Lange Nacht mit Geschichten im Park

Schon zum dritten Mal hat zum Ende des Erzählfests der Park des Heinrich Pesch Hauses für eine Nacht voller Geschichten seine Pforten geöffnet. Nachdem die Erzählerinnen und Erzähler eine Woche lang große und kleine Menschen in der ganzen Metropolregion Rhein-Neckar mit ihren Geschichten bereicherten, kamen sie zum Erzählfinale alle nach Ludwigshafen. Im Gepäck: Geschichten östlich der Sonne und westlich des Mondes.

Viel Raum für Fantasie

„Das Erzählen lebt von Sprechen und Zuhören und weckt Bilder bei den Zuhörenden — auch bei Erwachsenen“ begrüßte Ulrike Gentner, Direktorin Bildung des HPH, die rund 250 Teilnehmenden. Gerade in unserer sich ständig verändernden Welt sei es wichtig, Momente des Innehaltens und Staunens, der Reflexion und Inspiration zu haben. Nur so könnten sich schöpferische Kräfte entfalten. „Geschichten – die älteste Form der Weitergabe von Weisheit, Wissen und Werten der Menschheit – öffnen neue Horizonte“, sagte sie und griff damit das Motto des Abends „Hinter dem Horizont“ auf: „Horizont ist da, wo sich Himmel und Erde berühren.“

Denn nur, wer über den Tellerrand schaut, kann Neues entdecken. „Die Fantasie wird viel Raum bekommen“, versprach Susanne Tiggemann den 250 Teilnehmenden. Sie ist zusammen mit Selma Scheele für die künstlerische Gestaltung des Erzählfests verantwortlich. Und Susanne Tiggemann hatte nicht zu viel versprochen. Das wurde schon in der ersten Geschichte deutlich, die alle sechs Erzählerinnen und Erzähler des Abends zusammen erzählten.

Fünf blinde Wissenschaftler und ein Elefant

Während hinter ihnen die Sonne unterging, erzählten Susanne Tiggemann, Maria Carmela Marinelli, Selma Scheel, Heike Vigl, Thomas Hoffmeister-Höfener und André Wülfing die Geschichte von den fünf blinden Wissenschaftlern und dem Elefanten. Nacheinander betasteten sie das große Objekt, das zwischen ihnen und der Sonne stand. Dabei kamen sie zu erstaunlichen Ergebnissen: Der Rüssel wurde zu einem Feuerwehrschlauch, der Schwanz zu einer Klobürste und die Ohren zu einem Teppich. Als schließlich ein Zirkusdirektor vorbeikam und sich erkundigte, ob ein Elefant vorbeigekommen wäre, verneinten alle vehement. „Das ist die reine Wahrheit“, bekräftigten die Wissenschaftler und verdeutlichten damit, wie sehr die Wahrnehmung der Realität von der eigenen Perspektive geprägt ist.

Hinter dem Horizont

Danach hatten die Teilnehmenden die Qual der Wahl: Gleich an vier Stellen im Park luden die Erzählerinnen und Erzähler zu Reisen in die Welt der Fantasie ein. Die Zuhörenden lernten zum Beispiel, wie Tag und Nacht entstanden. Oder erfuhren, wie es einem Bayer gelang, an Petrus vorbei in den Himmel zu kommen. Es war immer wieder faszinierend, wie es den Künstlerinnen und Künstlern gelang, aktuelle politische Bezüge, Geräusche aus dem Park und Bemerkungen der Zuhörenden in ihre Geschichten einzubeziehen.

Magisches Leuchten

Für eine besondere Atmosphäre in der Langen Nacht sorgte der aufwendig illuminierte Park des Heinrich Pesch Hauses. Er zog alle Gäste in seinen Bann und bot der Langen Nacht eine ganz besondere Kulisse. Denn Geschichten unter alten Bäumen oder mit Blick auf ein Lagerfeuer zu lauschen, verzaubert auch Erwachsene. Die Lichtkünstler Wolfgang Sturm und Sandra Jasper zeigten im Lichtkunst-Pavillon, dass sich auch mit Licht Geschichten erzählen lassen. Mit Taschenlampen malten sie in Windeseile Figuren in die Nacht. Das Ergebnis waren Fotos, auf denen die Teilnehmenden zu Hexen, Engeln und Teufeln oder Reiterinnen wurden. „So etwas habe ich ja noch nie gesehen“, wunderte sich eine Besucherin und bestellte bei Wolfgang Sturm und Sandra Jasper „ganz viele Herzen um mich und meinen Sohn“.


Das VIII. Internationale Erzählfest wurde vom Heinrich Pesch Haus, Ludwigshafen, veranstaltet und von der BASF SE und der Heinrich-Pesch-Stiftung unterstützt.

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