Kontroverse Diskussion beim 4. Unternehmertag der Diözese Speyer in der Metropolregion Rhein-Neckar

Schwierige Annäherung an die Frage nach dem „gerechten Lohn“

„Wer arbeitet, hat Recht auf seinen Lohn“. Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann war Schirmherr des 4. Unternehmertags der Diözese Speyer in der Metropolregion Rhein-Neckar. Er beließ es nicht dabei, in seiner Predigt auf das Thema des Abends einzugehen, sondern er sprach auch das Schlusswort und griff dabei auf die Textstelle aus dem Lukasevangelium zurück.

„Maß und Mitte, Managergehälter und Mindestlohn – gibt es einen gerechten Lohn?“, das war das Thema dieser Veranstaltung des HPH in Kooperation mit dem Bund Katholischer Unternehmer (BKU) und der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU).  Bei der Podiumsdiskussion trafen die Unternehmer Dr. Wolfgang Heer, Vorstandsvorsitzender der Südzucker AG, und Martin Peters, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Eberspächer, auf Ingrid Sehrbrock, DGB-Vorsitzende a.D. und Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, und den Inhaber des Lehrstuhls für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät in Paderborn, Dr. Peter Schallenberg.

Drei Themenblöcke sprach Moderator Bernd Jung, der Vorsitzende der BKU-Diözesangruppe Kurpfalz, an. Der erste war der Mindestlohn, dessen Einführung sehr kontrovers diskutiert wurde. Als Gewerkschaftlerin verteidigte ihn Ingrid Sehrbrock energisch und betonte, dass Deutschland damit etwas „nachholt, was andere Länder schon lange haben“. Während Heer dafür plädierte, dass sich der Staat bei diesem Thema zurückhalten müsse und nicht ordnungspolitisch eingreifen solle, erläuterte Peters, dass es aus seiner Sicht mehr Sinn mache, Tarifverträge für Branchen und Regionen auszuhandeln.

Naturgemäß schieden sich die Geister auch bei der Frage nach Managergehältern. Der Moraltheologe Schallenberg wies darauf hin, dass vor allem bei diesem Thema „gefühlte Gerechtigkeit“ eine wichtige Rolle spiele und dass es besonders stark emotional besetzt sei. Übermäßig hohe Managergehälter, Abfindungen oder „goldener Handschlag“ lehnt er ab. Aber eine Deckelung der Spitzengehälter, wie sie jetzt in der Schweiz von der Bevölkerungsmehrheit abgelehnt wurde, wies Martin Peters zurück mit dem Argument: Wenn ein Unternehmen einen Manager mit bestimmten Fähigkeiten und Reputation sucht, der eine große Verantwortung für ein Unternehmen übernimmt, „dann muss man einen bestimmten Lohn bezahlen“.

Besonders schwer taten sich die Podiumsteilnehmer mit der Frage nach einem „gerechten Lohn“. Einigkeit bestand darin, dass Löhne dann eher als gerecht empfunden werden, wenn sie transparent sind. Für Sehrbrock ist ein entscheidendes Kriterium, dass Löhne verhandelt werden – „und das haben die Tarifpartner früher ganz gut gemacht“, meinte sie. Für Schallenberg ist wichtig, dass Menschen von ihrem Lohn leben können, dass Lohn nicht als „Almosen“ empfunden wird. Und Martin Peters wählte zur Definition von gerechtem Lohn den Umweg über das Gegenteil: „Ungerecht sind Werkverträge und Zeitarbeit, wenn sie von Unternehmen nicht genutzt wird, um zeitweilig flexibel zu bleiben, sondern um billige Arbeitskräfte zu haben.“

Gerechten Lohn in Zusammenhang mit Produktivität zu bringen, ist schwierig, auch das war Konsens – und als Beispiel dafür wurden Berufe angeführt, die mit „Dienst am Menschen“ zu tun haben, beispielsweise Erzieher oder Altenpfleger. Die Frage von deren Entlohnung sei ein gesellschaftliches Problem, betonte Sehrbrock.

Das Schlusswort gehörte Bischof Wiesemann. Für ihn sind wichtige Schlüsselbegriffe in der Debatte um Löhne Vertrauen, soziales Bewusstsein und Engagement. „Jedem das Seine, nicht das Gleiche“ sei ein wichtiger Grundsatz. Er spürt die Ängste und Sorgen der Menschen und verlangt, dass die Schere zwischen den Einkommen der Menschen nicht so groß werden darf, „dass der Eine den Anderen nicht mehr versteht“. Für Bischof Wiesemann ist Vertrauen das Kapital, das wachsen muss. Die Sozialpartnerschaft in Deutschland, die eine lange und gute Tradition hat, und die bestehende Wertegemeinschaft sei ein wichtiges und tragfähiges Fundament für gelingendes Wirtschaften.

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