Auf den christlich-islamischen Gesprächskreis warten noch schwierige Aufgaben

„Der Dialog zwischen den Religionen ist wichtig“

In diesem Jahr feiert der christlich-islamische Gesprächskreis (CIG) in Ludwigshafen sein 20jähriges Bestehen. Grund zu feiern sehen derzeit allerdings nicht alle Verantwortlichen. Jutta Ferdoz Wurstmacher, muslimische Sprecherin des CIG, sagt frustriert: „Seit Jahren engagieren wir uns in diesem Bereich, aber wir bewegen uns nicht groß voran.“ Terroranschläge wie jetzt in Paris, aber auch die Pegida-Bewegung, sagt sie, „werfen uns immer wieder zurück.“  Angesichts dieser Enttäuschung weist Dr. Georg Wenz von der Evangelischen Akademie der Pfalz und evangelischer Sprecher im CIG darauf hin, dass die Aufgaben, die sich aus den Anschlägen ergeben, sehr komplex seien. „Es ist furchtbar, dass jetzt von rechten Gruppierungen und Bewegungen wie Pegida aus den Terroranschlägen Kapital gezogen werden soll. Umgekehrt ist es fantastisch, wie sich alle verantwortlichen Seiten engagieren, um eine pauschale Verurteilung von Muslimen auch nicht ansatzweise aufkommen zu lassen.“ Aber er beobachtet auch das andere Extrem, dass in manchen türkischen Medien versucht werde, „Verschwörungstheorien zu formulieren“, die die schwierige Aufgabe, den Djihadisten den Rekrutisierungsboden zu entziehen, zusätzlich belasten. Gerade muslimisches Engagement gegen den Djihadismus brauche die Rückenstärkung der Gesellschaft und Politik hier als auch unumschränkte Unterstützung aus den Herkunftsländern.
Und schließlich: Die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus sei richtig. Aber sie könne auch schnell zur bloßen Formel werden. Daher gelte es herauszuarbeiten, warum es diesen Massenzulauf zu terroristischen Vereinigungen gibt. Auf die muslimischen Organisationen in Deutschland komme dabei zusätzlich die Aufgabe zu, den Anspruch der Terroristen, „den reinen Islam“ zu vertreten, zu widerlegen. Dies vor allem, um gefährdete Jugendliche von ihrer weiteren Radikalisierung abzubringen.
Pater Gangolf Schüßler SJ ist Bildungsreferent im Heinrich Pesch Haus und dort unter anderem verantwortlich für den Bereich „Religionen und Kulturen im Dialog; außerdem ist er Islambeauftragter der Diözese Speyer und katholischer Sprecher im CIG. Er wünscht sich, dass solche Foren wie der CIG einen größeren Stellenwert und eine stärkere personelle Ausstattung erhalten: „Es ist wichtig, dass wir den Dialog zwischen den beiden Religionen herstellen, damit die Menschen besser verstehen, was nicht bekannt ist, und dass sie in direkten Kontakt kommen.“
Jutta Wurstmacher kann ihre Frustration kaum verbergen: „Ich bin immer wieder erstaunt, dass viele Menschen die simpelsten Dinge nicht wissen, etwa was der Ramadan ist, oder warum Muslime fasten.“ Ihre Theorie: „Die Mehrheit möchte sich nicht mit uns auseinandersetzen.“
Der CIG wurde vor 20 Jahren nach einem Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft in Mannheim gegründet. Damals wie heute setzt er auf Information und Austausch: In monatlichen Treffen, die offen sind für alle Interessierten, beschäftigt er sich mit aktuellen theologischen, spirituellen und gesellschaftlichen Fragen. Neben Diskussionen werden auch kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen und Lesungen oder auch einmal ein gemeinsames Fest durchgeführt.
Wenz ist überzeugt, dass sich in 20 Jahren durchaus viel getan hat. „Wir haben in Ludwigshafen jetzt einen islamischen Religionsunterricht mit einem Lehrplan, der didaktisch und methodisch top ist und mit auf eine Initiative des CIG zurückgeht.“ Durch viel Hintergrundarbeit, etwa in Fragen von Schulabschlüssen oder der Ausbildungsförderung sei das Bewusstsein für Bildung in den vergangenen Jahren geschärft worden. Ebenso habe man für die dringend notwendige Medienkompetenz bei Jugendlichen sensibilisieren können oder sich intensiv mit Medienethik anhand der Darstellung des Islams beschäftigt.
Wenz erinnert auch an die Brandkatastrophe in Ludwigshafen vor einigen Jahren: „Da waren wir vom CIG eine ganze Woche lang vor Ort und ansprechbar.“ In der Folge hat der CIG sein Bildungsprogramm für einige Zeit umgestellt auf ein Begegnungsangebot. In diesem Sinn ist auch die Feier zum 20jährigen Bestehen am 04. Oktober in Form eines Familientages gedacht.
Immer wieder lädt der CIG Akteure und namhafte Referenten ein. Er setzt aber auch auf die eigenen Kompetenzen. Beispielswiese treffen sich Christen und Muslime zweimal im Jahr und studieren gemeinsam Bibel und Koran. Sie erkunden Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Schriften.
In der HPH-Reihe „Religion und Moderne“ am Montag, 09.03.2015, gibt es eine Abendveranstaltung mit dem Titel „Passen Islam und Moderne zusammen?“ Sie bietet einen Einblick in die Diskussionen, die heute unter Muslimen geführt werden. Die Referentin Prof. Rotraud Wielandt ist Mitglied der Päpstlicher Päpstlichen Kommission für religiöse Beziehungen zu den Muslimen.
Weitere Informationen zum CIG erteilt P. Gangolf Schüßler SJ, Tel. 0621-5999-165 oder schuessler@hph.kirche.org
Foto: © mrivserg/shutterstock.com

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