Stimmungsvoller Beginn der Adventszeit

Geschichten bei Kerzenschein: Wahnsinn, weise Worte und Wein

Glühwein, Kinderpunsch und Gebäck, dazu Kerzen und Tannengrün: Am ersten Advent ist in der Aula des Heinrich-Pesch-Hauses mit der traditionellen Veranstaltung „Geschichten bei Kerzenschein“ die Vorweihnachtszeit eingeläutet worden. Der Geschichtenerzähler André Wülfing und das Musikerduo TRAZZ sorgten für eine heiter-besinnliche Auszeit in der hektischen Vorweihnachtszeit.
Über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zu der adventlichen Veranstaltung gekommen – so viel wie noch nie. Ein Zeichen, dass die Kombination aus Musik und Geschichten ankommt. „Advent ist die Zeit des Wartens“, begrüßte Pater Tobias Zimmermann SJ, der Direktor des Heinrich Pesch Hauses, die Gäste. Und mit was lässt es sich die Zeit des Wartens besser vertreiben als mit Geschichten? „Warum hören und erzählen wir Geschichten – und besonders in der vorweihnachtlichen Zeit?“, fragte Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des HPH, um dann gleich die Antwort zu geben: „Weil manchmal die Antworten auf menschliche Erfahrungen im Schatz der Geschichten verborgen sind.“

Erzählender Botschafter aus dem Ruhrgebiet

Wie vielfältig die menschlichen Erfahrungen sein können, zeigte dann André Wülfing mit seinen Geschichten. Er verstand seine Geschichten als Geschenk für die Zuhörenden. Der „erzählende Botschafter aus dem Ruhrgebiet“ hatte für den ersten Teil des Abends eine „Geschichten-Karawane“ aus der Wüste mitgebracht, wie sie in den Zelten der Nomaden erzählt werden. Da ging es zum Beispiel um den Wert von Gastfreundschaft. Ein armer Mann beherbergt einen Reiter, der sich als König entpuppt und den Armen als Dank in seinen Palast einlädt.

Auch das vergeht

Die Teilnehmenden lernten in einer weiteren Geschichte Benaiah, den treuen Ratgeber und Freund des Königs Salomon, kennen. Der König ist traurig, frustriert, und überzeugt, dass er es nicht wert ist, seinen Ring der Macht zu tragen. Benjana macht sich daraufhin auf den Weg, um weise Worte zu sammeln, die dem König helfen sollen. Nachdem er Unmengen an Weisheiten gesammelt hatte, verbarg Benjana alle Aufzeichnungen in einer Höhle am Toten Meer. „Er war überzeugt, dass alle Worte dem König nicht helfen könnten, weil es viel zu viele waren“, sagte André Wülfing. So kehrte Benjan mit leeren Händen an den Königshof zurück. In der letzten Nacht verriet ihm dann der Wind die Lösung: „Auch das vergeht“ flüsterte der Wind in einem Baumhain. „Das stimmt, das sind die Worte, die ich Salomon bringen muss. Diese Worte trösten“, zitierte Wülfing die Erkenntnis Benjanas. Auch das vergeht – weise Worte und eine menschliche Erfahrung, die bis heute gültig sind.

König Merlot VII. und der Wasser-Wein

Sehr menschlich dann auch die erste Geschichte im zweiten Teil des Abends: Sie führte die Teilnehmenden aus der Wüste in ein Weinanbaugebiet, in das „Königreichlein“ von König Merlot VII. Der Herrscher will seinen Untertanen Gutes tun und erlässt ihnen die Steuern. Als einzige Abgabe fordert er von jedem einen Liter seinen besten Weins in ein großes Fass zu leeren. Bei der großen Fassfeier kommen dann tatsächlich alle 15.000 Familien und leeren jeweils einen Krug in das Fass aus. Als der König schließlich probiert, staunt er nicht schlecht: Der Wein ist farblos, ohne Geschmack – es ist reines Wasser. „Deine Untertanen sind Menschen“, erklärt der älteste Minister dem König – jeder hat gedacht: Wenn ich Wasser bringe, merkt es bei 15.000 Litern niemand …

Rund wie eine Pampelmuse aus Mäusespeck

Die besten Geschichten, so Wülfing, findet man in der nächsten Umgebung. So nahm er die Teilnehmenden mit in seine Kindheit. Die Zuhörenden lernten seinen Cousin Marco kennen, „rund wie eine Pampelmuse aus Mäusespeck“, und den Sportlehrer Kreft, der Marco beim Schwimmunterricht demütigte. Wülfing entführte die Zuhörenden in die Phantasiewelt von Marco, in dem dieser zu einem gefürchteten Piratenkapitän wurde und den Lehrer schließlich allein auf einem Beiboot in den Weiten des Meeres aussetzte.

Wahnsinn und Liebe

Ein schönes Geschenk war auch die Geschichte aus einer Zeit, in der es noch keine Menschen auf dem Planeten, aber Gefühle und Seelenzustände gab. Wülfing erzählte von dem „Tag, an dem der Wahnsinn Geburtstag hatte“ und zum Versteckspiel einlud. Der Wahnsinn sucht die Gefühle, Charaktereigenschaften und findet sie alle – nur die Liebe nicht. „Und seit dem Tage, als erstmals Verstecken auf der Erde gespielt wurde, ist der Wahnsinn der ständige Begleiter der Liebe.“

Musik als Rahmen

Die Musiker Herbert Adam und Roland Wenz begeisterten mit ihren jazzig vorgetragenen Weihnachtsstücken – teils als Medley gespielt – die Zuhörenden. Die Lieder waren für Wülfings heitere und besinnliche Geschichten der perfekte Rahmen.

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