Dr. Andreas Batlogg SJ über „Franziskus und seine Vision von der Erneuerung der Kirche“

Barmherzigkeit kennt keine Fristen

Auch nach Ablauf des „Jahres der Barmherzigkeit“, das Papst Franziskus ausgerufen hatte, darf das Thema innerhalb der Kirche nicht beendet sein. Das fordert unter anderem Dr. Andreas Batlogg SJ, Herausgeber und Chefredakteur der „Stimmen der Zeit“. In einem Abendvortrag für das Forum katholische Akademie sprach er über „Grenzenlose Barmherzigkeit? Papst Franziskus und seine Vision von der Erneuerung der Kirche“.

Batlogg bezieht sich dabei auf eine Aussage des Papstes, wonach der barmherzige Umgang mit den Menschen auch eine Frage von Glaubwürdigkeit sei: „Jetzt, da dieses Jubiläum abgeschlossen ist, wird es Zeit, nach vorne zu schauen und zu begreifen, wie auch weiterhin in Treue, Freude und Begeisterung der Reichtum der göttlichen Barmherzigkeit zu erfahren ist. Unsere Gemeinschaften werden im Werk der Neuevangelisierung in dem Maß lebendig und dynamisch bleiben können, wie die ,pastorale Umkehr‘, die zu leben wir aufgerufen sind, täglich von der erneuernden Kraft der Barmherzigkeit geprägt sein wird.“

Der Referent erinnerte daran, dass das Jahr der Barmherzigkeit am 8. Dezember 2015 feierlich eröffnet worden, punktgenau fünfzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils. 19,8 Millionen Pilger haben die Heilige Pforte allein im Petersdom durchschritten. Zwar gibt es Medienberichte, denen zufolge das Heilige Jahr, touristisch gesehen, ein Flop gewesen sei. Wichtiger ist für Batlogg aber: „Mit der Barmherzigkeit ist es seither sicher nicht vorbei. Das geht gar nicht. Barmherzigkeit kennt keine Fristen oder ein Ablaufdatum – sie ist kein pastoraler Gag des Papstes gewesen, keine jesuitische Charme-Offensive.“

Diese Denkweise sei auch deshalb wichtig, so Batlogg, weil Barmherzigkeit kein abstraktes Wort sei, sondern ein Lebensstil: „Es geht also durchaus darum Lebensgewohnheiten, vielleicht ja auch Glaubensgewohnheiten zu ändern, nachhaltig – und zum Leben der Kirche, zu ihrem Handeln, gehört Barmherzigkeit.“

Er räumt ein, dass Papst Franziskus den Ausdruck »Barmherzigkeit« fast schon inflationär verwende: von Anfang an, wieder und wieder. Aber: Manche können es schon nicht mehr hören, dieses Wort. Und trotzdem: Barmherzigkeit boomt. Alle reden davon. Viele schreiben darüber. Es ist ein Markt geworden: Bücher und Zeitschriften haben das Thema aufgegriffen. Ein Trend. Verkauft sich gut. Steckt mehr dahinter? Und wirkt das Thema nachhaltig oder ist es eine Eintagsfliege?

Für den Jesuiten und Journalisten Batlogg ist klar: Die Pforten der Barmherzigkeit mögen demnächst schließen. Aber Geschichte ist das Anliegen damit nicht. Und wenn doch – dann wird Kirche unglaubwürdig!

Um seine Ausführungen zu konkretisieren, erinnerte er am Ende seines Vortrags an eine moderne Version der sieben Werke der Barmherzigkeit mit, die der frühere langjährige Bischof von Erfurt, Joachim Wanke, Neutestamentler von Beruf, in einer Predigt entwickelt hat:

„Einem Menschen sagen: Du gehörst dazu
Einem Menschen sagen: Ich höre dir zu
Einem Menschen sagen: Ich rede gut über dich
Einem Menschen sagen: Ich gehe ein Stück mit dir
Einem Menschen sagen: Ich teile mit dir
Einem Menschen sagen: Ich besuche dich
Einem Menschen sagen: Ich bete für dich.
Egal wie: Christen sind eingeladen, alternativ zu leben und zu denken. Der Schlüssel dazu ist: Barmherzigkeit!“

Eine Kurzfassung des Vortrags von Dr. Andreas Batlogg SJ lesen Sie hier.

brid / 13.05.2017

  • << Jul 2017 >>
    MDMDFSS
    26 27 28 29 30 1 2
    3 4 5 6 7 8 9
    10 11 12 13 14 15 16
    17 18 19 20 21 22 23
    24 25 26 27 28 29 30
    31 1 2 3 4 5 6
  • Initiative Transparente Zivilgesellschaft

    transparente_zivilgesellschaftpngSelbstverpflichtungserklärung (SVE) der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ) >>mehr erfahren
  • Schenken Sie Ferien – schenken Sie Sprache!

    Ferien für Kinder und Integration für geflüchtete Menschen
    > mehr erfahren 

    Wir danken allen Spendern ganz herzlich für Ihren Beitrag!
  • Ihr Klick bewirkt Gutes!

    Wenn Sie uns einfach und unkompliziert unterstützen wollen, dann können Sie das künftig über die beiden Portale „Schulengel“ und „Gooding“ tun. Bei beiden handelt es sich um ein Spendennetzwerk, dem sich viele Versandhändler angeschlossen haben. Die daran beteiligten Unternehmen zahlen für jeden Einkauf eine Provision – in unserem Fall für unsere Familienbildung im Heinrich Pesch Haus.