Begegnungswochenende für Freunde und Förderer der Jesuiten / Tagung im Juni in Wittenberg

Luther sorgt für lebhafte Diskussion

„So viel Engagement wünschte ich meinem Gemeindepfarrer. Hausbesuche bei den Kommunionkindern! – Das ist bei uns undenkbar!“ Mit Begeisterung reagierte eine Teilnehmerin beim diesjährigen Begegnungswochenende für Freunde, Förderer und Interessierte in Ludwigshafen auf den Erfahrungsbericht von Fabian Loudwin SJ. Pater Loudwin ist seit eineinhalb Jahren Kaplan in St. Ignatius in Frankfurt.

Er hatte Geschichten aus seinem Seelsorgealltag mitgebracht und schilderte teils erstaunliche, teils lustige Situationen aus Gesprächen mit konfessionsverschiedenen Ehepaaren und Eltern. Gelebte Ökumene und die Rolle eines Jesuiten, das war sein Referat beim Treffen von rund 50 Freunden der Jesuiten, das unter dem Motto stand: „Ignatius und Luther: Was sie trennt – was sie eint“. „Da kommen dann plötzlich Fragen, in welcher Konfession ein Kind getauft werden soll“, stellte Loudwin fest, und er beobachtete, sehr häufig seien Kirchenfernstehende oder Konfessionslose sehr offen und auch neugierig auf das, was bei den Katholiken so geboten werde.

In die Thematik der Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei den beiden Ordensleuten Ignatius und Luther führte Pater Ansgar Wucherpfennig SJ aus Sankt Georgen ein. Der Neutestamentler von der Philosophisch-Theologischen Hochschule am Main nahm sich das Freiheitsverständnis der beiden streitbaren Kirchenmänner vor. Interessant war, dass landläufig manche Haltung von Luther oder Ignatius, oft nicht genug im historischen Kontext betrachtet, zu vorschnellen Urteilen führt. Das Fazit: Beide wollten eine Reform, eine Erneuerung der Kirche. Der Unterschied: Luther wollte eine Erneuerung von außen, Ignatius von innen.

Dr. Christoph Picker von der evangelischen Akademie der Pfalz war aufgefordert, als evangelischer Theologe die Lehre des Ignatius von Loyola unter die Lupe zu nehmen. In sechs Thesen scheute Picker nicht vor kritischen Anmerkungen zur Gesellschaft Jesu zurück. Ihren hierarchischen „Kadergehorsam“ fand er als Protestant untragbar. Auch verwies er darauf, dass jesuitische Kirchenbauten in ihrer Monstrosität auf Protestanten oft einschüchternd wirkten. Andererseits bewunderten Protestanten bis heute die sogenannten „schlauen Jungs“ (SJ) wegen ihrer Bildungskultur. Obwohl Bildung für beide einen hohen Stellenwert habe, zolle man den Jesuiten wegen ihres ganzheitlichen Ansatzes hohen Respekt. Abschließend warf Picker den Ball in die Runde mit der Frage, ob die Reformation die richtige Antwort auf eine – nötige – Reform der Kirche sei. Für die Teilnehmer – unter ihnen outeten sich mehrere als evangelisch oder aus gemischt-konfessionellem Elternhaus – lieferten die Referenten jede Menge Gesprächsstoff.

In der Lutherstadt Wittenberg findet am 23. Juni eine weitere Tagung statt. Thema ist: „Luther und Ignatius als Gestalter des Umbruchs.“ Dabei wird betrachtet, was die beiden „kantigen Provokateure“ gemeinsam haben, und ob der Weg in die Moderne zwangläufig ein getrennter sein muss.

Pater Ralf Klein SJ, der Ökonom des Ordens und Einladende, gab einen Überblick über Neues aus der Provinz, die 2016 mit der Erweiterung des Noviziats für Studenten aus Litauen und Ungarn den ersten Schritt auf ein Zusammenwachsen zur Zentraleuropäischen Provinz aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Ungarn und Litauen, gemacht hat. Aufgelockert wurde das Programm mit einem Ausflug nach Neuleinigen, was einmal mehr zeigte, wie viele kulturhistorische Kleinode in der Pfalz eine Entdeckungsreise wert sind.

Foto und Text: Deutsche Provinz der Jesuiten

brid/ 04.04.2017

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