld sei zwar vonnöten, doch nach 66 Tagen habe sich eine neue Gewohnheit etabliert.

Veränderungen beginnen bei jedem Einzelnen

Veränderungen beginnen dabei bei jedem Einzelnen: „Der Flügelschlag eines Schmetterlings reicht für große Veränderungen aus“, verdeutlichte Zwierlein. Wichtig sei es, Werte zu haben, einen inneren Kompass oder einen Leuchtturm, an dem man sein Leben ausrichten könne.
Diese Ansätze lassen sich auch auf die Wirtschaft übertragen. Leitbilder oder ein Wertekanon können den Rahmen vorgeben, Führungskultur für die Umsetzung sorgen. Die Führungskräfte haben dabei Vorbildfunktion, ihr Verhalten prägt das Unternehmen.

Tipps für den Arbeitsalltag

Im anschließenden Podiumsgespräch mit Giuseppe Randisi von den Wirtschaftsjunioren und der Diskussion mit dem Publikum gab Eduard Zwierlein den Teilnehmenden noch konkrete Tipps mit auf den Weg. So sind etwa kleine Pausen im Arbeitsalltag wichtig, Mikrorituale, bei denen man sich körperlich entspannen und kurz nachdenken könne: Bin ich gut unterwegs? Wie Werte in Unternehmen gelebt werden, zeige sich oft im Umgang miteinander. Auch hier sei ein Wandel möglich.
Und auch für den Umgang mit Dauerstress, Zeitdruck und Erschöpfung hatte Zwierlein einen konkreten Rat: „Sie selbst sind eine wunderbare Komposition aus Psyche, Seele, Geist und Spiritualität. Suchen Sie für alle vier Bereiche Regenerationsmöglichkeiten, schützen Sie alle.“

Die „Kontroverse am Aschermittwoch“ wurde von der Landeszentrale Politische Bildung Rheinland-Pfalz unterstützt.

 

Foto: HPH
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