Religion und Spiritualität: Im Spannungsfeld von mystischer Erfahrung und Auseinandersetzung mit der Wissenschaft

Im Meditationskurs das „Göttliche“ in sich selbst erfahren

„Erkenne, wer du bist: du bist göttlich!“ So der Titel eines Meditationskurses des HPH in der Reihe „Spiritualität und Glaube“, zu dem sich fast 40 Menschen angemeldet hatten. Es waren ganz unterschiedliche Menschen, so Pater Gangolf Schüßler SJ, der den Wochenendkurs leitete. Eines aber eint sie alle: „Eine große Sehnsucht nach einer wirklich spirituellen Erfahrung.“
Referent war Dr. Sebastian Painadath SJ aus Indien, der in seiner Heimat 1987 den Sameeksha-Ashram gründete. Der Name: Sameeksha – »ganzheitliche Schau« – steht programmatisch für die Arbeit des Zentrums: Mit diesem spirituellen Zentrum verfolgt P. Painadath das Ziel einer ganzheitlichen Spiritualität und tritt ein für einen respektierenden, kritischen und bereichernden Dialog zwischen den Religionen. Diese Offenheit macht er in seinem Ashram unter anderem deutlich durch die Gestaltung des Meditationsraums: In der Mitte befindet sich eine brennende Öllampe und ein Altar mit den Heiligen Büchern der Religionen.
In Deutschland ist P. Painadath kein Unbekannter, auch im HPH hat er schon mehrfach Meditationskurse gegeben. Diesmal gestaltete er das Wochenende in einer Mischung aus Vorträgen und Phasen der Meditation. Für die Vorträge griff er auf Texte der Kirchenväter zurück, aber auch auf hinduistische Texte und solche der islamischen Mystik. All diese Schriften verbindet, so Painadath, dass ihre Autoren die Erfahrung gemacht haben, im  tiefsten Kern ihres Selbst mit Gott verbunden und von Gottes Geist bewegt zu sein.  „Ich bin der Weinstock, Ihr seid die Reben; Ich bin das Meer, Ihr seid die Wellen; Ich bin das Feuer, Ihr seid die Flammen.“ Diese Sätze erhielten durch Pater Sebastian einen neuen und tiefen Sinn.
„Bei der Meditation geht es auch um eine Auseinandersetzung mit mir selbst, mit dem, was mich begrenzt, mit den dunklen Seiten meines Lebens, mit Neid, Eifersucht oder der Sorge, nicht gut genug zu sein“, betont P. Schüßler. Ohne Auseinandersetzung mit sich selbst und ohne diese Anstrengung gäbe es aber auch nicht die andere Erfahrung: das Vertrauen und die Freude mit der eigenen göttlichen Seele in Kontakt zu kommen, den eigenen Glauben neu zu vertiefen und ein befreites, glückliches Leben führen zu können. Nicht umsonst sind viele Teilnehmer des Wochenendes im Alter von rund 50 Jahren, in einer Lebensphase, die häufig mit dem Begriff „Sinnsuche“ überschrieben ist.
Eine Vertiefung des Glaubens ist natürlich nicht durch ein Wochenende allein möglich, betont P. Schüßler, sondern erfordert weitere Übung – welche Form der Übung, das muss jeder Teilnehmende für sich selbst entscheiden; doch das HPH bietet auch dafür Möglichkeiten an, etwa eine Einführung in das Herzensgebet, Bildbetrachtung oder  Zen-Meditation.
„Mystik als Lebenskunst“ ist ein Schwerpunktthema im HPH-Bildungsbereich „Religion und Spiritualität“. Auch den anderen Schwerpunktbereich „Religion und Moderne“ betreut P. Schüßler. Zwei konträre Fragestellungen? Nein, meint P. Schüßler:  In der Mystik gehe es zentral um die Frage, wie der Mensch Gott in seinem Leben erfahren kann, im anderen Bereich darum, wie man verantwortet seinen eigenen Glauben angesichts wissenschaftlicher Erkenntnisse leben kann. Im Wesentlichen aber, so betont P. Schüßler, gehe es darum, mit dem eigenen Herzen in Berührung zu kommen und Freude am Glauben zu spüren.

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