Ferdinande-Boxberger-Preis für Ignatianische Pädagogik erstmals verliehen

Erstmals ist in diesem Jahr der Ferdinande-Boxberger-Preis für Ignatianische Pädagogik verliehen worden. Die Preisträger sind Prof. James Arthur, Direktor des Jubilee Centre an der Universität Birmingham, und Julius de Gruyter, Kai Lanz und Jan Wilhelm, die die Anti-Mobbing-App „exclamo!“ entwickelt haben. Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Preis ist am Freitag, 27. September 2019, im Rahmen der „Tage der Ignatianischen Pädagogik“ im Heinrich Pesch Haus (HPH) verliehen worden.

Die Namensgeberin des Preises

Mit dem Preis erinnert der Stifter des Preises, Friedrich Wilhelm Krekeler aus Bonn-Bad Godesberg, an seine Mutter, Ferdinande Boxberger (1914–2014), und bringt die dankbare Verbundenheit seiner Familie mit der Ignatianischen Pädagogik zum Ausdruck. Als selbstbewusste Persönlichkeit bewahrte die kosmopolitisch-jüdisch verwurzelte Sauerländerin in den tektonischen Erschütterungen und Umbrüchen ihrer Jahrhundertexistenz Stolz und Würde.
„Persönlichkeitsbildung ist keine akademische Angelegenheit. Dafür steht in geradezu exemplarischer Weise der Name dieses Preises“, sagte Pater Johannes Siebner SJ, Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten, der die Preisverleihung vornahm. Denn Ferdinande Boxberger sei eine Frau gewesen, „die in ihrer Familie in vorbildlicher Weise für Charakterbildung stand.“ Der Ausspruch Alfred Delps „Wer nicht den Mut hat, Geschichte zu machen, der wird ihr armes Opfer. Lasst uns tun!“ gelte auch für die Namensgeberin des Preises und ihr Leben. Die Devise der lebensbejahenden, Neuem gegenüber aufgeschlossenen und Fremden zugewandten Unternehmerin sei gewesen: Immer Herrin der Lage werden, niemals Opfer der Verhältnisse.

Der Ferdinande-Boxberger-Preis

Der Ferdinande-Boxberger-Preis ist zweigeteilt: „Wir ehren einerseits die Lebensleistung von Personen, die sich in vorbildlicher Weise für Persönlichkeitsbildung im Sinne Ignatianischer Pädagogik eingesetzt haben. Und wir wollen durch den Preis Leuchtturmprojekte an den Schulen Ignatianischer Pädagogik fördern, die in besonderer Weise für die Ziele unserer Pädagogik stehen“, sagte Pater Johannes Siebner SJ, Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten. Gute Pädagogik brauche reflektiertes Handeln, engagierte Persönlichkeiten und herausragende Initiativen. Der Preis sei für Personen und Gruppe gedacht, die sich das Motto von Alfred Delp zu eigen gemacht haben: Lasst uns tun.

Die Preisträger:
Prof. Dr. James Arthur – Jubilee Centre, Universität Birmingham

James Arthur ist stellvertretender Pro-Vize-Kanzler für Personal und Professor für Bildung und bürgerschaftliches Engagement an der Universität von Birmingham. 2012 gründete er das Jubilee Centre for Charakter and Virtues. Dieses Institut der Universität Birmingham entwirft in Zusammenarbeit von Pädagogen, Philosophen und Psychologen konkrete Modelle der Charakterbildung für Schulen und erforscht die Wirksamkeit unterschiedlicher Konzepte. Hintergrund dieser Bemühungen bilden einerseits das klassische, aristotelische Modell der Tugendethik, und andererseits moderne entwicklungspsychologische Modelle wie die positive Psychologie. Das Zentrum unterstützt mit seiner wissenschaftlichen Arbeit die Arbeit der Schulen vor Ort, um die Qualität der Schulbildung, die Schulentwicklung konkreter Schulen und die Fortbildung von Lehrkräften vorwärts zu bringen.
„Das Jubilee Centre ist ein Glücksfall für unsere Ignatianischen Schulen“, dankte Johannes Siebner dem Preisträger. Das am HPH beheimatete Zentrum für Ignatianische Pädagogik (ZIP) und das Jubilee Centre seien gute Partner geworden. „Dadurch hat unsere Arbeit am ZIP eine großartige Dynamik und große Weite bekommen“, sagte Siebner. Mit James Arthur werde „ein Pionier der Pädagogik“ zum ersten Preisträger des Ferdinande-Boxberger-Preises.
„Wir wollen die Menschen durch Tugenden menschlicher machen“, sagte Arthur, „Tugenden, die helfen, den Charakter junger Menschen zu formen.“ Die Arbeit des Jubilee Centre stelle die Gemeinschaft, die Gesellschaft und das Individuum in der Gesellschaft in den Mittelpunkt. „Unser Ziel ist es, dass Menschen über andere nachdenken und an den Nächsten denken. Wenn man es schafft, dass Menschen so denken, verbessert man die Gesellschaft – und die Menschen. Beide sind wichtig“, erläuterte er.

Anti-Mobbing-App „exclamo!“ vom Canisisus Colleg in Berlin

Drei Abiturienten des Canisius Collegs in Berlin – Julius de Gruyter, Kai Lanz und Jan Wilhelm – haben im Rahmen eines Schulprojektes „business@school“ mit Boston consulting die Anti-Mobbing App „exclamo!“ (lateinisch für Aufschrei) entwickelt. Mit ihrer Hilfe können sich gemobbte Schülerinnen und Schüler über Hilfeangebote orientieren. „Die App gibt Infos, damit Betroffene verstehen, dass nicht sie das Problem sind, sondern der Mobber. Und sie ermutigt zum Handeln“, sagte der Provinzial. „Gewalt muss nicht hingenommen werden“, betonte er.

Die App ist für beide aktuellen Betriebssysteme von Smartphones nutzbar und steht auch Lehrpersonen zur Verfügung, um sich über das Thema Mobbing zu informieren. Um einen Missbrauch der App auszuschließen, kann sie nur von beteiligten Schulen genutzt werden. Zur App gehört eine Webseite, die über den Nutzen und Gebrauch der App informiert. Die Preisträger verstehen „Exclamo!“ als Präventionsarbeit gegen Mobbing. „Die Initiative ‚exclamo‘ der Schüler am Canisius-Kolleg zeigt, wie man die Möglichkeiten der digitalen Welt konstruktiv einsetzen kann. Genau das ist ganz im Sinne meiner Mutter, und so verstehe ich persönlich auch das jesuitische Erziehungsziel, das darauf ausgerichtet ist, den jungen Menschen mit intellektueller, emotionaler und sozialer Kompetenz so auszustatten, dass er fähig wird, selber Herr der Lage zu sein und nicht Opfer der Verhältnisse zu werden,“ würdigt Friedrich-Wilhelm Krekeler die Preisträger.

In Vertretung für die drei Schüler nahm die stellvertretende Schulleiterin Susanne Dinkelborg den Preis entgegen. „Den Preisträgern ist es wichtig, die moderne Technik zu nutzen, um die Hemmschwelle für Schüler, die von Mobbing betroffen sind, möglichst niedrig zu setzen“, sagte sie.

 

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