Informativer Abend über „Hate speech“ und Unsoziales in sozialen Netzwerken

Klar und kreativ gegen Hasskommentare vorgehen

Die gute Nachricht vorweg: Es gibt durchaus Ansätze und Kampagnen, um sich gegen Hasskommentare im Internet zu wehren. Während Strafanzeigen oder Meldungen an die Betreiber der Plattformen häufig ohne Ergebnis bleiben, zeichnen sich andere Möglichkeiten durch Kreativität aus.

Darüber referierte die Journalistin und katholische Theologin Dr. Claudia Nothelle in der Veranstaltung „hate speech – Wenn es in sozialen Medien unsozial wird“, einer Kooperationsveranstaltung des Heinrich Pesch Hauses  mit den Gleichstellungsstellen der Stadt Ludwigshafen und des Rhein-Pfalz-Kreises, der Kath. Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz und dem Rat für Kriminalitätsverhütung der Stadt Ludwigshafen.

Um in das Thema einzuführen, präsentierte die Referentin einige Kommentare im Netz, die sie selbst als „sehr hässlich“ charakterisierte. Es waren Beschimpfungen, Angriffe und Mordandrohungen gegen Politikerinnen und Journalistinnen. Denn, das ist eine von vielen Beobachtungen: Opfer von solchen Hasskommentaren sind häufiger Frauen als Männer. Und: „Frauen reagieren anders und emotionaler als Männer darauf“, zitierte Nothelle  verschiedene Studien. Insgesamt ist die Zahlenlage zwar noch gering, räumte sie ein. Aus der Kriminalstatistik von 2015 gehe aber beispielsweise hervor, dass es in jenem Jahr eine Steigerung um über 100 Prozent im Vergleich zu 2014 gegeben habe.

„Zehn bist 15 Prozent von Menschen mit sonderbaren – fast strafbaren – Ansichten gab es schon immer“, stellte sie fest – „aber im Netz finden sie sich leichter und können sich gegenseitig bestärken.“ Auch die Journalistin weiß, dass die Sprache im Internet eine andere ist als im direkten Umgang miteinander oder in Zeitungen. „Da darf es auch zur Sache gehen“, räumte sie ein. Aber keinesfalls dürfe man akzeptieren, wenn diese Sprache Beleidigungen, Verleumdungen oder gar Drohungen beinhalten. „Und natürlich ist es keine Lösung zu sagen: Wer das nicht aushält, darf sich eben nicht im Netz bewegen“, bezog sie klar Stellung.

Gesetzesinitiativen, Strafandrohungen und der Versuch, entsprechende Inhalte löschen zu lassen, geraten nach wie vor an enge Grenzen. Nothelle macht sich daher stark dafür, dass die User von sozialen Netzwerken parallel zu diesen Bemühungen selbst aktiv werden. So gibt es inzwischen einige Websites wie   „no hate speech – Hass ist keine Meinung“ ,  „#ichbinhier“ oder „Hass hilft“ . Sie wollen für eine bessere Diskussionskultur im Netz sorgen – teils sehr kreativ. Das Besondere an „Hass hilft“: Durch Anklicken dieses Buttons auf menschenverachtende Kommentare hin wird automatisch eine „unfreiwillige Spende für Flüchtlinge und gegen rechts“ von einem Euro ausgelöst.

Für Claudia Nothelle und die Teilnehmenden an dieser Abendveranstaltung im HPH ist klar: Die Grenze zu Meinungsfreiheit oder Satire im Netz ist da zu ziehen, wo die Würde oder Sicherheit eines Menschen gefährdet ist. Und jede(r) kann etwas dagegen tun, seine Meinung kundtun und dürfe sich „auf jeden Fall nicht wegducken.“ Einige Teilnehmende forderten, dass das Problembewusstsein schon bei jungen Menschen in der Schule entwickelt werden müsse, und informierten sich über entsprechende Materialien dazu. Junge Menschen müssten befähigt werden, sich ihre Meinung zu bilden und dafür einzustehen.

Leider, so befürchten einige, könne man Hassbotschaften im Netz oft nicht mit Fakten oder Argumenten begegnen. Im Gegenteil: Menschen, die solche Botschaften verbreiten, fühlen sich bestätigt durch die eigene verzerrte Wahrnehmung der Realität und die Zustimmung Anderer, die dieses  Gedankengut teilen.

„Ein großes und schwieriges Feld“, fasste die Referentin zusammen: „Aber ich möchte Sie ermutigen, nicht zu schweigen, sondern sich mit Fakten und fundierten Argumenten für eine andere Kultur im Netz einzubringen.“

Ein Linktipp: Social Media Guidelines

brid / 25.04.2017

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