„Hengsbach fragt nach….“ beim Gesundheitsökonomen Professor Wille

Missstände im Gesundheitswesen angesprochen

„Gesundheit ist keine Ware“, für dieses Gut können Prinzipien von Markt und Wettbewerb nur begrenzt angewendet werden. Darüber wollten in der Reihe „Hengsbach fragt nach“ Dr. Ulrich Schneider und Prof. Dr. Eberhard Wille diskutieren. Doch Orkan Niklas durchkreuzte diesen Plan.
Schneider saß am Nachmittag fiebernd in Berlin und überlegte, ob er fliegen oder mit der Bahn sollte. Am Ende ging beides nicht. Deshalb wechselte Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ die Rolle: Vom Moderator wurde er zum Gesprächspartner von Prof. Wille, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitssystem.
Der Sozialethiker Hengsbach stellte kritischen Fragen und beklagte die öffentlich bekannten Missstände und unbefriedigende Behandlung von Patienten in den Wartezimmern der niedergelassenen Fachärzte und in den großen Krankenhäusern. Dort haben der Wettbewerb mit anderen Kliniken und die betriebswirtschaftliche Kalkulation insbesondere bei den Pflegefachkräften mehr Arbeit und massiven Zeitdruck ausgelöst haben. Gesundheit sei nicht nur ein privates Gut und eine Ware wie jede andere, betonte Hengsbach. Sie dürfe auch nicht ausschließlich der medizinisch-technischen Behandlung durch die Gruppe der Ärzte und Ärztinnen überlassen bleiben.
Prof. Wille ging sehr einfühlsam auf zahlreiche kritische Fragen ein. Er stellte seine umfassende Kompetenz unter Beweis, als er Defizite einräumte, die auszuräumen seien. Insbesondere kritisierte er die zu geringe öffentliche Wertschätzung und Bezahlung von Pflegekräften und Therapeuten. Er verglich  das gegenwärtige Abrechnungssystem mit dem früheren – beides habe Vorteile und Nachteile. Er ordnete die einzelnen, noch offenen Fragen in einen großen komplexen Zusammenhang: Am „System“ sind Kunden, Versicherte, Ärzte, ambulante und stationäre Einrichtungen, Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen, Pharmakonzerne,  Medizintechnik sowie staatliche Aufsicht und öffentliche Finanzierung durch den Bund und die Länder beteiligt.
Die Kritik am Wettbewerb sollte sich daher von der Gegenüberstellung „Markt – Staat“ lösen und anerkennen, dass Wettbewerbselemente sowohl auf dem Gesundheitsmarkt, als auch in der öffentlichen Planung und in den Verhandlungen der kollektiven Verbände vorkommen.

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