Dr. Matthias Rugel SJ erläutert Hintergründe der Reihe „Mystik als Lebenskunst“

Auf der Suche nach dem, was dem Leben einen Zauber gibt

„Geh und finde Dich selbst – so kannst Du auch mich finden.“ Dieses Zitat des persischen Mystikers Rumi (1207 – 1273) ist im Vorwort des Programmflyers für die Reihe „Mystik als Lebenskunst“ im Heinrich Pesch Haus zu lesen. Für die Zeit von August 2019 bis Januar 2020 sind darin acht unterschiedliche Veranstaltungen zu finden.

Verantwortlich für die Planung ist Dr. Matthias Rugel SJ, Bildungsreferent im HPH. „Ein mystischer Mensch ist für mich ein religiöser Mensch als Individuum. Religiös bedeutet, dass er nach Gott sucht, nach dem, was seinem Leben einen Zauber gibt, über Essen, Schlafen, Arbeiten und all diese Dinge des Alltags hinaus.“

Mystiker sind aktiv, nicht abgehoben

Den Titel „Mystik als Lebenskunst“, den diese Reihe seit sechs Jahren trägt, findet Rugel passend: „Es drückt aus, dass ein Mystiker kein abgehobener Mensch ist, sondern in Wirklichkeit ein sehr aktiver. Spiritualität und Engagement schließen sich nicht aus, im Gegenteil!“

Und so freut sich der Bildungsreferent beispielsweise auf einen Vortrag mit Ullrich Hahn, Präsident des Internationalen Versöhnungsbundes in Deutschland. Anlässlich des 150. Geburtstags von Mahatma Gandhi spricht er über „Gandhi und seine aktive Gewaltlosigkeit“. – „Friedensaktivisten lernen bis heute von ihm und entwickeln seine Ideen weiter“, formuliert es Hahn in seiner Ankündigung für diesen Vortrag am Mittwoch, 02.10.2019.

„Gandhi hat sich mit allen großen Weltreligionen beschäftigt und sie als Quelle von Kraft und aktivem Widerstand genutzt“, heißt es dort weiter. „Gandhi hat sehr asketisch gelebt, er war von Gebet und Meditation geprägt. Das ist heute schwer zu vermitteln. Aber der Versöhnungsbund sagt: Die spirituelle Ausrichtung Gandhis war zentral für sein Wirken. Und das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Mystik als Lebenskunst verstanden werden kann“, so Rugel.

Mystik und Bildung passen zusammen

Mit Hilfe von Lyrik nähert sich der HPH-Bildungsreferent gerne den Fragen des Lebens und Glaubens. Deshalb befasst sich eine weitere Veranstaltung mit Gedichten und Interpretationen des russischen Literaturpreisträgers Czeslaw Milosz, der sich in ausgewählten Gedichten ebenfalls als Mystiker erweist. Der Vortrag mit dem Erwachsenenbildner und Theologen Johannes Kohl findet am Mittwoch, 16.10.2019, statt.

„Uns ist es wichtig zu zeigen, dass Religion nicht Theorie ist, sondern auch Praxis“, betont Rugel. Und deshalb sind Stilleübungen, Singen oder Zen-Meditation schon immer wichtige Bestandteile der Reihe „Mystik als Lebenskunst.“ Diese Übungen, betont er, „sollen keinesfalls funktionalisiert werden in dem Sinne, dass Menschen leistungsfähiger oder konzentrierter werden, sondern sie wirken für sich selbst.“ Zugleich aber ist Rugels tiefe Überzeugung und Erfahrung, dass Menschen, die sich auf diese Einheiten einlassen, „immer einen inneren Mehrwert erhalten.“

„Die Angebote vertiefen das religiöse Leben“, so Rugel weiter. „Sie sprechen Menschen an, die nach Sinn suchen. Sie schulen die Wahrnehmung dafür, was ihnen gut tut und was nicht.“
Für den Jesuiten ist es „das Wertvollste, wenn ein Mensch zu Gott findet.“ Darüber hinaus ist er überzeugt, dass es Aufgabe einer katholischen Akademie ist, auch das religiöse Angebot nach den Menschen auszurichten, ihnen in ihrer Religiosität zu begegnen, ihnen Anstöße zu geben, auf sie zu hören und sie in Austausch zu bringen.

Tiefe Erfahrungen werden möglich

Als „Koryphäe auf seinem Gebiet“ bezeichnet Rugel Niklaus Brantschen SJ. Der Jesuit und autorisierte Zen-Meister bietet am Samstag, 11.01.2020, bis Sonntag, 12.01.2020, ein „Meditationswochenende mit Elementen einer weltoffenen Spiritualität“ an. Er hat es unter den Titel „Stille ist nichts für Feiglinge“ gestellt.

Einerseits, so Brantschen in seiner Ankündigung, werde Stille immer kostbarer, weil in ihr eine Kraft ruhe, „aus der wir neue Erkenntnisse und Energie schöpfen können.“ Andererseits, fügt Rugel hinzu, „haben viele Menschen Angst vor Stille und müssen erst wieder lernen auszuhalten, dass nichts passiert. Aber in der Stille spüren wir einen besonderen Klang in uns, der uns hilft wahrzunehmen, was alles in uns ist.“

An der Reihe „Mystik als Lebenskunst“ wirken aus dem HPH auch Birgit Meid-Kappner und P. Gangolf Schüßler SJ mit. So leitet Pater Schüßler die Gruppe Zen-Meditation, die sich immer dienstags von 19 bis 20.15 Uhr trifft (erstmals nach der Sommerpause wieder am 20.08.2019). Eine Gruppe ganz unterschiedlicher Menschen trifft sich regelmäßig, um gemeinsam im Stil von Za-Zen zu meditieren – dreimal 20 Minuten, unterbrochen jeweils durch eine Gehmeditation. Es sind alle willkommen, auch Übende anderer Wege.

„Mystik als Lebenskunst“ wird in Kooperation mit dem katholischen Stadtdekanat Ludwigshafen und dem Bistum Speyer angeboten. Den Flyer mit allen Veranstaltungen und Informationen dazu finden Sie hier.

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