Über 100 Teilnehmende: Riesige Resonanz auf den Aktionstag „Couragiert gegen Rassismus“

Mit Poetry Slam gegen rechtes Gedankengut

110 Jugendliche haben am inzwischen vierten Aktionstag „Couragiert gegen Rassismus“ im Heinrich-Pesch-Haus (HPH) teilgenommen.  Es hätten noch mehr sein können: Rund 170 Anmeldungen gingen ein. „Das ist bemerkenswert für die Veranstaltung“, sagt Kai Stenull, Jugendbildungsreferent im HPH, „aber auch ein Zeichen dafür, dass das Thema immer wichtiger wird – Stichwort Chemnitz.“

Ein breites Spektrum an Workshops, aus denen die Jugendlichen ab 16 Jahren zwei auswählen konnten, bot Informationen, aber auch viele praktische Hinweise und Trainingsmöglichkeiten, auf Alltagsrassismus zu reagieren. Möglich wurde dieses breite Workshopangebot durch Kooperationspartner wie den Rat für Kriminalitätsverhütung in Ludwigshafen am Rhein (KrimiRat), das Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in RLP, den DGB Region Vorder-und Südpfalz, den Verein medien+bildung.com, die Landeszentrale für politische Bildung und das Innenministerium Rheinland-Pfalz.

„Wir gehen von einem weiten Verständnis von Rassismus aus. Rassismus beginnt schon mit der Sprache oder kleinen Handlungen im Alltag, und nicht erst, wenn man einer geschlossenen „Rassentheorie“ anhängt.“, betonte Bildungsreferent Stenull im Vorfeld. Diese Sichtweise vertritt auch Pirmin Weisser. Der Lehrer für Deutsch, Ethik und Gesellschaftslehre ist mit einer zehnten Klasse der Ernst-Reuter-Schule ins HPH gekommen und besucht interessiert die Workshops, an denen seine Schüler/Innen teilnehmen. „Unsere Klassen sind alle gemischt, wir haben Menschen aus vielen Kulturen. Da sind rassistische Sprüche – auch wenn sie scherzhaft gemeint sind – schnell ein Thema.“

In einem Workshop ging es um „rechte Musik“. Lennart Lafaire vom Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus, berichtet von vielen interessierten Nachfragen und Diskussionen in diesem Workshop und der Erkenntnis der Jugendlichen, dass es bei den Texten verschiedener Gruppen Grauzonen gibt zwischen eindeutig und unterschwellig rechtem Gedankengut. „Eine rechte Szene gibt es in allen Musikstilen“, weiß er. Viele dieser Musikstücke sind indiziert „und trotzdem überall verfügbar.“ Die Jugendlichen waren entsetzt, als sie erfuhren, dass Rechtsrock ein Millionengeschäft ist: „Da werden deutschlandweit richtige große Konzerte gespielt“, so Lafaire.

Eine „rechtsextreme Szene“ in Ludwigshafen ist vorhanden, weiß Lafaire, „zur Zeit aber etwas ruhiger“. Das sei keineswegs ein Anlass zur Beruhigung, warnt er. „Das Mobilisierungspotenzial der Rechten in der Region ist groß, und sie sind super vernetzt“, warnt er. Aber auf der anderen Seite seien die Akteure, die sich gemeinsam gegen Rassismus und rechtes Gedankengut engagieren, auch gut aufeinander eingespielt und der Informationsfluss untereinander ebenfalls sehr gut.

Der Aktionstag wird von Jahr zu Jahr neu konzipiert, sagt Verena von Hornhardt, Geschäftsführerin des KrimiRats. Denn die rechtsextreme Szene und das, was gerade „in“ ist, verändert sich. Im Konzept verankert ist aber immer ein Highlight. In diesem Jahr war das der Poetry Slammer Philip Seiler. Auch er gestaltete einen Workshop, in dem er mit Jugendlichen je eigene Texte zum Thema „Respekt“ erarbeitete und die Ergebnisse stellten drei Mädchen zum Abschluss auch auf der großen Bühne vor.

Auch bei den anderen Angeboten ging es durchaus kreativ zu, etwa beim Theaterworkshop oder beim Argumentationstraining. Kai Stenull hofft, dass der Tag für die Jugendlichen hilfreich war, dass sie sich künftig differenziert eine Meinung zu dem bilden können, was sie wahrnehmen. Der Tag sollte ihnen Anregungen geben, was sie selbst gegen Alltagsrassismus tun und wo sie sich vernetzen können. Und er freut sich, dass einige der Teilnehmenden jetzt schon aktiv sind, sei es in der schulischen Arbeitsgruppe „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ oder anderen Organisationen.

Das Bild zeigt den Poetry Slammer Philip Seiler und HPH-Bildungsreferent Kai Stenull.

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