„Wenn der Traum vom perfekten Menschen zerbricht“

Theologie und Humangenetik im Gespräch

Keiner hält sich für perfekt, aber jeder will es sein: gesund, schön, intelligent, langlebig, erfolgreich, schlank. Dr. Friedmar R. Kreuz hatte aus Umfragen noch so einiges aufzuzählen. Der Facharzt für Humangenetik und Dozent für Psychotherapie aus Dresden war Referent beim Diskussionsabend der Bischöflichen Stiftung Mutter und Kind in Kooperation mit dem Heinrich Pesch Haus mit dem Titel: „Wenn der Traum vom perfekten Menschen zerbricht.“

Der Vortrag des Mediziners zeigte den derzeitigen medizinischen, aber auch gesetzlichen Stand der Humangenetik auf. Dazu kamen noch Erfahrungen aus den humangenetischen Beratungsgesprächen seiner Praxis, die aufzeigten, wie Menschen mit den medizinisch-genetischen Möglichkeiten versuchen umzugehen.
Eine humangenetische Beratung dient dazu, erblich bedingte Erkrankungen zu erkennen oder die Risiken solcher Erkrankungen zu prognostizieren. Besondere Bedeutung hat sie für die Weitergabe solcher Risiken an die künftigen eigenen Kinder. Die humangenetische Beratung macht keine Vorschläge und ist völlig ergebnisoffen, trotzdem hat sie große Bedeutung für die Entscheidung von Müttern, ein Kind auszutragen oder abzutreiben.
Zur Beratung gehört auch die Aufklärung über Gefährdungen des ungeborenen Kindes durch Methoden der Pränataldiagnostik. Wenig bekannt seien in der Öffentlichkeit Risiken bis fünf Prozent, das Kind zu verlieren, je nach Diagnosemethode. Übermäßige Erwartungen und unklare Vorstellungen der Methoden könnten durchaus mit der Verflechtung der Forschung mit der Pharma-Industrie zu tun haben.
Ein Exkurs zum 2010 verabschiedeten Gendiagnostikgesetz, das die genetischen Untersuchungen beim Menschen und die Verwendung genetischer Proben und Daten regelt, ergänzte den Vortrag. Zentraler Punkt in diesem Gesetz ist der Grundsatz der informellen Selbstbestimmung, der auch das Recht umschließt, nichts über das Ergebnis der Untersuchungen zu erfahren.
Prof. Dr. Josef Schuster SJ, Professor für Moraltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt, befasste sich in seinem Referat „Der zerbrechliche Mensch“ mit den Folgen der Erkenntnismöglichkeiten. Die Diagnose sei keine Therapie, eine Therapie oft nicht möglich.
Derzeit werden 95 Prozent aller Ungeborenen mit Down-Syndrom abgetrieben; Gesundheit sei zum Fetisch geworden, das Streben danach nehme oft narzisstische Züge an. „Die Gefahr besteht, dass Träger bestimmter Krankheiten stigmatisiert und diskriminiert werden“, befürchtet der Moraltheologe. Der gesellschaftliche Druck, Kinder mit Behinderungen gar nicht erst auf die Welt zu bringen, sei enorm. „Haben solche Menschen kein Recht auf Leben?“, fragt er.
So lange es bei konkreten Eingriffen darum geht, einen bestimmten Menschen zu therapieren und möglichst zu heilen, habe er keine ethischen Probleme; er wendet sich aber vehement gegen Eingriffe in die „Keimbahn“ des Menschen, Veränderungen, die die Weitergabe von Genen an die nächsten Generationen betreffen.
Quelle: Bistum Speyer

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