„Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen der Familiensynode“ mit Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff

Hoffnung auf Betonung der „guten Seelsorge“

94 Punkte umfasst das Abschlussdokument der Bischofssynode in Rom, die im Oktober unter dem Titel „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ stattfand. „Das Abschlussdokument hat nur eine beratende Funktion für den Papst. Daraus soll noch ein nach-synodales Schreiben entstehen, das noch vor Ostern angekündigt ist“, erklärt Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff.

Der Inhaber des Lehrstuhls für Moraltheologie an der Universität Freiburg war zu einem Vortrag mit Diskussion ins HPH gekommen. „Und jetzt…? – Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen der Familiensynode“ war Titel der Veranstaltung.

In seinem Vortrag sprach Schockenhoff von einem Perspektivwechsel, d.h. weg von naturrechtlichen Begründungen, bei denen man normativ das heraus liest, was man zuvor schon in den Naturbegriff eingeschrieben hat, hin zu einer von der Erfahrung geleiteten Sicht. Die Synode hat vor-eheliche Beziehungen, homosexuelle Partnerschaften und die vielen Umbrüche im Familienbild nicht pauschal verurteilt. Er erinnerte an den vorgeschalteten Fragebogen, der nicht das Ziel hatte festzustellen, was die kirchliche Lehre ist, sondern es ging erst einmal um die Erhebung und Wahrnehmung.

Im Anschluss an die Veranstaltung sprach Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des HPH, mit Prof. Schockenhoff.

Ulrike Gentner: Was war das Neue an der Familiensynode?

Eberhard Schockenhoff: Neu war erst einmal, dass die Bischöfe wirklich kontrovers miteinander gesprochen haben, und dass die Fragen von Ehe und Familie von den unterschiedlichen Hintergründen ihrer Diözesen aus diskutiert wurden –  also auch die Vielfalt der katholischen Kirche in der sogenannten globalisierten Welt hervorgetreten ist. Es war der ausdrückliche Wunsch von Papst Franziskus, dass es so etwas wie eine Streitkultur in der Kirche gab. Auch wurde das Prinzip der Synodalität wieder ernst genommen im Bewusstsein, dass der Papst nicht alleine die Kirche führt und leitet. Als Bischof von Rom ist er ja auch Mitglied des Weltepiskopats, des Kollegiums der Bischöfe. Deshalb hat er ausdrücklich um ihren Rat gebeten. Die Bischöfe sollten untereinander debattieren und ihre Erfahrungen ganz bewusst ihm anbieten.

Deshalb hat man auch versucht, im Anfang nicht einfach etwas aus der Bibel oder dem Naturrecht abzuleiten oder von dogmatischen kirchlichen Vorstellungen. Sondern man wollte die Erfahrungen der Gläubigen, die Ehe und Familie leben, befragen. Man hat einen Fragekatalog an sie gesandt und versucht, die Erfahrungen weltweit, die die Familien machen, darzulegen. Dieses erste analytische Eingangskapitel – das gab es so in einem lehramtlichen Dokument vorher noch nicht.

Ulrike Gentner: Sie sprachen in Ihrem Vortrag auch von einem „Durchbruch“. Was macht Hoffnung?
Eberhard Schockenhoff: Hoffnung macht für mich, dass zum ersten Mal seit langem das Verhältnis zwischen Orts-, und Welt- und Universalkirche wieder ins Lot gebracht wurde. Dass diese zentralistische Verengung, die wir in den letzten Jahren hatten – in der nach-konziliaren Entwicklung -aufgebrochen ist. Hoffnung macht auch, dass zum ersten Mal das Prinzip jeder guten Seelsorge, dass der einzelne Mensch im Vordergrund stehen muss, zum Durchbruch kam. Man soll also dem Einzelnen gerecht werden und gut unterscheiden und muss  ein Gespür bekommen für die Ansprüche der einzelnen Menschen.

Diese Unterscheidung der Geister, das ist ein altes Prinzip des Jesuitenordens, das jetzt auch von einem guten Seelsorger erwartet wird. Er ist also nicht zuerst derjenige, der die Lehre der Kirche dem Einzelnen gegenüber zu vertreten hat, sondern der mit ihm seine Situation beurteilen lernen muss, sie im Licht des Evangeliums deuten soll und der dann mit den betreffenden Menschen in ihrer vielleicht komplexen und schwierigen Lebenssituation nach einer tragfähigen und guten Lösung suchen soll.

Ulrike Gentner: Vielen Dank für das Gespräch!

03.02.2016

  • << Nov 2020 >>
    MDMDFSS
    26 27 28 29 30 31 1
    2 3 4 5 6 7 8
    9 10 11 12 13 14 15
    16 17 18 19 20 21 22
    23 24 25 26 27 28 29
    30 1 2 3 4 5 6
  • Initiative Transparente Zivilgesellschaft

    transparente_zivilgesellschaftpngSelbstverpflichtungserklärung (SVE) der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ) >>mehr erfahren
  • Mahlze!t LU

      Seit dem 6. April bietet das Heinrich Pesch Haus jeden Tag eine warme Mahlzeit für bedürftige Menschen an. Da mit diesem Angebot aber Familien nicht erreicht werden, macht sich Mahlze!t LU nun auf den Weg >> erfahren Sie mehr
  • Ihr Klick bewirkt Gutes!

    Wenn Sie uns einfach und unkompliziert unterstützen wollen, dann können Sie das künftig über die beiden Portale „Schulengel“ und „Gooding“ tun. Bei beiden handelt es sich um ein Spendennetzwerk, dem sich viele Versandhändler angeschlossen haben. Die daran beteiligten Unternehmen zahlen für jeden Einkauf eine Provision – in unserem Fall für unsere Familienbildung im Heinrich Pesch Haus.