Dialog der Religionen und Kulturen ist wichtiges Anliegen

Vortrag mit Bildern führt auf die „Spuren Buddhas“

„Auf den Spuren Buddhas“ ist ein besonderer Vortagsabend überschrieben, zu dem das Heinrich Pesch Haus am Dienstag, 18.10.2016, um 19.30 Uhr einlädt. Referentin ist Victoria Knobloch, die als fei schaffende Künstlerin in Leipzig lebt und arbeitet. Ihre Künste sind der klassische Gesang und die Fotografie. Während ihres Vortrags sind im Hintergrund Bilder aus verschiedenen Himalayaregionen und Eindrücke der dortigen buddhistischen Kultur und Tradition zu sehen.

Warum nimmt das HPH einen solchen Vortrag in seinen Veranstaltungsplan auf? Pater Gangolf Schüßler SJ, im HPH unter anderem für den Bereich des interreligiösen Dialogs zuständig, erklärt es so: „Für uns Jesuiten ist der Dialog der Religionen und Kulturen schon immer ein wichtiges Anliegen gewesen. So hat Papst Franziskus den italienischen Jesuiten Matteo Ricci (1552-1610) als Vorbild für den Dialog zwischen Kulturen und Religionen gewürdigt. Er hoffe, dass „die Erinnerung an einen solch leidenschaftlichen Mann der Kirche, der für soziale Veränderungen aufmerksam war und sich der Verbindung zwischen der europäischen und der chinesischer Kultur widmete, die Bedeutung des Dialogs stärkt zwischen den Kulturen und Religionen in einem Klima gegenseitiges Respekts und im Hinblick auf das Gemeinwohl“.

Ganz folgerichtig betonte der Papst zu Beginn des Jahres in seiner allerersten Videobotschaft im Zusammenhang mit seinem monatlichen Gebetsanliegen die Bedeutung des interreligiösen Dialogs: „Viele Menschen denken unterschiedlich, empfinden unterschiedlich, suchen Gott oder begegnen Gott auf unterschiedliche Weise. In dieser Vielfalt, dieser Bandbreite von Religionen gibt es nur eine Gewissheit, die wir alle teilen: Wir sind alle Kinder Gottes.“ Das Video zeigt u.a. kurze Sequenzen mit Vertretern verschiedener Weltreligionen, die ihren Glauben an ihren jeweiligen Gott bekennen.

›Ich vertraue auf Buddha‹, erklärt ein weiblicher Lama.
›Ich glaube an Gott‹, sagt ein Rabbi.
›Ich glaube an Jesus Christus‹, bekennt ein Priester.
›Ich glaube an Allah‹, meint ein führender Muslim.

Am Ende des Videos appelliert der Papst an die Gläubigen aller Religionen, miteinander in den Dialog zu treten und zusammenzuarbeiten. Dazu muss man natürlich den Dialogpartner zuerst einmal ein wenig kennen lernen. Dazu dienen solche Veranstaltungen wie „Auf den Spuren Buddhas“.

Auch Victoria Knobloch gibt in einem Interview einen Vorgeschmack auf den Abend.

Was erwartet die Teilnehmer an diesem Abend?

Es wird ein sehr philosophischer Abend. In dem Vortrag geht es vorrangig um die buddhistische Philosophie selbst, und die Bilder sind visuelles, ästhetisches Beiwerk.
Ich werde erläutern, warum mich und zurzeit auch so viele Neurowissenschaftler die Denkansätze  des Buddhismus so faszinieren und wie es mich dahin geführt hat. Ich werde mit dem Fundament des Buddhismus beginnen und die vier edlen Wahrheiten erklären, die sich mit der Bedeutung des Leidens beschäftigen. Außerdem werde ich von meinen eigenen  Erfahrungen in einem buddhistischen Kloster berichten. Und zum Schluss werde ich auf die Praxis der Meditation eingehen – was sie wirklich ist, aber auch was sie nicht ist. Da gibt es oft Missverständnisse und Fehlkonzepte.
Während des Vortrages werden die Bilder, die während meiner Reisen nach Kathmandu, Ladhak, Tibet,  Kham und Bodhgaya entstanden sind, im Hintergrund als Slideshow laufen. Natürlich werde ich auch ausführlich über meine Fotoprojekte berichten.

Warum sind Sie vom Tibetischen Buddhismus fasziniert?

Ich empfinde ja die Grundtendenzen oder Anliegen sämtlicher Religionen als relativ identisch und zwar: ein tiefes Vertrauen in das Leben herstellen, wodurch dann sämtliche positive Eigenschaften des Menschen zum Vorscheinkommen können, denn:

Wo es Vertrauen gibt, gibt es Liebe.
Wo es Liebe gibt, gibt es Frieden.
Wo gibt es Frieden gibt, gibt es Wahrheit.
Wo gibt es Wahrheit gibt, gibt es Glück.
Wo es Glück gibt, gibt es Gott.

Nur sehen wir ja die Welt wie sie ist und merken, dass das alles nicht so einfach ist. Der tibetische Buddhismus hat allerdings geniale Methoden entwickelt, um den Geist in diese Richtung zu entwickeln, dazu gehört nämlich Arbeit. Und auf einmal habe ich den konkreten Sinn von Religion verstanden. Die buddhistischen Methoden sind Werkzeuge, um innerlich frei werden zu können und den Geist konstruktiv zu entwickeln.

Sie haben einige Zeit in einem buddhistischen Kloster gelebt und meditiert. Was ist Ihnen von dieser Zeit als wichtigste Erfahrung in Erinnerung geblieben?

Wahrscheinlich, dass Transformation doch am leichtesten in einem Umfeld von Menschen ist, die das gleiche Vorhaben teilen. Das wirkt dann wie ein Katalysator. Es ist schon schwieriger, wenn man ganz auf sich allein gestellt ist. Und in Leipzig, wo ich wohne, habe ich diesbezüglich kaum Anknüpfungspunkte. Ich habe deswegen schon öfter in Erwägung gezogen, ins Kloster zu gehen. Kürzlich ist mir allerdings eine andere Aufgabe in Afrika begegnet, die jetzt wohl mehr mein Leben bestimmen wird.

Die Fotografien stammen aus Indien, Nepal, Tibet – was begeistert Sie an diesen Ländern und an den dort lebenden Menschen?

Ich glaube vor allem die Schönheit, die lebendige Kraft, die friedliche und respektvolle Lebensführung und Geisteshaltung des tibetischen Buddhismus. Auch die Einfachheit und ungekünstelte Herzlichkeit der Menschen berührt mich tief. Mich begeistern auch immer die kleinen Welten der einfachen Leute.

Worauf kommt es Ihnen beim Fotografieren vor allem an?

Eine Fotografie sollte einfach und dennoch profund sowie ästhetisch ansprechend sein. Wichtig ist vor allem bei der Portraitfotografie der respektvolle Umgang mit dem Menschen, d.h. auch zu akzeptieren, wenn sie nicht fotografiert werden möchten. Ansonsten ist jedes Portrait wie ein kleiner, einmaliger Dialog. In buddhistischen Gefilden versuche ich natürlich auch, besagte Atmosphäre und Geisteshaltung in den Bildern zu spiegeln.

Foto ©: Victoria Knobloch

brid / 07.10.2016

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