Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin und die Haltung der Kirche

Tiefe Lebenskrise durch ungewollte Kinderlosigkeit

Schätzungsweise 25.000 Paare in Rheinland-Pfalz sind ungewollt kinderlos. Verunsicherung, Kränkung, die Zerstörung eines Lebenstraums – Sabine Fähndrich, Referentin für Familie und Generationen beim Deutschen Caritasverband Freiburg, schilderte die Folgen für betroffene Paare sehr deutlich.

Die Sicht der Betroffenen, wie die moderne Reproduktionsmedizin helfen kann und welche Antworten die Theologie und die Kirche zu diesen medizinischen Möglichkeiten geben, war Thema einer Podiumsdiskussion der Bischöflichen Stiftung für Mutter und Kind in Kooperation mit dem HPH.

Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein sehr persönliches Problem, erklärte Fähndrich. Es ist außerdem mit viel Scham behaftet und wird auch tabuisiert. Darüber hinaus ist Kinderlosigkeit auch ein gesellschaftliches Problem, das durch später einsetzende Familienplanung, veränderte Familienkonzepte und den demografischen Wandel bedingt ist.

Doch dieser Aspekt stand nicht im Fokus ihres Statements.  „Wenn Paare kein Kind bekommen können, geraten sie nicht selten in eine tiefe Krise, die mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen vergleichbar ist“, führte sie aus. Eine psychosoziale Beratung hält sie für unverzichtbar – egal, ob die Betroffenen die Kinderlosigkeit zu akzeptieren versuchen oder Hilfe bei der Reproduktionsmedizin suchen. Allerdings, räumte sie ein, wird diese psychosoziale Beratung äußerst selten bei Beratungsstellen der Caritas nachgefragt.

Dr. Tobias Schmidt leitet das Kinderwunschzentrum Ludwigshafen. Der Gynäkologe beschrieb anschaulich, über welche Möglichkeiten die Reproduktionsmedizin verfügt, welche Techniken in welchen Fällen zum Einsatz kommen, und wo Grenzen sind. Er verwies auf die strengen Richtlinien, die in Deutschland für die Reproduktionsmedizin gelten – strenger als in den meisten anderen europäischen Ländern. So sind beispielsweise hierzulande Eizellenspenden und Leihmutterschaft verboten.

Aufgabe von Univ.-Professor Dr. Stephan Goertz war es, die Haltung der Kirche zur Reproduktion darzulegen und zu diskutieren. Er ging einerseits auf das Postulat der Untrennbarkeit von Geschlechtsakt und Zeugung ein – ein Postulat, das ja auch in der Frage der Empfängnisverhütung zentrales Argument ist. Die Haltung des kirchlichen Lehramts zu diesem und anderen Themen wurde ausgehend von Aussagen des Zweiten Vatikanums neu beleuchtet. Dort heißt es: „Ehe und eheliche Liebe sind ihrem Wesen nach auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft ausgerichtet.“ (Gaudium et spes, 50)

Dies ermögliche eine erweiterte Debatte über verschiedene Themenkreise, so meint der Moraltheologe. Für ihn stelle sich nicht nur die Frage nach der Unterscheidung von „natürlich“ und „künstlich“, sondern auch nach dem Status und der Würde des Embryos, nach der Art der Lebensgemeinschaft, in die ein Kind geboren werden soll, und ob es ein „Recht auf ein Kind“ gibt.

Das Schlusswort der Veranstaltung sprach Schirmherr Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann. Er räumte ein, dass dies ein „ganz sensibles Thema“ sei, und welche „tiefen inneren Folgen“ ungewollte Kinderlosigkeit in Menschen auslösen kann. Auf der Grundlage der Trennung von natürlicher Empfängnis und künstlicher Befruchtung müsse teilweise differenzierter betrachtet werden, was dies im konkreten Fall bedeutet. Gleichzeitig jedoch hält er an seiner Auffassung fest, „dass nicht alles machbar ist, was der Mensch sich wünscht“, und verweist auf den Tutiorismus, wonach im Zweifel aus moralischer Sicht die sicherere Alternative gewählt werden solle.

Die bischöfliche Stiftung für Mutter und Kind unterstützt die katholischen Schwangerenberatungsstellen in der Diözese Speyer finanziell und ideell, fördert Projekte kirchlicher Träger zugunsten schwangerer Frauen und sensibilisiert die Öffentlichkeit für die Würde der Frau sowie das Lebensrecht und den Schutz der ungeborenen Kinder. Das Thema „Wenn der Kinderwunsch sich nicht erfüllt“ wurde vom Familienbund im Bistum Speyer angestoßen, erklärte Beiratsvorsitzende Marlies Kohnle-Gros. Auch sie räumte die Schwierigkeit im Umgang mit dieser Frage ein: „Wir haben sehr um dieses Thema gerungen“, sagte sie in der Begrüßung.

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