Podiumsgespräch der Bischöflichen Stiftung für Mutter und Kind zum Thema sexuelle Bildung und Prävention

„Sexualität als ein Geschenk und eine gute Gabe betrachten“

„Werden wir als katholische Schwangerschaftsberaterinnen überhaupt ernst genommen? Was wollen wir bewirken? Wer braucht unsere Angebote?“ Das sind laut Christine Lampert immer wieder auftretende Fragen in der katholischen Schwangerschaftsberatung und speziell beim Projekt „Wertvoll aufgeklart“, das die Bischöfliche Stiftung für Mutter und Kind unterstützt. Bei einem Podiumsgespräch wurden diese Fragen diskutiert.

Lampert ist Geschäftsführerin der Bischöflichen Stiftung. Deren jährliches Podiumsgespräch in Kooperation mit dem Heinrich Pesch Haus hatte in diesem Jahr das Ziel, die sexualpädagogische Präventionsarbeit im Rahmen des Projektes bekannt zu machen und zur Bewusstseinsbildung beizutragen. „Katholische Schwangerschaftsberatung hat ihren Platz in unserer Welt mit den vielen verschiedenen Lebensentwürfen“, ist Lampert überzeugt, aber: „Wir wollen und müssen sprachfähig werden und bleiben.“

Moderiert wurde das Gespräch von Dr. Jonas Pavelka, dem Leiter des neu gegründeten Zentrums für Ethik, Führung und Organisationsentwicklung im Gesundheitswesen, kurz: ZEFOG. Er bezeichnete das Thema des Abends als einen wertvollen Beitrag zur Prävention: „Wenn Jugendliche befähigt werden zu guten und festen Beziehungen, zu gelingender Partnerschaft und gelingender sexueller Selbstbestimmung, dann wirkt sich das auch positiv auf die Haltung zu Familienplanung und –gründung aus“, hofft er.

Das Podium war sehr ausgewogen besetzt: mit Eckhard Schroll von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZzgA), der Sexualpädagogin Christina Gutsmuths sowie dem Moraltheologen Prof. Dr. Elmar Kos. Schroll, der bei der BZzgA die Abteilung Sexualaufklärung und Familienplanung leitet, stellte in seinem Eingangsstatement neun Eckpunkte aus der in diesem Jahr veröffentlichten Jugendsexualitätsstudie vor. So sind Mütter – und zunehmend auch Väter – für Jugendliche noch immer die wichtigsten Ansprechpartner beim Thema Aufklärung. Die Studie widerspricht einigen Vorurteilen gegenüber einem vermeintlich oberflächlichen Umgang von Jugendlichen mit Sexualität. Sie zeigt vielmehr, dass sie ein großes Verantwortungsgefühl haben und Treue und fester Partnerschaft einen hohen Stellenwert beimessen.

Ein „Herzensanliegen“ für Christina Gutsmuth ist ein „entspannter Umgang mit Sexualität“, der aus ihrer Sicht unter anderem dann erreicht werden kann, wenn Sexualität auch in der frühkindlichen Bildung bereits eine Rolle spielt. Kinder und Jugendliche müssen aus ihrer Sicht früh befähigt und gebildet werden, damit sie ein positives Körper- und Selbstbild entwickeln können. Sie spricht gerne von „sexueller Bildung“ und denkt dabei daran, dass vom Kindergarten bis ins hohe Alter immer wieder Themen angestoßen werden sollten, um zu einem selbstbestimmten und selbstwahrnehmenden erfüllenden Leben befähigt zu werden.

Prof. Kos räumte ein, dass die Moraltheologie ein „Imageproblem“ habe, weil sie immer mit dem „erhobenen Zeigefinger“ assoziiert werde. Tatsächlich sei es aber Anliegen von Moraltheologie, Modelle für ein gelingendes Leben zu entwickeln. Daher gehe es in der Sexualpädagogik „um das Einüben von Haltungen“. Aus Sicht der Sinndimension von Sexualität betrachtet, „können sich auch Spielräume entwickeln bei der Frage nach Empfängnisverhütung, Homosexualität oder vorehelicher Sexualität.

Diskutiert wurde darüber, wer in Schulen für die Sexualpädagogik zuständig sein soll – dass sie dort ihren Platz haben muss, war dagegen unstrittig. Schroll sprach sich dafür aus, den Lehrern das „Biologische“ zu überlassen und Beratungsstellen für die persönlichen Fragen einzubeziehen. Das könne auch die Schwelle reduzieren, dass Jugendliche selbst eine Beratungsstelle aufsuchen. Kos sieht dagegen die Notwendigkeit, das Thema auch in anderen Unterrichtsfächern wie Religion, Ethik oder Deutsch zu integrieren – und wenn es im Religionsunterricht aufgenommen sei, könnte das „die Kirche sogar sexy machen“.  Wichtig ist ihm auch, die wachsende Bedeutung des Internets im Unterricht aufzugreifen und die medial vermittelten Inhalte mit den Jugendlichen zu reflektieren.

Das Schlusswort der Veranstaltung sprach Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann. Er empfand die vorgelegten Zahlen über die Ansichten von Jugendlichen „ermutigend“ und plädierte dafür, „Sexualität als ein Geschenk und eine gute Gabe zu betrachten.“ Er begrüßte ausdrücklich, dass die Stiftung die Förderung eines solchen Projektes übernommen hat. Damit sie dies auch in Zukunft tun kann, wurde das Kapital der Stiftung nochmal ein mal kräftig aufgestockt.

Bischof Wiesemann zitierte mehrfach das Papstschreiben „Amoris laetitia“, in dem Papst Franziskus Sexualaufklärung als einen Teil der „Erziehung zur Liebe“ beschreibt, die angepasst sein solle an die jeweilige Phase des Lebens. In dieser Frage waren sich auch die Podiumsteilnehmer einig.

brid /21.04.2016

  • << Nov 2020 >>
    MDMDFSS
    26 27 28 29 30 31 1
    2 3 4 5 6 7 8
    9 10 11 12 13 14 15
    16 17 18 19 20 21 22
    23 24 25 26 27 28 29
    30 1 2 3 4 5 6
  • Initiative Transparente Zivilgesellschaft

    transparente_zivilgesellschaftpngSelbstverpflichtungserklärung (SVE) der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ) >>mehr erfahren
  • Mahlze!t LU

      Seit dem 6. April bietet das Heinrich Pesch Haus jeden Tag eine warme Mahlzeit für bedürftige Menschen an. Da mit diesem Angebot aber Familien nicht erreicht werden, macht sich Mahlze!t LU nun auf den Weg >> erfahren Sie mehr
  • Ihr Klick bewirkt Gutes!

    Wenn Sie uns einfach und unkompliziert unterstützen wollen, dann können Sie das künftig über die beiden Portale „Schulengel“ und „Gooding“ tun. Bei beiden handelt es sich um ein Spendennetzwerk, dem sich viele Versandhändler angeschlossen haben. Die daran beteiligten Unternehmen zahlen für jeden Einkauf eine Provision – in unserem Fall für unsere Familienbildung im Heinrich Pesch Haus.