Neue LER beleuchtet „ärztlich assistierten Suizid“ aus verschiedenen Blickwinkeln

Aktuelles Thema mit Diskussionspotential

„Ärztlich assistierter Suizid. Hilfe beim oder zum Sterben?“ ist das Schwerpunktthema der aktuellen Ludwigshafener Ethischen Rundschau (LER), die jetzt fertiggestellt wurde. Darin haben die Autorinnen und Autoren die Sichtweise der Hospize, der Palliativmedizin und der Ärzteschaft aufgegriffen und durch eine Ethische Fallbesprechung auch die konkrete Handlungsebene beleuchtet.

Das Thema ist hochaktuell: In den vergangenen Tagen und Wochen gab es immer wieder neue Pressemeldungen zur Frage nach dem „assistierten Suizid“. Bereits im Sommer 2012 hat die damalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) im Rahmen der „gewerblich organisierten Sterbehilfe“ einen Gesetzesvorschlag angeregt, der heftig diskutiert wurde, weil er vielen nicht weit genug ging. Die Debatte wurde durch ein „Machtwort der Kanzlerin“ zunächst vertagt.

Der erneute Vorschlag wurde in der Nachfolgeregierung von Herman Gröhe vorgebracht. Doch wieder wurde die Debatte, einer Meldung in der Süddeutschen Zeitung zufolge, auf das Jahr 2015 verlegt. Nun meldete sich der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery zu Wort und forderte aufgrund eines aktuellen Prozesses in Hamburg ein umgehendes Verbot der gewerblich organisierten Sterbehilfe.

Die Themen der aktuellen LER im kurzen Überblick:

Wie unterscheiden sich christliche und nicht-christliche Patientenverfügung? Kurz gesagt orientiert sich die Handreichung zur christlichen Patientenvorsorge, die von den beiden großen christlichen Kirchen herausgegeben wurde, am christlich-biblischen Menschenbild und beruft sich dabei ausdrücklich auf die christliche Ethik. Wenngleich diese Vorlage, unter anderem wegen der für Viele nicht ausreichenden Darstellung der Reichweitenbegrenzung, nicht unumstritten ist, gibt sie doch auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes Orientierung für die Frage nach Leben, Krankheit, Leiden, Sterben und Tod. Der emeritierte Lehrstuhlinhaber für Moraltheologie der Universität Mainz Dr. Johannes Reiter stellt die Informationsbroschüre vor und beleuchtet die Unterschiede zu anderen Formularen insbesondere hinsichtlich der Patientenverfügung.

Die Frage nach ärztlich assistiertem Suizid beleuchtet Dipl.-Theologe Jonas Pavelka, Referent im HPH und Mitherausgeber der LER, aus rechtlicher Sicht und unter dem Blickwinkel des ärztlichen Ethos. Inwiefern würde durch eine Legitimierung des ärztlichen Suizids das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient verletzt, und wron besteht in diesem Zusammenhang der Auslegungskonflikt innerhalb der Ärzteschaft hinsichtlich der grundsätzlichen Aufgabe eines Arztes, Leid zu lindern und Leben zu erhalten?

Dipl.-Theologin Anja Egbers arbeitet als Diözesanreferentin für Hospizarbeit und Trauerpastoral im Bistum Osnabrück. Sie ist auch Palliative Care-Fachkraft. Aktuell begleitet sie aufmerksam die gesellschaftliche Debatte zur organisierten Suizidbeihilfe. Daneben beschäftigt sie sich mit der Entwicklung von Seelsorgekonzepten für den Palliative-Care-Kontext. Die Leitvision, das Anliegen der Hospiz- und Palliativarbeit, fasst sie so zusammen: Sterbenden Menschen zu helfen, in Frieden zu sterben und ihnen bis zuletzt Leben zu ermöglichen – den Tod also weder absichtlich herbeizuführen, noch um jeden Preis zu verhindern. Wichtig ist aus ihrer Sicht dabei, im umfassenden Sinn Schmerzen zu lindern und auf die physischen, psychosozialen und spirituellen Bedürfnisse der Sterbenden einzugehen.

Die Arbeit einer Ethikberatung rund um dieses Thema wird anhand eines Fallbeispiels erläutert. Darin wird die Gratwanderung beleuchtet: Ärzte sind einerseits dem Wunsch nach Leidenslinderung und dem Respekt vor der Autonomie der Patientin verpflichtet und zugleich ihrer Fürsorgepflicht. Was unter Fürsorge verstanden wird, ist innerhalb der Bevölkerung und auch innerhalb der Ärzteschaft jedoch sehr umstritten. Während die Einen den Wunsch zum assistierten Suizid als Ausdruck von Selbstbestimmung achten und unterstützen wollen, lehnen Andere die ausdrücklich mit der Begründung ab, dass Fürsorge ihren Ausdruck in der Begleitung des natürlichen Sterbeprozesses findet. In jedem Fall wird man sich auf einen stets individuellen und respektvollen Umgang mit Menschen und ihrem Wunsch zu sterben einlassen müssen.

Außer diesen Beiträgen nimmt Dr. Klaus Klother Stellung zu einer wissenschaftlichen Studie über die Wünsche und Ängste von Betroffenen, die in der Schweiz durchgeführt wurde. Kaplan Marius Fletschinger versucht aufzuzeigen, was der Glaube an Tröstendem in dieser schweren Situation zu bieten hat. Wie immer bietet die LER auch eine in das Themenfeld passende Rezension.

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