Gratulation zu 50 Jahre Katholische Erwachsenenbildung Bistum Speyer

Glaube und Bildung als „spannendes Paar“

Seit 50 Jahren unterstützt die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Bistum Speyer Menschen bei der Sinnsuche, Glaubensfindung und bietet Orientierung im Leben. Die Feier zum runden Jubiläum war kein Schwelgen in Erinnerungen. Vielmehr stand die Frage im Mittelpunkt, was eine konfessionelle Erwachsenenbildung in der Gegenwart und Zukunft leisten kann, wie sie die Menschen erreicht, eine Brücke zwischen Kirche und Gesellschaft schlagen kann, ihren Platz in der Gesellschaft behaupten und bei wichtigen gesellschaftlichen Fragen mitreden kann.
50 Jahre Katholische Erwachsenenbildung Diözese Speyer: Auch das HPH gratuliert. Wir bedanken uns herzlich für die gute Zusammenarbeit und großartige Unterstützung. Alles Gute für die zukünftigen Herausforderungen!

Rückblick: Bereits in den fünfziger Jahren startete die Erwachsenenbildungsarbeit, Auftakt war unter anderem in Kaiserslautern. Sechs Jahre später wurden das Katholische Bildungswerk im heutigen Saarpfalz-Kreis und die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung im Saarland gegründet. Ein Delegierter vertrat die Diözese Speyer in diesem Gremium. 1964 erfolgte schließlich die Gründung – damals noch unter dem Namen „Katholisches Bildungswerk des Bistums Speyer“.

Ein festlicher Gottesdienst mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann bildete den Auftakt der Feier am Freitagabend im Priesterseminar. In seiner Predigt dankte er allen, die sich über 50 Jahre engagiert haben. Er bezeichnete die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum als „klein, aber fein“. Sie lebe aus Leidenschaft. Bischof Wiesemann erinnerte an die Zeit vor 50 Jahren. Damals – wie heute – sei Bildung ein wesentlicher Begriff. Vor einem halben Jahrhundert galt es, ein Bildungsdefizit der Katholiken zu beseitigen, denn „ohne Bildung keine Zukunft“, machte Wiesemann deutlich. Er erinnerte an das Zweite Vatikanische Konzil, das aufrüttelte und eine Kirche forderte, die sich auf der Höhe der Zeit bewegt und bei wichtigen gesellschaftlichen Fragen mitredet.

Heute bilden Glaube und Bildung laut Wiesemann „ein spannendes Paar“. „Braucht Glaube Bildung, um domestiziert zu werden, um ihn gesellschaftsfähig, dialogfähig zu machen?“, fragte er, um anschließend zu begründen, warum aus dem Glauben selbst der Wunsch nach Bildung wächst. „Der tiefe Glaube stellt Fragen, er verlangt selbst nach Bildung“, stellte der Bischof fest. „Der gelebte Glaube wird zur Frage.“ Aus dem Glauben heraus entstehe der Wunsch, Wahrheit zu suchen.

An die Worte des Bischofs knüpfte Thomas Sartingen, bischöflicher Beauftragter für die Erwachsenenbildung im Bistum Speyer, an. Anfang der 60er Jahre war die Erwachsenenbildung noch im Aufbau, wie er aus der Bistumszeitung „Der Pilger“ zitierte. „Die Welt von heute erfordert einen ganz anderen Einsatz von Menschen und Mitteln“, weiter hieß es dort, katholische Christen hätten die Pflicht, eine eigene Bildungsinstitution aufzubauen. „Die Aussage aus dem Jahr 1964 hat nichts an Aktualität verloren“, betonte Sartingen.

Die Chancen und Herausforderungen der Katholischen Erwachsenenbildung stellte Professor Ralph Bergold, Direktor des Katholisch-Sozialen Instituts in Bad Honnef, ins Zentrum seines Vortrags. Kirchliche Erwachsenenbildung befinde sich an der Schnittstelle zwischen Kirche und Welt, zwischen Kirche und Gesellschaft, sagte er. Sie sei die Kontaktstelle zwischen Kirche und den Menschen. Er nannte die Erwachsenenbildung einen Fühler und Sinnesorgan, denn mit ihrer Hilfe könne Kirche die Gesellschaft mitgestalten – und andersherum, gesellschaftliche Entwicklungen aufnehmen, die für die Kirche wichtig sind. Eine Kirche, die den Dialog sucht, müsse sich den Herausforderungen des heutigen Lebens stellen und sich nicht davor verschließen. Er forderte, dass Kirche sich erneuern müsse und gleichzeitig das Ursprüngliche bewahren solle. Bergold sieht Erwachsenenbildung hierbei als wichtiges Instrument. „In der Bildungsarbeit und Auseinandersetzung mit den Lebenswelten der Erwachsenen wird der Glaube in neue Kontexte gestellt.“

„Wachbleiben, dranbleiben“, nannte auch Domdekan und Leiter des Bildungsbereichs im bischöflichen Ordinariat Dr. Christoph Kohl die künftigen Herausforderungen der KEB. Sie könne Empfangsräume schaffen, Eintrittstore in die Kirche bieten, müsse mitmischen, etwa bei der aktuellen Diskussion zur Sterbehilfe. „Wir müssen uns als katholische Kirche einbringen, ein Forum für die Gesellschaft bieten“, forderte Kohl in der Gesprächsrunde unter dem Titel „Kirche und Staat – Verantwortung für Bildung“.
Rainer Christ vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium lobte die Katholische Erwachsenenbildung als kompetent, professionell, verlässlich und kooperativ. Er machte deutlich, dass Bildung nicht nur auf berufliche Qualifikation ziele, sondern weitere Lebensbereiche umfasst. „Ein solcher Bildungsbegriff kann nur umgesetzt werden, wenn gesellschaftliche Akteure eine Rolle übernehmen.“ Konfessionelle Bildungsanbieter könnten unter anderem Grundwissen über Religion vermitteln. Er warb dafür, mit dem Land bei aktuellen Bildungsaufgaben zu kooperieren, z.B. Menschen mit geringer Bildung zu unterstützen bzw. zu integrieren und ihnen beim Lesen- und Schreibenlernen zu helfen.

Elisabeth Vanderheiden, Vorsitzende der KEB Deutschland, sieht vor allem den Neuzuschnitt der Pfarreien als große Herausforderung – auch für die Erwachsenenbildung. „Dadurch wird sich die ehrenamtliche Basis grundlegend verändern.“ Auch werde eine gute Kommunikation zwischen den Regionen immer wichtiger, da auch bei der KEB aus Kostengründen Personal wegfällt. „Ein größeres Netzwerk, mehr gegenseitige Unterstützung“ wünscht sich Vanderheiden.

Wie Katholische Erwachsenenbildung praktisch aussieht, erklärten Akteure aus der Diözese, deren Stimmen in kleinen Filmen zu Wort kamen. Sie zeigten auf, wie vielfältig die KEB ist, aber auch, wo die Probleme liegen. Gefragt seien interkulturelle und Gesundheitsthemen, Bildungsreisen oder Orientierungshilfen, erklärten die Ehrenamtlichen. Nachgelassen habe die Nachfrage nach religiösen Themen. Für die Zukunft gelte, Kooperationspartner zu gewinnen und Angebote für junge Menschen zu entwickeln.

Text und Fotos: Bistum Speyer / Yvette Wagner

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