Mit Traditionen aus dem Hinduismus den christlichen Glauben verkündet

Tanzen für die Elefanten-Gottheit und den Heiligen Geist

„Namaste. Guten Abend.“ Der auffallend geschminkte Mann in der Aula des Heinrich Pesch Hauses verneigt sich. Er begrüßt sein Publikum, wie es in Indien und in Deutschland üblich ist. Den Rest des Abends wird Jesuiten-Pater Saju George Englisch sprechen. Er trägt einen grünen Rock, Metallschmuck, Rasseln und Fußschellen. Der Oberkörper ist frei.

Es ist ein internationaler und interreligiöser Abend, durch den Dr. Matthias Rugel SJ und HPH-Bildungsreferentin Birgit Meid-Kappner führen, indem sie aus dem Englischen übersetzen. Pater Saju, katholischer Priester, Philosoph und Lehrer, führt zunächst in den traditionellen Tempeltanz des Hinduismus ein. Dazu hat er eine eigene Tanzperformance zusammengestellt. Mit einem Tanz stellt der Tänzer das Öffnen einer Knospe zu einer Blüte dar, ein anderer gilt dem Elefanten-Gott Ganesh: Ein Arm des Tänzers formt ein großes Ohr, der andere erinnert im Schwung an einen Rüssel.

Der  ganze Körper ist in Bewegung zur Musik. Beine und Arme, die Finger, der Mund, auch die Augen und Augenbrauen. Die Musik ist für europäische Ohren ungewohnt, der Gesang unverständlich und gleichzeitig eindringlich.  Vor jedem Tanz erklärt Pater Saju  die Bedeutung seiner Gesten und Bewegungen, die bis ins kleinste Detail etwas zum Ausdruck bringen.

Nach dem „hinduistischen Einstieg“ folgt ein erster christlicher Tanz, von Saju George zu einem Schöpfungslied choreografiert. Es geht um das Lob der Schöpfung und das Lob des Schöpfers. Die Hände spielen eine zentrale Rolle: „Gott hat alles mit seinen Händen geschaffen, wir sind in seinen Händen, unsere Hände sind in seinen geborgen.“

Die Rolle der Hände im indischen Tanz ist entscheidend: Die Finger können Sanskrit-Buchstaben darstellen, die für bestimmte Wörter stehen. „So ist es möglich, ganze Geschichten zu erzählen.“ Einige dieser Handhaltungen übt Saju George mit seinem Publikum ein. Um nur einige wenige zu beherrschen, bräuchte es Tage der Übung.

Nun zeigt der tanzende Jesuit seine hohe Kunst – mit den Ausdrucksmitteln des Hinduismus erzählt er christliche Theologie, verkündet mit seinem Körper den Glauben an Jesus. Mit seinen Bewegungen und vor allem mit seinen Augen und einer intensiven Mimik fesselt er seine Zuschauer an die Darbietung. Erzählt wird die Geschichte von der Botschaft des Erzengels Gabriel an Maria und später das Auferstehen Jesu Christi.

Beim Tanz für den Hindu-Gott Shiva oder beim Heilig-Geist-Tanz, den der Pater aufführt, wird dann  deutlich: Trotz der Fremdheit der hinduistischen Tradition und den vielen Unterschieden zur christlichen Religion gibt es eine wunderbare Gemeinsamkeit: Das Göttliche, das Schöpferische, findet seinen Ausdruck im Tanz, im Schauspiel und in der Freude daran. Man konnte spüren, dass Saju George ein pädagogisches Talent hat.

Das Verbindende zwischen den Religionen erlebbar und die Hingabe an diese Form der Spiritualität erfahrbar zu machen, war Anliegen der Veranstalter dieses außergewöhnlichen   Abends. Und nicht zu vergessen: Pater Saju kann eine großzügige Spende für sein Bildungsprojekt in der Nähe von Kalkutta mit nach Hause nehmen.

Text: Hubert Mathes in: „Der Pilger“

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