Tage der Ignatianischen Pädagogik dienten der Fortbildung und Vernetzung

„Sehr bestärkt und beschenkt“

Aus vielen Ländern und mit verschiedenen Hintergründen kamen die rund 100 Teilnehmenden zu den diesjährigen Tagen der Ignatianischen Pädagogik. Ihnen gemeinsam sei die ignatianische Idee, die sie umtreibe, sagte Johann Spermann SJ, der Leiter des Zentrums für Ignatianische Pädagogik (ZIP), bei der Begrüßung.

Und so wurde das Treffen zu einer Veranstaltung, die der Fortbildung, vor allem aber dem Austausch, der Vernetzung und dem Wiedersehen diente.

Johannes Siebner SJ, Kollegsleiter im Aloisiuskolleg Bad Godesberg, drückte es beim Markt der Möglichkeiten so aus: „Das ist das Schöne: Wir alle denken sehr ähnlich. Man sagt ein ignatianisches Kennwort und ist in der Diskussion „daheim“. Das ist wie ein großes Familientreffen.“

Diese ignatianische Idee zu ergründen, dazu gab es verschiedene Herangehensweisen. Zu Beginn der Tagung stellte Stephan Kessler SJ einige historische Überlegungen an, streifte die Entstehung jesuitischer Schulen und stellte sie in Zusammenhang zu den jeweils historischen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Das Buch „Am Anderen wachsen“
soll als Handbuch im Alltag dienen

Der Samstag stand ganz in Zeichen des Buches „Am Anderen wachsen“. Es ist auf Initiative des ZIP entstanden und stellt einen ersten Schritt zur Entwicklung der Marke „Jesuitenschule“ oder „Jesuitenkolleg“ dar. Die einzelnen Workshops hatten einige Buchkapitel zum Thema – und die boten viel Diskussionsstoff.

Mit dieser inhaltlichen Auseinandersetzung wurde zum einen erreicht, dass das Buch in den Schul- und Kollegsalltag eingeführt wird und die Autorinnen und Autoren die Gelegenheit bekamen, ihre Beiträge in den Workshops noch zu vertiefen. Vor allem – aber nicht nur – aus Österreich kam die positive Rückmeldung, dass mit dieser Veröffentlichung nun tatsächlich eine Art „Handbuch zur ignatianischen Pädagogik“ vorliege, das im Alltag gut anwendbar sei und für den Austausch innerhalb der Kollegien gute Impulse liefere.

So debattierten die Lehrer und Schulleiter beispielsweise mit Klaus Mertes darüber, wie sich im Schulalltag die Frage nach Gott stelle – oder konkret: Wie gehen wir mit Schulgottesdiensten um, wenn das Interesse daran schwindet und die Jugendlichen gar nicht mehr wissen, wie man sich im Gottesdienst verhält? Dabei stand nicht die Frage im Mittelpunkt, ob Kinder an den Gottesdiensten teilnehmen, sondern vielmehr: Wie kann man sie dazu motivieren, dass sie gerne in den Gottesdienst gehen? Tobias Zimmermann verwies unter anderem darauf, dass unter den neu angemeldeten Kindern immer wieder einige sind, die in ihrem Leben noch nie eine Kapelle von innen gesehen haben. Oder, dass die Aufforderung: „Jetzt seid mal still!“ ein Fehlverhalten der Kinder impliziere – in Wirklichkeit aber gehe es dabei darum, dass sie eine Haltung einnehmen, in der sie eine Zeitlang still werden und beten können. Möglichkeiten, wie die Kinder Gottesdienste positiv erleben können, bestehen etwa in so genannten Erzählgottesdiensten, bei denen Stücke aus der Bibel frei erzählt statt vorgelesen werden, oder im Singen – von einigen wenigen Liedern, die sich durch die gesamte Schullaufbahn ziehen, und die alle Schüler kennen. Taizé-Lieder eignen sich hierfür besonders gut.

Der Umgang mit krisenhaften Situationen interessierte die Teilnehmer ebenso. Günter Stern diskutierte zunächst im Workshop und präsentierte dann beim „Markt der Möglichkeiten“ die eigene Konzeption der Sankt-Ansgar-Schule. Warum Schule immer mehr ist als Schule war Thema eine englischsprachigen Workshops mit Johannes Siebner. Da die Teilnehmenden auch aus nicht-deutschsprachigen Ländern kamen, wurden zwei Workshops auf englisch abgehalten.

