Vortrag mit dem evangelischen Theologen von Brück, der auch Zen- und Yoga-Lehrer ist

„Sind alle mystischen Erfahrungen gleich?“

Ein evangelischer Theologe wird Zen- und Yoga-Lehrer: Professor Dr. Michael von Brück ist Professor für Religionswissenschaft und lehrt Zen und Yoga an verschiedenen Institutionen. Geboren 1949 in Dresden, studierte er zunächst evangelische Theologie sowie vergleichende Sprachwissenschaft und Sanskrit in Rostock. In Indien studierte er indische Religionen, besonders Yoga in Theorie und Praxis, in Japan studierte er Zen.

Am Montag, 26.05.2014, kommt er um 19.30 Uhr ins Heinrich Pesch Haus. Thema seines Vortrags mit dem Titel „Sind alle mystischen Erfahrungen gleich?“ ist die Frage, was mystische Erfahrungen sind, ob sie in mehreren Religionen vorkommen, und ob Erfahrungen und theologische Interpretationen voneinander getrennt werden können.

Vor der Veranstaltung hat Birgit Meid-Kappner, Bildungsreferentin im HPH, mit Professor von  Brück gesprochen:

Warum wird ein evangelischer Theologe Zen- und Yogalehrer?

Das hängt mit meiner Biografie zusammen. Ich habe während des Theologiestudiums den deutschen Jesuiten Hugo Enomiya-Lasalle kennengelernt. Er kam zu uns und gab in einem Haus der Jesuiten in Ostdeutschland Zen-Sesshins. Ich war davon so beeindruckt und begeistert, dass ich das mehrere Jahre praktiziert habe. Später lud mich Pater Lassalle nach Japan ein und ich empfand das für meine eigene spirituelle Praxis als sehr hilfreich.

Und wie sind Sie zum Yoga gekommen?

Yoga hängt zusammen mit meiner Zeit in Indien. Ich war erst Student und dann Gastprofessor in Indien und habe mich dort zum Yogalehrer ausbilden lassen.

Gibt es ein Spannungsfeld zwischen Ihrer Rolle als Universitätslehrer und Ihrer Rolle als Zenlehrer, denn das sind ja zwei sehr verschiedene Dinge?

Ja, diese Spannung gibt es und sie besteht darin, dass man als Akademiker und Universitätslehrer Dinge von außen betrachtet, sozusagen mit einer akademischen Distanz ohne Identifikation jeder Art, während man als Zenlehrer natürlich existentiell von der Praxis betroffen ist.

Das ist aber in Bezug auf wissenschaftliche Theologie und eigene Glaubenspraxis ganz genauso. Diese Spannung zwischen Distanz und Identifikation ist grundsätzlich im Leben gegeben.

Wie beurteilen Sie das wachsende Interesse der westlichen Welt am Buddhismus?

Der Buddhismus ist im Bewusstsein der Europäer schon seit der Jesuitenmission in China präsent, also seit ungefähr dem Jahre 1600. Die italienischen Jesuiten unter Matteo Ricci waren fasziniert von der chinesischen Kultur. Später dann kommt es im 19. Jahrhundert zu einer großen Buddhismus-Begeisterung unter deutschen Intellektuellen und im 20. Jahrhundert setzt sich das fort.

Der Buddhismus wird als Alternative wahrgenommen zum Christentum, das von vielen als gewalttätig, kriegerisch und Angst verursachend wahrgenommen wurde. Ich sehe den Buddhismus weniger als Alternative denn als eine Ergänzung und eine Möglichkeit zur Vertiefung der christlichen Praxis. Das Interesse der westlichen Kultur am Buddhismus ist im Wesentlichen ein Interesse an der Praxis, also an der Meditation. Es ist auch ein Interesse an der Theorie eines nicht-dualistischen Weltbildes.

Und dieses Interesse nimmt zu und geht im Westen weit über die Zahlen der Mitglieder von buddhistischen Vereinen hinaus.

Letzte Frage: Wo sehen Sie die großen Religionen in hundert Jahren?

Das ist schwer zu sagen und zu sehen. Die Zukunft ist offen. Eines ist sicher: Sie werden sich dramatisch verändern und zwar alle. Aber in welche Richtung ist schwer zu sagen. Ich vermute, dass die beiden Prozesse, die wir jetzt sehen, weitergehen. Auf der einen Seite ist das ein Prozess des Rückzugs und des Fundamentalismus, der sozusagen die Zäune zwischen den einzelnen Konfessionen und Religionen hoch zieht, weil es ein Sicherheitsbedürfnis in einer unübersichtlichen Welt gibt.

Das ist die eine Seite, die wir überall auf der Welt sehen, wo dann auch der Fundamentalismus sich durchaus mit militanten Identitätsbestrebungen verknüpfen kann.

Auf der anderen Seite gibt es die Offenheit der interkulturellen Diskurse, d.h. eine weitere Synthese von religiösen Traditionen: Kreative Integrationen des jeweils Anderen. Wohin das führen wird, ist jedoch schwer zu sagen.

  • << Nov 2020 >>
    MDMDFSS
    26 27 28 29 30 31 1
    2 3 4 5 6 7 8
    9 10 11 12 13 14 15
    16 17 18 19 20 21 22
    23 24 25 26 27 28 29
    30 1 2 3 4 5 6
  • Initiative Transparente Zivilgesellschaft

    transparente_zivilgesellschaftpngSelbstverpflichtungserklärung (SVE) der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ) >>mehr erfahren
  • Mahlze!t LU

      Seit dem 6. April bietet das Heinrich Pesch Haus jeden Tag eine warme Mahlzeit für bedürftige Menschen an. Da mit diesem Angebot aber Familien nicht erreicht werden, macht sich Mahlze!t LU nun auf den Weg >> erfahren Sie mehr
  • Ihr Klick bewirkt Gutes!

    Wenn Sie uns einfach und unkompliziert unterstützen wollen, dann können Sie das künftig über die beiden Portale „Schulengel“ und „Gooding“ tun. Bei beiden handelt es sich um ein Spendennetzwerk, dem sich viele Versandhändler angeschlossen haben. Die daran beteiligten Unternehmen zahlen für jeden Einkauf eine Provision – in unserem Fall für unsere Familienbildung im Heinrich Pesch Haus.