In der Spiel- und Sprachgruppe für geflüchtete Mütter und ihre Kinder

„Die Brücken, die wir bauen, sind keine Einbahnstraßen“

Zehn Frauen aus Afghanistan und Syrien mit ihren Kleinkindern: Die Frauen sitzen im Stuhlkreis, gemeinsam wird wie zu jedem Beginn der Sprachgruppe das Begrüßungslied gesungen – Hände und Fingerspiele kommen dabei zum Einsatz. Die Atmosphäre ist heiter – aber auch konzentriert. So präsentiert sich die Spiel- und Sprachgruppe bei der Familienbildung im Heinrich Pesch Haus.

Einige der Frauen kommen schon seit eineinhalb Jahren hierher. Die Gruppe wurde ins Leben gerufen, um Kinder, die noch keinen Platz in einer Kita haben, auf diese Zeit vorzubereiten – die Kinder lernen dabei gemeinsam mit den Müttern auf spielerische Weise die deutsche Sprache. Das schafft in einem geschützten Rahmen eine besondere Atmosphäre und Bindung.

Das Zwischenfazit von der Sprachförderkraft Monika Geis, die Gruppe im HPH und eine Außengruppe leitet, fällt eindeutig aus: „Mit unserem Angebot erreichen wir mit den Frauen die Kinder und bauen mit ihnen gemeinsam sprachlich, emotional und sozial eine Brücke in unser Land und unsere Kultur.“

Zweimal in der Woche trifft sich die Gruppe im Heinrich Pesch Haus. Die Kinder und Mütter haben im Laufe der Zeit Vertrauen zum Haus und zu ihrer Gruppe aufgebaut. So entsteht Kontinuität, die auch in der Entwicklung der deutschen Sprache erkennbar ist.

Wie zum Beweis dieser Aussage sind die Frauen gerne bereit, sich vorzustellen: mit ihrem Alter und ihrer Herkunft, Namen der Kinder, ihrer derzeitigen Adresse und vielen weiteren Informationen zu ihrer Familie. „Das macht ihr toll, und ihr seid tolle Mütter“, anerkennt Monika Geis. Grundkenntnisse in der deutschen Sprache haben viele Frauen inzwischen: sie können zählen, die Wochentage und Jahreszeiten benennen, sie wissen die Begriffe für Körperteile, Kleidung und Nahrung. Mit diesem Grundwortschatz ausgestattet, können sie Arztbesuche und Einkäufe selbstständig erledigen und beispielsweise die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen.

16 Mütter und 21 Kinder kommen momentan regelmäßig in die Gruppe. Und sie kommen gerne, wie die jungen Frauen betonen, weil sie hier spielerisch und interaktiv lernen, und vor allem: Weil sie auch ihre kleinen Kinder mitbringen können. Sie sind sehr interessiert an der deutschen Kultur, an christlichen Feiertagen und an gängigen Regeln, damit sie nicht „anecken“. „Es ist schwierig, aber wir schaffen es, sagen die Frauen immer wieder zu uns“, berichten Monika Geis und Veronika Löser, die ebenfalls in der Gruppe mitarbeitet. Und sie erinnern daran, dass die Frauen und ihre Kinder viel erlebt haben, was ihr Leben in Deutschland prägt. Umso zufriedener sind Geis und Löser, dass in der Gruppe viel gelacht wird und die Frauen und Kinder sich zunehmend persönlich unterhalten und gegenseitig unterstützen – auch über ihre eigenen Nationalitäten hinweg.

Eine große Uhr und bunte Farbkarten werden ausgepackt – gemeinsam lernen Kinder und Mütter daran die Uhrzeit und was man zu den unterschiedlichen Zeiten macht: frühstücken, zur Arbeit bzw. in die Schule gehen, spielen und schlafen.  In einer kurzen Einheit lernen Mütter und Kinder auch getrennt: Eine pädagogische Fachkraft bastelt dann z.B. jahreszeitbezogen mit den Kindern. Da werden Bildvorlagen ausgemalt und benannt: „Wo siehst Du ein Haus?“ „Wo sitzt der Vogel auf dem Bild?“ sind dazu passende Fragen an die Kinder und alle machen gerne mit. „Fünf Kinder haben wir beim Übergang in die Kita begleitet“, berichtet Geis – und drei Mütter wurden an anerkannte Integrationskurse mit anschließendem Sprachzertifikat  weiter vermittelt. Nur damit sei es möglich, das Deutschlernen für Kinder und Mütter zu ermöglichen.

Die Spiel- und Sprachgruppe ist ein Kooperationsprojekt des Heinrich Pesch Hauses und der Stadt Ludwigshafen – unterstützt durch die Heinrich-Pesch-Stiftung. „Wir sind bei dieser wichtigen Arbeit wirklich froh über die großzügige Unterstützung des Lions Club, Förderverein Tor zur Pfalz,  und des Vereins der Förderer und Freunde des Heinrich Pesch“, betont Jana Schmitz-Hübsch, Koordinatorin der Spiel- und Sprachgruppen im HPH. „Es ist sehr erfüllend, dass wir den Kindern in einer solch entscheidenden Entwicklungsphase spielerische Lernanreize geben können, die Mütter dabei in ihrer Erziehungskompetenz fördern und Brücken in deutsche Regelsysteme und unsere Kultur bauen. Dass die Arbeit Früchte trägt, können wir jederzeit beobachten.“

„Und die Brücken, die wir bauen, sind dabei keine Einbahnstraße, denn auch wir lernen so viel von den Kindern und Müttern“ freut sich Monika Geis.

brid / 12.10.2017

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