Schüler tauschen im Planspiel Argumente zur Flüchtlings- und Migrationsthematik aus

„Flüchtlinge sollen Kontakt zur Bevölkerung bekommen“

„Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es besser ist, die Flüchtlinge nicht in abgeschirmten Flüchtlingsheimen unterzubringen. Dort lernen sie keine anderen Menschen kennen und bekommen keinen Kontakt zur Bevölkerung.“ Das sagt der Bürgermeister von Stocklitz, einer fiktiven Stadt in Ostdeutschland. Der Bürgermeister heißt Lukas Zell und ist eigentlich Schüler der Integrierten Gesamtschule Ludwigshafen-Oggersheim (IGSLO). Sein Leistungskurs Sozialkunde war jetzt im Heinrich Pesch Haus und nahm dort an einem Planspiel der Organisation CRISP e.V. teil.
CRISP organisiert Seminare, Weiterbildungen und Workshops im Bereich der zivilen Konfliktbearbeitung und der politischen Bildung. In dem Planspiel übernehmen die Teilnehmenden eine Rolle und setzen sich interagierend und spielerisch mit einem bestimmten Problem auseinander. Ziel der jeweiligen Personen ist es, die Anderen von den eigenen Ansichten zu überzeugen, damit der Stadtrat am Ende zu einer Entscheidung über den Bau eines Flüchtlingsheimes kommt.
Beim Planspiel im HPH nahmen die beiden Leistungskurse Sozialkunde und Erdkunde teil. Neben Vertretern von einzelnen Parteien gab es auch „Journalisten“, die den Prozess der Entscheidungsfindung begleiteten und darüber berichteten – entweder für den fiktiven „Stocklitzer Tagesspiegel“ oder eine Boulevardzeitung. „Viele Argumente, die die Leute genannt haben, waren schon bekannt“, meinen die beiden „Journalisten“ Alina Schellenberger und Felix Kaiser. Während die Einen mit menschlichen Werten, sozialem Engagement und Solidarität argumentierten, warfen andere Themen in die Waagschale wie Konkurrenz um Arbeitsplätze oder Wohnungen sowie Angst vor mehr Kriminalität.
Am Ende entschied der Stadtrat, dass die Flüchtlinge in Wohnungen einziehen sollen, die aufgrund des Wegzugs von Familien aus der strukturschwachen Gegend ohnehin leer stehen. Ziel eines solchen Planspiels ist es, dass Jugendliche einen „umfassenden Einblick in die Flüchtlings- und Migrationsthematik erhalten“, sagt Projektmitarbeiterin Mona Hinrichs, die den Workshop leitete.
Am Nachmittag waren daher auch Kommunalpolitiker eingeladen, sich mit den Jugendlichen auseinanderzusetzen – eine Einladung, die Dr. Peter Übel (CDU) und Georgios Vassiliadis (SPD) gerne annahmen. Sie erläuterten kurz die Fakten für Ludwigshafen: rund 700 Flüchtlinge, die in diesem Jahr in Ludwigshafen erwartet werden, der fehlende Wohnraum sowie die hohe Verschuldung der Stadt, die es schwierig macht, für soziale Betreuung oder auch Integrationsmaßnahmen zu sorgen. Manches war den Jugendlichen neu oder musste erst wieder bewusst gemacht werden, und manches hinterfragten sie kritisch, etwa das Niveau der Sprachkurse oder die lange Zeit, bis geeignete Unterkünfte gefunden, renoviert oder gebaut werden.
Auch Kai Stenull, im HPH unter anderem für den Bereich Politische Jugendbildung verantwortlich, war von der Veranstaltung überzeugt: „Bei der Methode „Planspiel“ machen die meisten Jugendlichen begeistert mit. Und im Planspiel SIMigration beschäftigen sich die Teilnehmenden nicht nur theoretisch mit Migration und Flucht – sie entwickeln und diskutieren auch eigene Lösungsvorschläge.“

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