Fünf Jahre Papst Franziskus: „In den Mühen der Ebene angekommen“

„Der Papst ist im Ton schärfer geworden“

Die weltweite Berichterstattung über fünf Jahre Pontifikat von Papst Franziskus „war mehr ein Rückblick als ein Ausblick“, so Pater Bernd Hagenkord SJ. Zu Recht, so der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von „vatican news“, kann man daher fragen: „Kommt da noch was? Oder hat der Papst sein Pulver verschossen?“

Mit seiner alltagstauglichen Sprache gelang es dem Referenten an diesem Abend im Heinrich Pesch Haus, die rund 100 Zuhörenden in die Denkweise von Papst Franziskus einzuführen. Seinen Ausführungen konnten sie gut folgen – und eine Idee davon bekommen, wie Papst Franziskus sowohl über die Weltkirche als auch über den „Zustand“ der katholischen Kirche in Deutschland und im Bistum Speyer denkt.

„Vieles, was der Papst in den vergangenen fünf Jahren gesagt und gefordert hat, ist längst noch nicht ausdiskutiert“, wiederholte Pater Hagenkord, was er auch schon in einem Interview mit dem HPH gesagt hatte. Er verwies auf die drei großen Enzykliken, die der Papst zwischen November 2013 und April 2016 geschrieben hat.

„Das erste Papstjahr war fulminant“, so der Journalist Hagenkord – sehr zur Freude auch der Medien. „In „Evangelii gaudium“ hat Papst Franziskus aufgeschrieben, was er will, wo er mit seiner Kirche hin will.“ In „Laudato si“ habe er eine ökologische Umkehr gefordert, zum globalen Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen, aber auch sehr deutlich gemacht, „dass alles mit allem zusammenhängt.“ „Amoris laetitia“ war das Schreiben, in dem Franziskus mehr Barmherzigkeit in der Anwendung der kirchlichen Morallehre und mehr Respekt vor der Gewissensentscheidung des Einzelnen fordert. Er rief das Jahr 2016 zum Jahr der Barmherzigkeit aus.

Das „Projekt“ ist gleich geblieben

„Sein Ton ist schärfer und deutlicher geworden“, findet Hagenkord, und belegt das auch mit Aussagen von Papst Franziskus in der letzten Zeit. Das sei aber auch folgerichtig, denn von Anfang an habe Franziskus klar gemacht, dass es ihm um jeden Einzelnen geht: Schon immer habe er Aufforderungen und Anweisungen geliebt. Sein „Projekt“ sei das gleiche geblieben. Es gehe dem Papst darum, „wie wir als Christen auf dieser Welt leben und mit dieser Welt umgehen.“ Seine Themen seien der christliche Glaube und das christliche Leben, verbunden mit der Frage, wie das gehe mit der Kirche im dritten Jahrtausend.

„Dieser Papst ist vielschichtig, er weckte von Anfang an Erwartungen, und er reitet noch immer auf einer weltweiten Sympathiewelle“, so Hagenkord. Die „Revolution“ und die Forderung: „Macht Unruhe!“, aber auch die Verkündigung der Frohen Botschaft, das alles seien nach wie vor Anliegen des Papstes.

„Mehr Neues“ sei daher nicht zu erwarten, so Hagenkord: „Aber der Mensch lernt durch Wiederholung, nicht durch Variation“, erläuterte er. Zudem brauche die Umsetzung der Vorstellungen von Papst Franziskus viel Zeit: „Wahrscheinlich dauert das mehrere Päpste“. Der Prozess sei schmerzhaft, es gebe dabei Gespräche und auch Widerstände. Hagenkord formulierte das so: „Wir sind in den Mühen der Ebene angekommen. Aber die sind genauso wichtig wie die Inspiration.“

„Alles andere als bequem“

Einige Fragen der Zuhörenden drehten sich auch um die Kirchenaustritte, die Strukturreformen und die großen Seelsorgeeinheiten in Deutschland. Papst Franziskus liebe kreative Formen von Kirche, so ein Hinweis von Pater Hagenkord. Aber für die deutschen Probleme sei keine Lösung aus Rom zu erwarten, und das sei ja eigentlich „eine gute Nachricht“. Und da es in anderen Ländern nicht zu Kirchenaustritten, sondern zu Übertritten komme, müsse sich die katholische Kirche fragen: „Was finden die Menschen dort, was sie bei uns nicht finden?“ – Antwortmöglichkeiten waren: mehr Erlebnis und echte Emotionen, weniger Tradition und Symbolik.

Am Ende des Abends fasste Pater Johann Spermann SJ, Direktor des HPH, seine Eindrücke so zusammen: „Dieser Papst ist nicht autoritär, sondern lässt uns viel Freiheit – und das ist alles andere als bequem.“

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