Fotografin Barbara Stenzel und die Ausstellung „Madonna“ im HPH

Lebensgroße Heldinnenportraits

„Madonna mit Kind – Unsichtbares sichtbar machen“ – Das ist der Titel einer Wanderausstellung, die noch bis 24. April im Foyer des Heinrich Pesch Hauses zu sehen ist. Die Besucher und Tagungsteilnehmer im Haus bleiben vor den großformatigen Tafeln stehen, lesen die Texte, lassen sich anrühren und sprechen darüber. Kein Wunder: Es geht um allein erziehende Frauen von Kindern mit Behinderung.

„Madonna mit Kind“ ist ein Kunstprojekt, das innerhalb von allfabeta entstanden ist. Ziel von allfabeta in München ist es, die allein erziehenden Frauen durch Beratung, verschiedene Gruppenangebote und die intensive Pflege des Netzwerkgedankens in ihrer individuellen Lebenssituation zu stärken. Manchmal treffen sie sich zu mehrtägigen Seminaren, die sie in ihrem Alltag unterstützen sollen. Bei einem dieser Seminare entstand der Gedanke zu diesem Projekt. Begleitet wurden die Frauen dabei von der Malerin Naomi Lawrence und der Fotografin Barbara Stenzel.

Gemeinsam mit Naomi Lawrence setzten sie sich in einem Malworkshop mit dem Bild Marias auseinander und malten ihre Version von Mutterschaft. Entstanden sind Bilder von einem blassen Engel auf rauer See oder als Frau mit Kind auf dem Schoß und viel Licht.

Parallel dazu arbeitete Barbara Stenzel mit ihnen: Mit ihr entstanden die „Heldinnenportraits“. Sie arrangierte die Mütter auf einem schönen roten Stuhl mit ihren Kindern, ähnlich den Darstellungen der heiligen Madonna. Dann führte die Fotografin Interviews mit ihnen, ließ sich ihre persönliche Geschichte erzählen, ihre Sorgen und Alltagsschwierigkeiten, die Vorurteile und Hilfeverweigerung, mit denen sie konfrontiert werden. Es wird nichts beschönigt – und trotz aller Alltagsprobleme nichts dramatisiert.
Wo immer es möglich ist, besucht Barbara Stenzel „ihre“ Wanderausstellung. Jetzt war sie zu Besuch im HPH und sprach mit Bildungsreferent Dr. Jonas Pavelka über „Madonna“. Sie freut sich darüber, dass die lebensgroßen Fotografien und Malereien, die Interviewtexte und Schlagworte, die die Frauen geprägt haben, hier so viel Platz gefunden haben.

Sie erzählt eindrucksvoll von den Sitzungen für die Fotografien, von den Vorbehalten der Frauen, sich so zu präsentieren, von den Schwierigkeiten, die Bilder zu arrangieren und dabei auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Das Gespräch zwischen Fotografin und Bildungsreferent fand vor dem Bild mit dem leeren roten Stuhl statt. Dieser Stuhl steht für die Frauen, die nicht einmal die Zeit fanden für das Fotoshooting.

Nach der Podiumsdiskussion mit der Stiftung für Mutter und Kind zum Thema „Leben mit einem behinderten Kind – muss das heute noch sein?“ ist sie stolz darauf, ihren Beitrag zur Diskussion leisten zu können. Es ist ihr wichtig, dass die Betrachter den Frauen auf Augenhöhe begegnen und durch die Ausstellung die Möglichkeit haben, den Blick zu weiten. Denn viele Frauen berichten davon, wie sie sich ausgegrenzt fühlen – „Auch Bewunderung grenzt aus!“ – und dass sie sich eine Gesellschaft wünschen, „in der man füreinander einsteht.“

Igball Selimi, Fachleiterin von allfabeta, erinnert sich gut an die Diskussionen zu Beginn des Projekts: „Die Frauen wollten nichts mit der Madonna gemeinsam haben“, sagt sie. Aber dann hätten sie sich gegenseitig mitgerissen in dem Prozess. „Es ist viel passiert in der Gruppe, die Frauen sind noch mehr zusammengewachsen“, sagt Selimi. Einfach war das für die Frauen allerdings nicht immer, sondern zum Teil sehr aufwühlend. Heute sind sie stolz darauf, wenn sie hören, dass die Ausstellung wieder an einem anderen Ort gezeigt wird, mit dem Ziel: „Das Unsichtbare sichtbar machen“.

brid / 07.04.2017

  • << Aug 2017 >>
    MDMDFSS
    31 1 2 3 4 5 6
    7 8 9 10 11 12 13
    14 15 16 17 18 19 20
    21 22 23 24 25 26 27
    28 29 30 31 1 2 3
  • Initiative Transparente Zivilgesellschaft

    transparente_zivilgesellschaftpngSelbstverpflichtungserklärung (SVE) der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ) >>mehr erfahren
  • Schenken Sie Ferien – schenken Sie Sprache!

    Ferien für Kinder und Integration für geflüchtete Menschen
    > mehr erfahren 

    Wir danken allen Spendern ganz herzlich für Ihren Beitrag!
  • Ihr Klick bewirkt Gutes!

    Wenn Sie uns einfach und unkompliziert unterstützen wollen, dann können Sie das künftig über die beiden Portale „Schulengel“ und „Gooding“ tun. Bei beiden handelt es sich um ein Spendennetzwerk, dem sich viele Versandhändler angeschlossen haben. Die daran beteiligten Unternehmen zahlen für jeden Einkauf eine Provision – in unserem Fall für unsere Familienbildung im Heinrich Pesch Haus.