Aktionstag für Jugendliche im HPH

Couragiert gegen Rassismus

Rund 100 Jugendliche haben am 19. November am Aktionstag „Couragiert gegen Rassismus“ im Heinrich Pesch Haus teilgenommen. In acht Workshops konnten sich die 16- bis 25-Jährigen mit Diskriminierung, Rechtsextremismus und Rassismus auseinandersetzen.
Die Teilnehmenden – Schüler_innen von fünf Ludwigshafener Schulen und Multiplikator_innen der Jugendbildung – konnten unter acht Workshops wählen. „Die Workshops sollen die Schülerinnen und Schüler motivieren, sich mit extremistischen und diskriminierenden Strukturen auseinanderzusetzen, eine kritische Haltung hierzu zu entwickeln und sich für eine weltoffene Gesellschaft stark zu machen“, sagte Philipp Wagner. Der Referent für politische Jugendbildung am HPH leitete den Aktionstag.

Codes und Symbole

In den Workshops ging es zum Beispiel um Neonazis in der Region und Codes und Symbole der rechten Szene. „Der Hitler-Gruß ist illegal und verboten“, sagte Tilo Dornbusch vom Sportkreis Mannheim. Ebenso der Spruch „Blut und Ehre“, die Losung der Hitlerjugend. Bei Zahlencodes hingegen braucht man schon Insiderwissen, um dahinter rechtsextreme Positionen zu erkennen.

Rassismus ist Schubladendenken

Die Teilnehmenden konnten lernen, wie man gegen Ausgrenzung und Rassismus argumentiert oder couragiert handelt. „Hattet ihr schon mal mit Rassismus oder Vorurteilen zu tun?“, wollte Lennart Lafaire vom Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz von den Jugendlichen wissen. In seinem Workshop, den er zusammen mit Rüdiger Stein, Geschäftsführer des DGB, leitete, ging es um Argumentieren gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. In dem geschützten Rahmen der Kleingruppe berichteten die Teilnehmenden von eigenen Erfahrungen. Typische Auslöser für „dumme Sprüche“ waren etwa die Haarfarbe, das Kopftuch oder auch die dunkle Hautfarbe. „Rassismus ist Schubladendenken“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt. „Genau, und jeder macht das. Wir alle haben Vorurteile“, sagte Lafaire. Wichtig sei nur, sich nicht von ihnen leiten zu lassen. Und wie begegnet man nun Vorurteilen im Alltag? Die Teilnehmenden entwickelten verschiedene Lösungsansätze: mit Fakten, also argumentativ, mit Humor oder mit Ironie.

Diskriminierung hat viele Gesichter

Ganz ähnliche Inhalte hatte der Workshop „Du willst mich diskriminieren? Vergiss es!“, den Markus Hartmann von medien+bildung.com leitete. Sexismus, Homophobie die Abwertung von Obdachlosen, Behinderten und Asylbewerbern oder Islamfeindlichkeit und Rassismus – alles sind Formen von Diskriminierung. Wie schnell jede/r von uns Menschen in eine Schublade steckt, zeigte dann eine Übung. Anhand eines Fotos von einem stark tätowierten Mann sollten die Teilnehmenden sagen, wie die Person auf sie wirkt, welche Eigenschaften sie hat und welchen Beruf sie ausübt. Während einige die Eigenschaften nicht anhand eines Fotos beurteilen mochten, waren sich bei dem möglichen Berufen alle einig: Tätowierer, Security-Bereich oder Fitness-Trainer. Die Auflösung: Der Mann ist ein Rechtsanwalt, der sich auf die Tattoo-Szene spezialisiert hat. „Es war eine offene Diskussionsrunde und ein guter Austausch“, zeigte sich ein Teilnehmer begeistert.

Was tun in Notsituationen?

Ganz praktische Tipps gab es im Workshop „Couragiertes Handeln“. Die Teilnehmenden stellten mit den Workshop-Leiter_innen vom Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC) eine Liste von Möglichkeiten auf, wie man am besten bei Problemen in der Öffentlichkeit eingreifen kann. „Die Idee, nicht nur den Angreifer anzusprechen, sondern den Angegriffenen aus der Situation herauszuholen, hat mich weitergebracht“, sagte eine Teilnehmerin bei der abschließenden Präsentation der Workshop-Ergebnisse.
Ein Poetry Slam bildete den Abschluss des Aktionstags. Bevor Phlip Seiler als „Phriedrich Chiller“ auftrat, lasen drei Teilnehmende ihre Texte zum Thema Couragiert gegen Rassismus vor, die am Vormittag im Workshop „Poetry Slam“ entstanden waren.

Escape Game #DemoEx

In einem Seminarraum wartete ein komplett eingerichtetes Jugendzimmer auf die Jugendlichen. Josefine Appel und Niklas Kühnberger, freie Mitarbeitende der Jugendbildung im HPH, boten dort den Workshop „Escape Game #DemoEx“ an. Die Teilnehmenden erlebten, wie ein junger Mensch auf der Suche nach Orientierung an das falsche Vorbild gerät und innerhalb kürzester Zeit von einer Ideologie überzeugt wird. Das Besondere am Escape Game: Die Teilnehmenden werden in die Geschichte einbezogen, setzen sich mit Positionen auseinander und lösen Rätsel, um im Spielverlauf weiter zu kommen. So können sie den Radikalisierungsprozess interaktiv nachvollziehen. Eine gemeinsame Reflexion, in der vor allem das Entgegenwirken gegen radikale Strukturen im Mittelpunkt stand, rundete den Workshop ab.

Der Aktionstag: Infos und Hintergrund

Das Heinrich Pesch Haus veranstaltet den Aktionstag jeweils in Kooperation mit dem Rat für Kriminalitätsverhütung und verschiedenen Akteuren aus der Region. Er wurde von kommunalen Stellen und der Landeszentrale für politische Bildung Rehinland-Pfalz gefördert. Angesprochen waren Schüler_innen ab 16 Jahren sowie Multiplikator_innen der Jugendbildung. Das Angebot komme „supergut“ an, wie Philipp Wagner berichtete – der Aktionstag war ausgebucht. Der nächste Aktionstag ist im Herbst 2020 geplant.

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