Umgang mit einem Sterbewunsch: Voraussetzung ist eine gute Kommunikation

… das Schicksal des Anderen zu achten

„Man erlebt es immer wieder in Sterbebegleitungen, dass Patienten sagen, sie wollen ‚erlöst‘ werden. Ich kann das nachvollziehen, aber mir fehlen die richtigen Worte. Und was rechtlich erlaubt und nicht erlaubt ist, weiß ich eigentlich auch nicht ganz genau.“ So oder ähnlich formulierten die 20 Teilnehmenden ihre Erwartungen bei der Veranstaltung „Ich kann und will nicht mehr“ mit Jan Gramm.

Die Nachfrage war nach diesem Workshop war so groß, dass er am Freitag, 27.10.2017, noch einmal im Heinrich Pesch Haus angeboten wird.

Der Referent Jan Gramm arbeitet seit 2006 als Psychologe im Palliativbereich, nachdem er zuvor zwei Jahre lang als ehrenamtlicher Hospizbegleiter tätig gewesen war. Er ist unter anderem Dozent in der Weiterbildung Palliativmedizin für Ärzte, Mitherausgeber des Buchs „Psychologie und Palliative Care“ sowie Gründer und – zusammen mit Dr. Daniel Berthold – Geschäftsführer des Instituts für Palliativpsychologie.

Jan Gramm erinnert sich gut an die gesellschaftlichen und politischen Diskussionen im Vorfeld der Gesetzgebung zur Sterbehilfe: „Da saßen gut ausgebildete Juristen, Mediziner und Ethiker auf den Podien“, sagt Gramm. Vermisst habe er eine gut moderierte Kommunikation zur alles entscheidenden Frage: „Was steht hinter dem Sterbewunsch eines Menschen?“

Genau diese Frage beschäftigte auch die Teilnehmenden – unter ihnen eine Ärztin auf einer Palliativstation, Mitarbeitende einer psycho-onkologischen Beratung, Ehrenamtliche eines Hospizdienstes. Sie haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht mit Menschen mit einem Sterbewunsch. Eine Teilnehmende ist davon überzeugt, dass es nicht immer eine direkte Korrelation zwischen Erkrankung und dem Wunsch „nach Erlösung“ gibt: „Ich kenne alte Menschen, die sagen: Ich bin des Lebens satt, und andere, die bis zuletzt – trotz Schmerzen und einer begrenzen Lebenserwartung  – am Leben hängen.“

Manche Seminarteilnehmer wollen vorbereitet sein, wenn ein Patient an sie mit dem Sterbewunsch herantritt, andere haben das schon erlebt und sagen: „Ich hatte kein gutes Gefühl, so wie ich mich verhalten habe.“ Ein Teilnehmer hat für sich die Entscheidung getroffen: „Gott hat uns einen freien Willen gegeben“  – und das erleichtert ihm persönlich den Umgang mit Patienten, die sterben wollen.

Jan Gramm beantwortete im Laufe des Tages viele Fragen. Besonders interessiert waren die Teilnehmenden an den aktuellen gesetzlichen Regelungen in Verbindung mit einer Selbsttötung.

Vor dem Hintergrund der neuesten Erkenntnisse aus der Sterbewunsch-Forschung ging die Gruppe dann der Frage nach, welchen Unterschied es zwischen einem Sterbewunsch und einem konkreten Sterbewille gibt. Es sei sehr wichtig, erklärte Jan Gramm, diesen zu kennen, um angemessen reagieren zu können. Viele Menschen, die einen Sterbewunsch äußerten, wollten nämlich leben, „aber nicht so“.

„Und es ist wichtig, selbst gut im Leben verankert zu sein, um Sterbende gut begleiten zu können“, sagte Jan Gramm- Und manchmal  gäbe es Situationen, in denen es besser ist, einfach nur da zu sein und nichts zu tun. Das Schicksal des Anderen zu achten, auch darin liege viel Würde.

Obwohl das Thema des Workshops ein sehr schweres war, gingen die Teilnehmenden gestärkt für ihre weitere Arbeit aus diesem Tag.

Foto ©: Birgit Meid-Kappner und Jan Gramm

brid / 01.03.2017

  • << Dez 2020 >>
    MDMDFSS
    30 1 2 3 4 5 6
    7 8 9 10 11 12 13
    14 15 16 17 18 19 20
    21 22 23 24 25 26 27
    28 29 30 31 1 2 3
  • Initiative Transparente Zivilgesellschaft

    transparente_zivilgesellschaftpngSelbstverpflichtungserklärung (SVE) der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ) >>mehr erfahren
  • Mahlze!t LU

      Seit dem 6. April bietet das Heinrich Pesch Haus jeden Tag eine warme Mahlzeit für bedürftige Menschen an. Da mit diesem Angebot aber Familien nicht erreicht werden, macht sich Mahlze!t LU nun auf den Weg >> erfahren Sie mehr
  • Ihr Klick bewirkt Gutes!

    Wenn Sie uns einfach und unkompliziert unterstützen wollen, dann können Sie das künftig über die beiden Portale „Schulengel“ und „Gooding“ tun. Bei beiden handelt es sich um ein Spendennetzwerk, dem sich viele Versandhändler angeschlossen haben. Die daran beteiligten Unternehmen zahlen für jeden Einkauf eine Provision – in unserem Fall für unsere Familienbildung im Heinrich Pesch Haus.