Maria von Welsers Vortrag über Schicksale in den Flüchtlingslagern

„3,6 Millionen Frauen und Kinder nicht alleine lassen“

Themen, die Maria von Welser schon immer beschäftigen, sind Frauen, Kinder und Unrecht. Sie empört sich über Ungerechtigkeit und möchte Not aufdecken. Gleichzeitig sagt sie: „Ich bin und bleibe Journalistin“. Die Kombination aus diesen beiden Selbstbeschreibungen machen ihre Bücher und Vorträge so spannend. Das gilt auch für die Abendveranstaltung mit Maria von Welser im Heinrich Pesch Haus zum Thema „Kein Schutz – nirgends“.

Anlässlich des Internationalen Frauentages organisierten die Gleichstellungsstellen der Stadt Ludwigshafen und des Rhein-Pfalz-Kreises und das Heinrich Pesch Haus gemeinsam diesen Abend. Der Titel Thema „Kein Schutz – nirgends“. Unaufgeregt, dafür umso eindringlicher, mit sehr gut recherchierten Zahlen und Hintergrundinformationen liegt ihr Fokus auf dem Schicksal von 3,6 Millionen Frauen mit Kindern. Sie sind auf ihrer Flucht vor Krieg, Vertreibung und Verfolgung in Flüchtlingslagern in der Türkei, im Libanon oder Jordanien gestrandet und können nicht mehr zurück in die Heimat und auch nicht weiterkommen in ein rettendes europäisches Land.

Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin des HPH, erinnert zu Beginn ihrer Moderation des Abends an die Erfahrung der Schriftstellerin Erika Mann aus ihrem Exil in den USA: »Die Fremde ist herrlich, solange es eine Heimat gibt, die wartet.«

Wo sind die Frauen und Kinder?

Maria von Welser, die von 2008 bis 2014  auch Komiteemitglied von UNICEF Deutschland war, lässt Bilder von Geflüchteten sprechen, die auf der Höhe der „Flüchtlingswelle“ nach Deutschland kamen. Es sind fast ausnahmslos Männer zu sehen, und damals fragte sie sich erstmals: „Wo sind ihre Frauen und Kinder?“ Sie hat sich aufgemacht in die Flüchtlingslager verschiedener Länder. Auf der griechischen Insel Lesbos suchte sie Frauen, sprach mit ihnen und dokumentierte ihre Schicksale und die ihrer Kinder und Familien.

Maria von Welser hat viel erfahren über Fluchtursachen, über Erlebnisse, die die Mütter und ihre Kinder traumatisieren, über Gewalt, Misshandlungen, Macht- und Geldgier. Sie sagt von den Frauen: „Sie sitzen vor ihren Zelten, haben nichts zu tun, keine Perspektive und keine Zukunft.“ Sie erzählt von Kindern in den Lagern, die arbeiten, statt in der Schule zu lernen, und kritisiert: „Da wächst eine lost generation („verlorene Generation“) heran.

Alles, was sie sagt, ist gut recherchiert, da entdeckt man die Journalistin, die ihre Arbeit ernst nimmt. Aber sie bleibt dort nicht stehen, sondern stellt Forderungen auf: „Wir haben die Türkei, den Libanon und Jordanien allein gelassen“, kritisiert sie die internationale Gemeinschaft  – die zwar Gelder für diese Länder in Aussicht gestellt hat, einen Großteil davon aber noch nicht überwiesen habe. Sie fordert den Familiennachzug, nicht zahlenmäßig begrenzt, zum einen aus humanitären Gründen, aber auch, „weil Integration dann besser gelingt.“ – Es ist nicht vorbei“, betont sie im Hinblick darauf, dass die Zahl der ankommenden Flüchtlinge sinkt. „Wir können 3,6 Millionen Frauen und Kinder nicht alleine lassen.“

„Erzählen Sie!“

Aber Maria von Welser belässt es nicht beim Vortrag. Sie will mit den Menschen ins Gespräch kommen. Sie reagiert begeistert und ermutigend, wenn sie vom ehrenamtlichen Engagement der Zuhörenden an diesem Abend hört. „Erzählen Sie!“, fordert sie auf. Und sie hört sehr genau hin, vergleicht mit ihren eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen, gibt Tipps, wirbt für vernetztes Arbeiten und bestärkt die Ehrenamtlichen: „Mit Ihnen ist mir um unser Land nicht bang.“

Die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Ludwigshafen und des Rhein-Pfalz-Kreises, Susanne Diehl  und Heidi Wittmann, sind überzeugt: „Der Vortrag von Maria von Welser hat neue Motivation gegeben, in der Flüchtlingsarbeit weiterzumachen  und gerade die Situation von Frauen und Kindern im Blick zu behalten.“

brid / 14.03.2018

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