Für Professor Pesch ist der Glaube ein Geschenk und erfordert eine Entscheidung

Kann der Glaube Berge versetzen?

Ist Glaube eine Gabe Gottes oder eine Entscheidung der Menschen? Das ist eine der Fragen, die Brigitte Deiters an Prof. Dr. Otto Hermann Pesch nach dessen Vortrag im Heinrich Pesch Haus stellte.

„Beides“, lautet seine Antwort.  Die gesamte theologische Tradition sage aus, dass der Glaube ein Geschenk sei. „Jedem Menschen wird das Angebot gemacht, dass er von einem liebenden Gott gehalten wird, der etwas mit ihm vorhat“, so der Theologe.

Danach erst komme die Entscheidung, ob ein Mensch diesen Glauben annehmen will. Aber die Entscheidung komme in den seltensten Fällen plötzlich, nach dem Motto: Ab jetzt glaube ich. Vielmehr wachse man als Mensch in diesen Glauben hinein und frage sich: Will ich dabei bleiben, oder gebe ich den Glauben auf?

Was rät Professor Pesch einem Menschen, der fragt: „Ich will glauben, aber ich weiß nicht, wie das geht?“ – „Wer schon so weit ist, der wird sich auch auf den Weg machen“, ist er überzeugt. Den Glauben eigenmächtig  lernen oder einüben – das sei nicht möglich. Aber Pesch erhofft sich von Menschen, die ihren Glauben suchen, dass sie sich informieren, dass sie Argumente für ihren Glauben suchen und erkennen, dass er nicht der Vernunft widerspricht. Fragen, hinterfragen, diskutieren, auch „in der Fülle guter Literatur“ lesen – all das könne zum Glauben führen, ist er überzeugt: „Ich erwarte als erstes, dass ein Mensch sich informiert und sich nicht mit Gewäsch abspeisen lässt“, sagt er deutlich.

Ein glaubender Mensch, so erklärt er weiter, „ist nicht davon entpflichtet, sein Leben anzuschauen und anzupacken“. Kann der Glaube Berge versetzen?, ist eine weitere Frage an den Theologen. „Im Sinne einer Umgestaltung der Schöpfung?“, fragt er zurück, und verneint diese Frage: „Das kann nur Gott möglich machen“. Aber im übertragenen Sinne könne der Glauben tatsächlich Berge versetzen und das unmöglich Geglaubte möglich werden lassen: „Wer glaubt und Gott an seiner Seite hat, der kann auch verzweifelte Situationen ertragen, großes Leid bewältigen und alltägliche Strapazen meistern.“

Was auch immer geschieht, führt er weiter aus, „hinter all dem Leiden der Welt steht ein Gott“. Aber: Wird dieser Gott es auch richten, oder muss ich mich als Gläubiger damit nicht abfinden? Diese Art von Glauben, davon ist Professor Pesch überzeugt, erfordert auch ein bestimmtes Handeln, bei dem es nicht gleichgültig ist, wie der Mensch sich verhält: „Dann wird es zur Grundposition eines jeden Handelns, dass jeder Mensch einmalig und von Gott gewollt ist“, fordert er.

Und welche Bedeutung kommt der Kirche in dieser Denkweise zu? „Auftrag der Kirche ist es, die Nachricht von Jesus und seiner Bedeutung für den Glauben an Gott wachzuhalten, denn ohne die Kirche wüssten wir nichts von Jesus.“ Er ist froh um die Zahl der Gläubigen trotz aller Kritik an der Kirche und ihrer Probleme: „Das zeigt, dass es immer genug Menschen gab und gibt, die von Jesus wissen und es weitersagen.“ Sie im Glauben und in der Kirche zu halten, erfordere Diskussion und Information – nicht Zwang oder Gewohnheit.

„Glaube und Zugehörigkeit zur Kirche ist immer eine Sache, über die diskutiert werden muss“, fordert er. Die Ausstellung zum Glaubensbekenntnis: glaube-komm.de, die das HPH noch bis 31. Januar zeigt, vermittelt hierbei aus seiner Sicht gute Informationen und genügend Diskussionsstoff. Und für UIrike Gentner, stellvertretende Direktorin, gehört zum Glauben auch das Bekennen: „ein verbindliches Sich-Äußern innerhalb der Glaubensgemeinschaft und nach außen“, fügt sie hinzu.

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