Hierin zeigte sich die Internationalität der Tagung. Sie zeigte sich aber auch in unterschiedlichen Betrachtungen auf gleiche Themen. Beispiel Flüchtlingspolitik: Die Teilnehmenden aus Ungarn überraschten ihre Kolleginnen und Kollegen mit einem sehr differenzierten Blick auf die Politik ihres Staatschefs Willi Orban. Neben seiner diskussionswürdigen Entscheidung der Grenzschließung sahen sie auch sein Bemühen, „Schlimmeres zu verhindern“ und betonten dabei auch, dass er die Kirche in ihrem Heimatland gut behandle – und das war nicht immer so.

„Sehr bestärkt und beschenkt“ ging Michael Dobes aus seiner Veranstaltung, die wie sein Kapitel im Buch den Titel hatte „Wir erziehen Typen“. Im Gespräch stellte er fest, dass wir besonders in Krisenmomenten und im Umgang mit schwierigen Persönlichkeiten einen anderen Umgang pflegen. Das zeichnet uns aus.“

Erstmals wurde der
 „Ignatius-Talk“ aufgezeichnet

Was „typisch ignatianisch“ ist, war auch Thema beim neuen „Ignatius-Talk“, drei kurzen Interviewrunden, die aufgezeichnet wurden. Auch hier wurden die Aspekte betont, die alle Teilnehmenden als grundlegend in ihrer Arbeit erachten: Den Lehrern kommt eine große Bedeutung zu, da sie nicht nur unterrichten und beurteilen, sondern sich individuell mit den Schülern auseinander setzen. Die Schulen verbindet das Streben nach Exzellenz – nicht im Sinne einer Elite, sondern indem sie kritische Menschen hervorbringen, die soziale Themen und wirtschaftliche Trends kritisch hinterfragen und bereit und fähig sind, in Leitungsfunktionen Verantwortung zu übernehmen. Der Einsatz für Schwache und Benachteiligte muss im Schulalltag gelingen und es muss Zeit vorhanden sein für eine Reflexion über das eigene Handeln und die eigene Haltung. Und über all dem stehe, so drückte es Birgit Buchberger aus: „Gott als oberste Instanz ist in allen Dingen zu erkennen.“

Ein Blick in die Zukunft

In der Ignatianischen Pädagogik geht es um  eine „bewusste, kompetente, mitfühlende und engagierte  Person“. Wie gelingt im Alltag das Zusammenspiel von ignatianischer Spiritualität und Bildungsauftrag wie die Verbindung von gesellschaftlichen Herausforderungen und der pädagogischen Praxis?  Das ZIP ist eine Plattform, um Grundzüge ignatianischer Erziehung im Schulalltag zu diskutieren und zu reflektieren und dabei Neues in  den Blick zu nehmen. So stand der dritte und letzte Tag stand ganz im Zeichen „von morgen“: Im „Café der Zukunft“ waren die Teilnehmenden eingeladen, zehn Jahre nach vorne zu blicken. Sie tauschten sich in drei Themenfeldern aus: Was hat sich an den  Schulen/Kollegien in zehn Jahren verändert? Wie wird in zehn Jahren das ZIP-Programm aussehen? Wie wird sich ihre Zusammenarbeit und Vernetzung entwickelt haben?

Jeder konnte sich einbringen. „Es war faszinierend zu erleben, wie zielorientiert und begeistert die Teilnehmenden in englisch- und deutschsprachigen Gruppen effizient komplexe Themen bearbeitet und Veränderungsprozesse fokussiert haben“, so Ulrike Gentner, Co-Leiterin des ZIP.  Nun werden die Ideen – beispielsweise Austauschprogramme und Projekte zur ignatianischen Schulentwicklung –  wie Vorschläge zur Umsetzung evaluiert und mögliche nächste Schritte vorbereitet.

Bei all dem vielen Austausch kam auch das Gesellige nicht zu kurz. So waren die Teilnehmenden mit „Cantus Heidelberg“ eingeladen, in einem Gesangsworkshop ihre Stimme zu entfalten oder erstmals selbst zu erleben, und dank des schönen Wetters fanden viele Gespräche im Park des HPH statt. Offenheit, Innehalten und Austausch haben die Teilnehmenden aus Deutschland, Kosovo, Litauen, Österreich und Ungarn verbunden.

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