Pater Bernd Hagenkord SJ auf die Frage: „Was will Franziskus eigentlich?- Er bringt alles durcheinander!“

„Eine Sehnsucht von Religion, wie sie sein sollte“

„Macht Unruhe“ – diese Aufforderung von  Papst Franziskus sorgt selbst für Unruhe. Pater Bernd Hagenkord SJ, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan und damit  Sprecher des Papstes, versuchte bei einem Vortrag im Heinrich Pesch Haus zu erklären, wie der Ausspruch zu verstehen sei.
Drei Aspekte zählte er auf, wie Papst Franziskus diese Unruhe versteht: Nach zwei Jahren fragen die Menschen immer noch: Was will dieser Papst überhaupt – wo will er hin, was will er erreichen? Diese Unsicherheit versetze die Menschen weltweit in Unruhe. Dabei, davon ist Hagenkord überzeugt, geht es nicht um ein konkretes Ziel, sondern um einen Prozess der Veränderung, den der Papst anstoßen möchte.
Ein zweiter Aspekt: Franziskus ist ein südamerikanischer Papst, er ist davon geprägt, wie in seiner Heimat Verkündigung stattfindet, „und er hat die Sorge, dass es Menschen gibt, die nichts von Jesus Christus wissen“, so der Jesuit und Journalist. Unruhe in den europäischen Kirchen entsteht durch diesen Auftrag, wonach die Menschen „freudige Verkünder“ sein sollen und „leben, was sie glauben“. Das, so Hagenkord, „sind wir hier so nicht gewohnt.“ Und das sei auch ein anderer Auftrag an die Kirche.
Und schließlich wolle der Papst Unruhe in den Menschen auslösen, durch seine griffigen Formulierungen. „Wir sollen uns fragen, wo Gott steckt, wo mein nächster Ort ist, um Gott zu suchen und zu finden.“ Hagenkord spannte den Bogen zurück zu seiner Eingangsfrage, was dieser Papst wolle, und zur Kritik: „Du bringst alles durcheinander!“ Ja, würde Franziskus wohl darauf antworten, „und das ist gut so.“
Eigentlich wollte Hagenkord über die neue Enzyklika sprechen, die in diesem Jahr erscheinen wird – aber noch nicht erschienen ist. Was genau in dieser Programmschrift stehen wird, darüber kann auch der Journalist nur spekulieren, auch wenn er weiß, dass viele Impulse aus allen Teilen der Welt aufgegriffen wurden. Hagenkord zitiert aus anderen Schriften und Äußerungen und ist überzeugt, dass Franziskus die Beziehung des Menschen zu seiner „Mitwelt“ – nicht „Umwelt“ – in den Blick nehmen wird und verlangt, dass dies in Bezug auf Gott geschieht. In der Sorge um andere Menschen und die Schöpfung verlange der Papst eine enge Beziehung zwischen Mensch und Gott, „damit wir nicht nur um uns selbst kreisen.“
Die Begeisterung der Zuhörer im HPH für Papst Franziskus ist groß: Er habe mehr erreicht und bewegt als viele seiner Vorgänger, sagen sie. Sie loben seine deutlichen Worte zu Krieg und Ungerechtigkeit sowie zu den Zuständen im Vatikan.
In einigen Fragen spürt Hagenkord aber auch die Ungeduld der Menschen, die große Erwartungen an Papst Franziskus haben. „Diese Ungeduld und Spannung ist schwer auszuhalten“, räumt er ein. In Bezug auf die Familiensynode weiß er genau, „dass da viel Dampf ist im Kessel“. Aber er erinnert auch daran, dass die Fragen der deutschen Christen um die Zukunft von Familie nicht deckungsgleich ist mit Fragen der Christen weltweit: „In anderen Ländern geht es nicht um die Frage von wiederverheirateten Geschiedenen, da sind die größten Familienkiller Flucht, Vertreibung und Hunger.“ Und er ist überzeugt: „In vielen Fragen wird sich etwas bewegen, aber nicht heute oder morgen.“
Ganz persönlich wird der Jesuit am Ende seines Vortrags und der Gesprächsrunde, wenn er davon spricht, was für ihn Franziskus bereits bewirkt hat: „Er weckt in mir eine Sehnsucht von Religion, wie sie sein sollte.“ Als „größte Erbschaft“ dieses Pontifikats sieht er die Aufforderung an die Menschen, „Jesus Christus ins Zentrum zu rücken und neu zu entdecken.“
Auch Pater Johann Spermann SJ, Direktor des HPH, brachte seine Haltung zu Papst Franziskus auf einen Nenner und lobte: „Dieser Papst treibt uns aus der Komfortzone, und das finde ich gut.“

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